Automobilindustrie

Trump macht die Detroiter Automesse „great again“

Die US-Automesse in Detroit hat in den letzten Jahren etwas an Glanz verloren, die Technikmesse CES in Las Vegas stellte sie, unter anderem durch den Hype um Roboterautos, in den Schatten. Das könnte sich nun wieder ändern.

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Die in die Tage gekommene US-Automesse in Detroit, die von 8. bis 22. Jänner stattfindet, kehrt zu altem Glanz zurück. Nachdem die Schau der leistungsstarken Geländewagen, Supersportwagen und Pick-ups in den vergangenen Jahren in den Schatten der Technikmesse CES in Las Vegas, die von 5. bis 8. Jänner über die Bühne geht, geraten war, könnten sich die Verhältnisse nun wieder wenden.

Das liegt nicht nur daran, dass der künftige US-Präsident Donald Trump den Autobauern mit seinen Wahlversprechen für geringere Umweltauflagen Hoffnung macht. Zugleich lässt nach Meinung einiger Experten der Hype um Roboterautos nach, dem zuletzt auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas gefrönt wurde.

Trump gibt traditionellen Autobauern wieder Hoffnung

"Ich sehe von Investorenseite, dass es deutlich weniger auto-bezogenes Interesse an Las Vegas gibt und die Leute wieder alle nach Detroit gehen", sagt Arnd Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI. "Das hat damit zu tun, dass die Musik aus Themen wie Ridesharing, Ride-Hailing (Vermittlung von Mobilität per App) und dem autonomen Fahren raus ist."

Ellinghorst führt das auch darauf zurück, dass das Interesse großer IT-Konzerne am Auto etwas abgekühlt sei: "Apple macht eher kein Auto und Google zieht sich zurück." Die Konzerne aus dem Silicon Valley stellten fest, dass das Automobilgeschäft nicht so einfach ist. "Das bringt viele Leute auf den Boden zurück." Trump vermittle dagegen den Eindruck, dass die traditionellen Autobauer eine Zukunft hätten. Dafür sei die Autoschau in Detroit der richtige Ort.

Trump soll Obamas Umweltvorgaben verwässern

Der Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer hält 2017 einen Rekordabsatz in den USA von 17,9 Millionen Fahrzeugen für möglich, wenn Trump seine Wahlversprechen wahr macht. Dazu gehören etwa Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur, durch die die US-amerikanische Konjunktur angekurbelt werden soll. Die Verbraucher hätten damit mehr Geld in der Tasche, um sich ein neues Auto zu leisten. Im abgelaufenen Jahr wurden auf dem nach China zweitgrößten Automarkt der Welt Hochrechnungen zufolge 17,5 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen.

Die Branche setzt darauf, dass die nächste US-Regierung Umweltvorgaben von Amtsinhaber Barack Obama entschärfen wird. Trump hat bereits im Wahlkampf zu erkennen gegeben, dass er dem Klimaschutz weniger Bedeutung beimisst und die Erderwärmung für eine Erfindung hält, um der amerikanischen Industrie zu schaden. Mehrere Autobauer waren gegen den Plan der alten Regierung Sturm gelaufen, den Spritverbrauch der Fahrzeuge bis 2025 zu halbieren. Das Programm soll dazu beigetragen, Elektroautos in den USA aus der Nische zu bringen. In den ersten elf Monaten lag ihr Anteil lediglich bei 0,8 Prozent.

Elektromobilität ist aber „nicht mehr aufzuhalten“

Zurückdrehen lässt sich die Entwicklung hin zu alternativen Antrieben nach Meinung von Experten allerdings nicht. "Die Elektromobilität ist nicht mehr aufzuhalten", sagt Harald Linne, Autoexperte der Managementberatung Atreus. Trump rassele zwar mit den Säbeln und demonstriere Macht, nach Innen wie nach Außen. Er werde durch Steuersenkungen versuchen, die Bedingungen für die Industrie zu verbessern. "Aber am Ende wird die Strategie der amerikanischen Autobauer nicht durch Herrn Trump definiert, sondern durch die Märkte in Europa und Asien." In China fördert die Regierung die Elektromobilität massiv, um der Luftverschmutzung in den Großstädten Herr zu werden. Auf dem weltgrößten Pkw-Markt ist der Anteil der Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen bereits doppelt so hoch wie in den USA.

Fette Spritfresser im Rampenlicht

Die USA erliegen dagegen vielfach noch den Verlockungen des niedrigen Ölpreises. Auf den Messeständen im Cobo Center am Detroit River stehen wieder vor allem Fahrzeuge mit großvolumigen Verbrennungsmotoren, am liebsten dicke Pritschenwagen mit acht Zylindern, SUVs und luxuriöse Sportwagen. Die zu General Motors gehörende Marke Chevrolet rollt die neue Corvette ZR1 ins Rampenlicht, Lokalrivale Ford präsentiert den optisch überarbeiteten Mustang. Chevrolet zeigt zudem den SUV Traverse, die Schwestermarke GMC den Terrain. Die deutschen Autobauer wollen in der Oberklasse Akzente setzen: BMW zeigt den neuen 5er und Mercedes die E-Klasse als Coupe. Volkswagen versucht in den USA einen Neustart mit dem kompakten SUV Tiguan, der dort in der verlängerten Version mit sieben Sitzen unter dem Namen Allspace auf den Markt kommt.

Ganz auf Elektroantrieb verzichten will jedoch kaum jemand. So stehen auf fast allen Messeständen zumindest Hybridautos, die einen herkömmlichen Verbrenner mit einem Elektromotor verbinden. VW zeigt zudem ein weiteres Modell seines batteriegetriebenen Konzeptfahrzeugs ID, das schon bei der Messe in Paris für Furore sorgte. (apa/Reuters)

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