Industriekonjunktur

Trumpf-Produktspezialist Harald Böck: "Synchronisieren Prozesse im Biegeverbund"

Warum die neueste Generation von Biegezellen aus Pasching für kleine Losgrößen wie geschaffen ist, erzählt Harald Böck, Leiter Produktmanagement und Global Sales Support bei Trumpf.

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"Zuversichtlich stimmt uns insbesondere der Urlaubsmonat August, der war mit Blick auf den Auftragseingang sehr erfreulich": Harald Böck, Leiter Produktmanagement und Global Sales Support, Trumpf Maschinen Austria

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Böck, wie kommt der Paschinger Trumpf-Standort durch die Pandemie? 

Harald Böck: Wie andere Unternehmen auch, sind wir aktuell bis Ende September in Kurzarbeit. Die Auftragslage zu Beginn unseres Geschäftsjahres, welches am 1. Juli begonnen hat, stimmt uns leicht positiv für unser Biegegeschäft. Zuversichtlich stimmt uns insbesondere der Urlaubsmonat August, der war mit Blick auf den Auftragseingang sehr erfreulich. Wir hoffen, dass ein gezieltes Corona-Vorgehen nur für betroffenen Regionen beibehalten wird. Ein kompletter Shutdown ganzer Branchen hat sich als eher wenig praktikabel erwiesen.

Wie entwickelt sich das Geschäft der Trumpf Systemtechnik am heimischen Standort?

Böck: Der Trend zur Automatisierung und Verkettung von Anlagen hält weiter an. Die aktuelle COVID-Situation lässt unsere Kunden noch intensiver über die effektive und effiziente Gestaltung von Wertschöpfungsketten nachdenken. Wir bieten die komplette Blechbearbeitung aus einer Hand an.

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Welche Stärken spielt ein familiengeführtes Unternehmen jetzt aus? 

Böck: Insbesondere in Krisen zeigen sich die Stärken der Familienunternehmen, wie auch bereits in der Krise 2008 zu beobachten war. Wir denken nicht kurzfristig, sondern langfristig in Generationen und Technologien. Was Familienunternehmen häufig auszeichnet, ist die konservative Finanzstruktur und eine hohe Eigenkapitaldecke. Das macht uns von den Finanzmärken unabhängig. 

Beobachten Sie Effekte der Pandemie auf Innovationsgeschwindigkeit und Digitalisierung? 

Böck: Auch die Notwendigkeit zur Digitalisierung hält an. Anwender erwarten konkrete Lösungen, die mittels Digitalisierung ablaufbedingte Produktionsstillstände minimieren. Mit dem neuen Tool Setup Optimizer (TSO), das seit März auf dem Markt ist, reduziert Trumpf etwa die Produktionszeit durch die Optimierung der Rüstpläne. Dies ist bei kleinen Losgrößen mit häufigen Umrüstungen des Werkzeugs besonders hilfreich. Ebenfalls seit März hat Trumpf eine neue Generation der erfolgreichen Biegezelle TruBend Cell 5000 auf dem Markt. Sie ist nun auch mit der äußerst schnellen Programmiersoftware TecZone Bend ausgestattet – sprich, man kann nun auch eine Zelle innerhalb von Sekunden programmieren. So lohnt sie sich auch bereits bei kleinen Losgrößen. 

Konnten Sie das konzernweite Produktionssteuerungssystem Synchro am Standort Pasching zuletzt eigentlich weiter optimieren? 

Böck: Der Sinn hinter Synchro ist ein stetiger Veränderungs- bzw. Verbesserungsprozess. Es werden also ständig Dinge und Zustände hinterfragt, im Kleinen wie im Großen. Das fängt bei der Anpassung unserer Kabelwägen für die Fließlinie an und hört bei der Bewältigung immer komplexer werdender Produkte und einer steigenden Variantenvielfalt auf. 

Dazu kommt, dass wir im Biegeverbund ja auch zwei Werke im Ausland haben, wo Synchro ebenfalls eingeführt bzw. am Laufen ist: In Lonigo, Italien, werden unsere Schwenkbiegemaschinen hergestellt, in Teningen, Deutschland, unsere großen Biegemaschinen und Tandemanlagen der Serie 8000. Die Prozesse dort müssen mit unseren synchronisiert sein, insbesondere was die Belieferungen, aber auch Auslieferungen und Abwicklungsprozesse angeht. Auch hier ist das Motto: Kontinuierliche Verbesserung.

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