Zulieferindustrie

Trotz positiver Bilanz: Steirische PPC Insulators wird offenbar geschlossen

Der Standort des Isolatorenhersteller PPC im Westen der Steiermark soll geschlossen werden, 160 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit. Für die Besitzer zähle nur Gewinnmaximierung, so der Betriebsrat. PPC baut Isolatoren für große Stromleitungen und hat eine positive Bilanz.

Die weststeirische Niederlassung der PPC Insulators in Frauental soll bis Jahresende geschlossen werden. Das hat der Betriebsrat jetzt mitgeteilt. 160 Arbeitsplätze sind von der Schließung betroffen. Die Geschäftsführung war vorerst für keine Stellungnahme erreichbar.

Betriebsratsvorsitzender Günter Steinbauer erklärte gegenüber der Austria Presse Agentur, dass die Niederlassung heute von der geplanten Schließung des PPC Insulators-Standortes Frauental erfahren habe. "Es stimmt, wir hatten in den vergangenen Jahren Auftragsprobleme, aber zuletzt hatte es einen Restrukturierungsplan mit Neubeginn gegeben", zeigte er sich empört.

Hersteller hat eine positive Bilanz

Der steirische Arbeiterkammer-Präsident Josef Pesserl übte ebenfalls Kritik an der geplanten Schließung eines "positiv bilanzierenden Unternehmens" und zeigte sich "entsetzt": "Es ist unerträglich, wenn 160 Jobs auf dem Altar der Gewinnmaximierung geopfert werden sollen."

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Das Unternehmen sei bekannt für die hohe Qualität seiner Keramikisolatoren. Deshalb sei der Betrieb sehr wohl konkurrenzfähig.

"Für den Eigentümer zählt offenbar nur Gewinnmaximierung"

In einer Aussendung gemeinsam mit Betriebsrat Friedrich Kainz drückte Steinbauer sein Unverständnis aus: "Für den Eigentümer zählt offenbar nur Gewinnmaximierung." Die 1921 gegründete Porzellanfabrik "Frauenthal" (Bezirk Deutschlandsberg) stattete unter anderem 380-Kv-Leitungen in der Steiermark mit Keramik-Isolatoren aus und ist laut Betriebsrat Hauptlieferant der ÖBB und der Austrian Power Grid.

Hauptlieferant der ÖBB und der APG

Die Belegschaftsvertreter werfen dem Eigentümer, dem internationalen Finanzinvestor Triton, "schwere strategische Fehler" vor: "Es ist unbegreiflich, dass man sich als Konzern mit Billigprodukten aus dem asiatischen Raum matcht anstatt sich auf High-End-Produkte, wie sie in Frauental hergestellt werden, zu spezialisieren."

Produktion soll ab September schrittweise heruntergefahren werden

Laut Steinbauer habe CEO Erik Göthlin und nicht Geschäftsführer Andreas Sonntag die Hiobsbotschaft am Donnerstag überbracht. Demnach soll die Produktion ab September heruntergefahren werden und mit Ende des Jahres komplett auslaufen. Sollten noch Aufträge ausständig sein, könnte diese maximal noch im ersten Quartal 2018 fertig produziert werden.

Steinbauer erklärte, dass den Mitarbeitern zwar Jobs bei anderen Standorten angeboten wurden, diese befinden sich aber alle im Ausland. Im Restrukturierungsplan sollte eigentlich "nur" ein Drittel der Belegschaft abgebaut werden, doch da man genug Aufträge hatte, seien bisher keine Jobs gestrichen worden. Der mit der Restrukturierung ausverhandelte Sozialplan habe laut Steinbauer noch seine Gültigkeit, müsse nun aber neu überarbeitet werden. Er forderte eine Arbeitsstiftung. (apa/red)

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