Digitalisierung

Trumpf-Systemtechnik-Chef Hagen Strasser: Der Konzern-Revoluzzer

Er bereitet als Querdenker Trumpf auf die digitale Zukunft vor: Systemtechnik-Chef Hagen Strasser unterhält in der Trumpf-Organisation ein ziemlich erfolgreiches Widerstandsnest.

Hagen Strasser, 44, Leiter Systemtechnik, Trumpf Maschinen Austria
Seine Branche: Maschinenbau
Geschäftsmodell der Zukunft: Systemlösungen
Damit erreicht er Disruption: Intrinsische Motivation

Als wilder Haufen Spinner sieht man sich in der Rübengasse 3 nicht. Das will Hagen Strasser klargestellt haben. Sehr strukturiert arbeite seine siebenköpfige Abteilung daran, das Systemtechnikgeschäft für den Maschinenbauer Trumpf hochzuziehen. In starker Anlehnung an die ISO-Norm 15288 („System- und Software-Engineering – System-Lebenszyklus-Prozesse“), versteht sich. Trotzdem sticht die in einem Hörschinger Mietobjekt domizilierte Abteilung – ganz bewusst nicht am nur wenige Gehminuten entfernten Paschinger Trumpf-Areal installiert – von der übrigen Organisation ab: Statt getakteter Serienfertigung findet hier Anlagenbau statt. Sind im Biegebereich Feldtests bei Pilotkunden Usus, arbeitet Strassers Team ohne Fallnetz. Das Produkt hat zu funktionieren. „Wir kriegen keine zweite Chance“, sagt er.

"Wir kriegen keine zweite Chance"

Damit umzugehen, braucht Strasser – er leitete zuvor sieben Jahre die Vorentwicklung der Paschinger – nicht mehr lernen. Er hat sich und seiner Truppe ein Umfeld geschaffen, das kalkuliertes Scheitern – also frühzeitige Fehler – möglich macht. Projektmisserfolge? Feierte Strassers Entwicklerkollegium seinerzeit in Pasching, „weil daraus neue Möglichkeiten entstanden“, sagt er. Motivationsmanagement amerikanischer Prägung lehnt Strasser rundweg ab – stattdessen setzt er auf intrinsische Motivation: Spaß an der Arbeit, hergeleitet über Freiheiten, die er sich im Konzern erst einmal erkämpfen musste.

Nicht zufällig sehen manche Kollegen in ihm einen modernen Don Quijote: Nicht die tragikkomische Figur Cervantes, sondern einen Querdenker, der erfolgreich Strukturen aufbricht: „Große Organisationen denken gern nach Schema F. Nicht immer ist es aber das zukunftträchtigste“, sagt Strasser. Der Einsatz jenes Mannes, der bei der jährlich wiederkehrenden Erhebung arbeitsbedingter Überlastung die Frage „Nehmen Sie nach Feierabend berufliche Probleme mit nach Hause“ stets stolz mit „Ja“ beantwortet, macht sich bezahlt: Im Mai gelangt das erste Projekt zur Kundenabnahme.

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