Automobilindustrie

Trump und die Autobranche - eine Geschichte der Angst

Fast Mantra-artig sprechen sich die Autohersteller auf der Detroiter Automesse Mut vor der Trump-Ära zu. Die deutschen Autobauer scheinen entspannter zu sein.

Donald Trump hat ein Jobwunder versprochen, und will das auch etwa mithilfe von Strafzöllen auf Autos und andere US-Importe durchsetzen, die beispielsweise in Mexiko produziert werden. Die Unternehmen parieren - scheinbar - artig, so hat es zumindest den Anschein. So schafft Ford etwa 700  neue Arbeitsplätze, Fiat Chrysler 2.000 - fast könnte man meinen, die großen Autobauer wollten dem neuen US-Präsidenten einen besonders warmen Empfang bereiten. 

Mit Wohlwollen gegenüber der neuen Regierung muss das Entgegenkommen jedoch nichts zu tun haben. Denn der republikanische Rechtspopulist geht nicht mit Klingelbeutel von Tür zu Tür, sondern setzt die Konzerne massiv unter Druck. Die Verunsicherung ist groß.

Trump und CES dämpfen die Stimmung

Dass die Stimmung diesmal gedämpft ist, liegt zwar auch daran, dass die kurz vorher stattfindende Technikmesse CES in Las Vegas dem Event immer mehr den Rang abläuft. Doch der Trump-Faktor hängt wie ein Damoklesschwert über der Branche.

Dabei sah es zuletzt gut aus. Der Absatz brummt, die boomende Nachfrage hat den Herstellern 2016 einen erneuten Verkaufsrekord auf dem US-Markt beschert. Eigentlich könnten sich die Autobauer beim Branchentreffen in der krisenerprobten US-Industriemetropole auf die Schultern klopfen - trotzdem ist keinem zum Feiern zumute, denn mit dem Regierungswechsel zieht Ungewissheit auf.

Daimler-Chef Zetsche glaubt nicht an Strafzölle

In Detroit bemühen sich die Größen der Industrie, Gelassenheit zu demonstrieren. "Wir sind zwei Wochen vor der Inauguration, insofern würde ich sagen, befinden wir uns im Wesentlichen noch im Reich der Spekulation", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche am Vorabend der North American International Auto Show. "Deswegen würde ich eigentlich gerne tatsächliche Entscheidungen abwarten." Was würde es bedeuten, wenn Strafzölle kommen würden? "Ich erwarte es nicht."

Überhaupt setzt die deutsche Automobilindustrie darauf, dass ihr der künftige US-Präsident Donald Trump keine Handelshemmnisse aufbürdet. Zusammenarbeit und offene Märkte, freier Handel und Direktinvestitionen seien zwei Seiten einer Medaille, sagt dazu etwa VDA-Chef Matthias Wissmann. Denn die Bedeutung der deutschen Autobauer und ihrer Zulieferer für die amerikanische Wirtschaft sei doch hoch, nach seinen Informationen hätten deutsche Hersteller in den vergangenen sieben Jahren die Produktion in den USA auf 850.000 Einheiten vervierfacht. Jedes zweite deutsche Auto aus US-Produktion werde exportiert, 41 Prozent würden in den Vereinigten Staaten verkauft.

„Es wäre sicher auch klug, die Zollfreiheit des Nafta-Raums nicht infrage zu stellen", betonte Wissmann. Er vermied damit eine direkte Kritik an Trumps Androhung von Strafzöllen bei Fahrzeugimporten aus Mexiko in die USA. 

Andere Brancheninsider äußern sich ähnlich. "Trump wird einsehen müssen, dass nicht alles, was er sagt, umgesetzt werden kann", sagt Sandy Schwartz, Chef des US-Autohandelsriesen Cox Automotive. Früher oder später werde der Immobilienmogul die Realität anerkennen. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir eine seismische Verschiebung erleben werden." Doch hinter vorgehaltener Hand räumen viele Analysten ein, dass die Lage durchaus prekär ist.

In 140 Zeichen zur Wunschsituation

Mit heftiger Kritik an Globalisierung und Freihandel hat Trump die Branche vor den Kopf gestoßen. Oft reichten ihm dafür 140 Zeichen bei Twitter. In der letzten Woche attackierte Trump zuerst US-Marktführer General Motors (GM) und dann den weltgrößten Autobauer Toyota für geplante Investitionen im benachbarten Niedriglohnland Mexiko. Die Aktionen sorgten für Wirbel, sogar die japanische Regierung schaltete sich ein, um Toyota in Schutz zu nehmen.

Kürzlich kündigte der italienisch-amerikanische Autokonzern Fiat Chrysler an, eine Milliarde Dollar (944,38 Mio. Euro) in zwei bestehende Werke in den USA zu stecken. Nur wenige Tage vorher hatte Ford nach andauernder Kritik von Trump verkündet, Pläne für eine 1,6 Milliarden Dollar teure Fabrik in Mexiko zu streichen und stattdessen 700 Mio. Dollar in den USA zu investieren. Insgesamt sollen die Initiativen von Ford und Fiat Chrysler rund 2.700 neue US-Jobs schaffen. Beide Unternehmen bestreiten zwar, dass Trump dabei eine Rolle gespielt hat. Doch ein Beigeschmack bleibt.

Vor 30 Jahren war die Beziehung inniger 

Das Verhältnis zwischen dem New Yorker Immobilien-Tycoon und der Autobranche war nicht immer so angespannt. Vor gut 30 Jahren pflegte Trump sogar eine innige Beziehung - insbesondere zur GM-Konzerntochter Cadillac. Die gipfelte 1988 in der gemeinsamen Entwicklung zweier extravaganter Stretch-Limousinen. Die "Cadillac Trump Series" sollte damals den Standard setzen, was Ultraluxus angeht. Trump hatte schon zuvor nie einen Hehl aus seinem Faible für die Kultmarke Cadillac gemacht.

Auch dieser Tage könnte er sich für Detroit durchaus noch zum Hoffnungsträger entwickeln. Einerseits bedroht Trumps Hang zum Protektionismus zwar die Geschäfte der dort ansässigen US-Hersteller wie GM oder Ford. Andererseits aber hat er der Autostadt frei nach seinem Motto "Amerika zuerst" ein fulminantes Comeback versprochen. Mit Konjunkturpaketen und Steuerreformen will Trump der US-Wirtschaft zu einem neuen Boom verhelfen, von dem auch die Autoindustrie profitieren soll. (apa/dpa)