Motorenbau

TU Graz: Erfolgreiche Tests neuer Systeme für Dieselmotoren

Ein jetzt erfolgreich in Graz getestetes ASDS-System setzt auf Ammoniak, das in Salz gebunden ist. Das Besondere: Ein Euro-5-Fahrzeug kann damit unter realen Fahrbedingungen die Abgassandards Euro 6 für Stickoxide erreichen.

Das ist ein Symbolbild.

Eine neue Lösung in der Abgasnachbehandlung für Diesel-Pkw zeichnet sich ab. An der Technischen Universität Graz wurde ein Technologiekonzept getestet, das im Testbetrieb mit einem Euro-5-Fahrzeug unter realen Fahrbedingungen die Euro-6-Emissionsstandards für Stickoxide (NOx) sogar übertroffen hat, wie die TU Graz meldete. Die EU-Kommission zeichnete die Idee mit 1,5 Mio. Euro aus.

Von Dänen und Franzosen entwickelt

Die TU Graz hat eine Technologie getestet, die das dänische Technologieunternehmen Amminex (ein Unternehmen des französischen Faurecia-Konzerns, Anm.) entwickelt hat. Dabei handelt es sich um eine Lösung, die ursprünglich für den Nutzfahrzeugmarkt, speziell Busse, konzipiert war und nunmehr für den Einsatz bei Diesel-Pkw angepasst wurde. Dieser Weg zur Reduktion von Stickoxiden (NOx) wird Ammonia Storage and Delivery System (ASDS) genannt.

Anders als bei der üblichen Harnstoff-Einspritzung (AdBlue) verzichtet diese Technologie auf eine wässrige Harnstofflösung. Das zur Reduktion der NOx-Emissionen benötigte Ammoniak wird hier in fester Form in einem Salz gebunden, wie Peter Grabner vom Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der TU Graz gegenüber der APA erklärte. Durch Wärmeeinwirkung beim Starten wird es gasförmig wieder freigesetzt. Bei kalt werdendem Motor wird das Ammoniak vom Salz wieder absorbiert und verfestigt sich wieder.

White Paper zum Thema

Tests am Grazer Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik

Die Tests an einem nachgerüsteten Euro-5-Dieselfahrzeug mit SCR-Katalysator durch das Grazer TU-Institut haben die Effizienz des neuen Konzepts unter realen Fahrbedingungen nachgewiesen. Die Emissionen des Fahrzeugs wurden sowohl vor als auch nach der Nachrüstung des Wagens mittels PEMS-Geräten, das sind tragbare Emissionsmesssysteme, erfasst.

Die Basismessungen des Autos ergaben Emissionen von 800 mg (Sommer) bis zu 1.300 mg (Frühling) NOx pro Kilometer, was vier bis sieben Mal mehr ist als der Euro-5-Grenzwert. Dieser erlaubt nur Emissionen von 180 mg NOx pro Kilometer. Das Ergebnis nach der Nachrüstung sei "beeindruckend", wie Grabner erklärte.

Es zeigte sich, dass die durchschnittlichen Emissionen unter realen Fahrbedingungen auf 40 mg NOx pro Kilometer reduziert wurden - deutlich unter dem aktuellen Euro-6-Emissionsstandard, der 80 mg NOx pro Kilometer erlaubt. "Das innovative Konzept bietet großes Potenzial, um Fahrzeuge umweltfreundlicher zu machen und zukünftige Abgasnormen einzuhalten", urteilte der Grazer Forscher.

Gemeinsam mit Automobilherstellern soll nun der Prototyp des ASDS-Systems für Pkw weiterentwickelt, standardisiert und die Zulassung der Technologie vorangetrieben werden. Die Europäische Kommission zeigte sich bereits beeindruckt und hat den Prototypen jüngst mit dem mit 1,5 Mio. Euro dotierten "Horizon 2020"-Preis in der Kategorie "Engine retrofit for clean air" ausgezeichnet. Die TU Graz erhält rund ein Drittel des Preisgeldes.

Das Original ist hier im Internet abrufbar (externer Link) und heißt:
B. Giechaskiel, R. Suarez-Bertoa, T. Lähde et al.: "Evaluation of NOx emissions of a retrofitted Euro 5 passenger car for the Horizon prize "Engine retrofit", Environmental Research, 2018

(apa/red)

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