Abgaskrise

Trotz Krise - Verkauf von Marken kommt für VW nicht in Frage

Trotz des harten Sparkurses und der Abgaskrise will Europas größter Autobauer keine seiner Marken verkaufen. Unterdessen läuft auch in Österreich der größte Rückruf der Firmengeschichte an - hier der aktuelle Überblick.

Nach dem Beginn der größten Rückrufaktion der Firmengeschichte hat der krisengeschüttelte VW-Konzern den Verkauf einzelner Marken ausgeschlossen. "Wir haben zwölf erfolgreiche Marken, die sehr wettbewerbsfähig sind", sagte VW-Konzernchef Matthias Müller der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Derzeit gebe es keinen Grund, das infrage zu stellen.

VW steckt seit Bekanntwerden der Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen im vergangenen September tief in der Krise. Vor wenigen Tagen startete der Konzern den vom Kraftfahrt-Bundesamt angeordneten Rückruf betroffener Fahrzeuge. Der deutsche Autofahrerclub ADAC kündigte an, die technischen Anpassungen genau unter die Lupe zu nehmen.

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In Deutschland müssen rund 2,5 Millionen Autos in die Werkstatt. Von Februar an könnten ADAC-Mitglieder ihre betroffenen Fahrzeuge zu Vorher-/Nachher-Messungen anmelden, teilte Deutschlands größter Autoclub am Sonntag in München mit. Dabei gehe es vor allem um mögliche nachteilige Auswirkungen auf Spritverbrauch und Motorleistung.

Die Untersuchung soll pro Fahrzeug bis zu drei Wochen dauern. Der Autoclub stellt den Besitzern einen Ersatzwagen zur Verfügung. Aus den Anmeldungen sollen in einer ersten Testphase maximal zehn Testfahrzeuge ausgewählt werden. Man werde nicht nur die Testergebnisse veröffentlichen, sondern auch die verbraucherschutzrechtlichen Konsequenzen bewerten, sagte Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik.

Bei der Umrüstung des Modells "Amarok", der als erstes zurückgerufen wurde, waren in den Werkstätten die ersten Fälle erstaunlich schnell erledigt. Jede Werkstatt bekommt 60 Euro pro Auto.

Rückruf auch in Österreich gestartet

In Österreich müssen rund 388.000 VW-Fahrzeuge in die Werkstatt - die Aktion ist vergangene Woche angelaufen. Hierzulande sind etwa 60 Prozent Autos mit 2.0-TDI-Motor mit Euro-4 und Euro-5, bei denen ein Software-Update genügt. Bei den 1.6-TDI-Modellen muss auch an der Hardware herumgeschraubt werden.

VW drohen wegen des Abgasskandals weltweit Milliardenstrafen und immense Rückrufkosten. Müller hat aus diesem Grund kurz nach seiner Ernennung zum Konzernchef einen massiven Sparkurs angekündigt. Volkswagen müsse organisatorisch "neu ausgerichtet werden", sagte VW-Vorstand Andreas Renschler der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Es gebe aber keinen Druck. "Die operativen Ergebnisse im Volkswagen-Konzern sind gut, trotz allem."

Der Abgasskandal hatte auch die Diskussion über Testverfahren bei Autos befeuert. Das Plenum des Europaparlaments soll am Mittwoch (3.2.) über neue europäische Regeln für realistischere Abgastests für Dieselautos entscheiden. Doch ob die Vorgaben ab Herbst 2017 schrittweise eingeführt werden, steht auf der Kippe. Der Ausgang des Votums gilt als völlig ungewiss.

Anstoß nehmen besonders im linken und grünen Lager viele Abgeordnete an geplanten großzügigen Überschreitungen geltender Schadstoffwerte. Für eine Übergangszeit dürften Dieselautos noch mehr als doppelt so viel Abgase ausstoßen wie im Labor (110 Prozent mehr). Nach Darstellung der EU-Kommission wäre dies immer noch eine Verbesserung. Denn künftig sollen Dieselautos auf der Straße getestet werden (bei RDE-Tests, "Real Driving Emissions"). (dpa/apa)

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