Stahlindustrie

Trotz Gegenwehr: Arcelormittal will Stahlwerk Ilva schließen

Arcelormittal bleibt nach der Übernahme von Ilva hart und will das riesige Stahlwerk im Süden Italiens schließen. Der Schritt trifft nicht nur 8.000 Mitarbeiter, sondern auch dutzende Zulieferer. Italiens Regierung will dagegen kämpfen.

Der weltweit größte Stahlkonzern Arcelormittal meint es mit seinen Plänen zum Rückzug aus Italien ernst. Von Mitte Dezember bis Mitte Jänner sollen die Öfen in dem von Arcelormittal übernommenen Ilva-Stahlwerk im süditalienischen Tarent schrittweise abgeschaltet werden.

Arcelormittal: Neue Gesetze als Begründung

Der weltgrößte Stahlkonzern hatte vor zehn Tagen mitgeteilt, die vor einem Jahr besiegelte Übernahme des Ilva-Werks rückgängig zu machen. Als Grund nannte er jüngste Änderungen in der italienischen Gesetzgebung, mit denen eine Immunität für eventuelle Verstöße gegen Umweltbestimmungen aufgehoben würde. Die italienische Regierung reagierte verärgert und will gegen Arcelormittal vor Gericht ziehen. Der Stahlgigant will 5.000 von 10.700 Arbeitsplätzen in Italien streichen.

Aktuell dazu:
Stahlwerk Ilva: Rom droht mit hartem Vorgehen gegen Arcelormittal >>  

Ilva: ArcelorMittal bezahlt jedem Mitarbeiter, der freiwillig geht, 100.000 Euro >>
Stahlindustrie: Arcelormittal lässt Übernahme von Ilva platzen >>

White Paper zum Thema

Schritt trifft über 8.000 Arbeitnehmer und dutzende Zulieferer

In Tarent beschäftigt das Stahlwerk über 8.000 Arbeitnehmer. Obwohl die Regierung gegen den indisch-französischen Stahlkonzern wegen Vertragsbruchs vor Gericht ziehen will, bleibt das Unternehmen hart. Das Management begründete die Pläne zum Rückzug mit sinkender Stahlnachfrage. Schon ab Mitte Dezember will Arcelormittal die Produktion im Stahlwerk in Tarent stark reduzieren, was sich auch auf die Zuliefererindustrie negativ auswirken wird. Ilvas größte Lieferanten kündigten an, sie könnten ihren Mitarbeitern die Gehälter bald nicht mehr zahlen.

Gewerkschaft: Industrieland Italien braucht Stahlproduktion

Die Gewerkschaften sind besorgt. Am Freitag ist im Industrieministerium in Rom ein Treffen der Arbeitnehmerorganisationen mit dem Management geplant. Gewerkschaftschef Maurizio Landini meinte, Italien könne als Industrieland nicht auf seine Stahlproduktion verzichten. "In Tarent muss man weiterhin Stahl produzieren, zugleich aber die Gesundheit der Arbeitnehmer schützen", sagte Landini in Anspielung auf die Probleme bei der Behebung der Umweltschäden, die das Stahlwerk in den vergangenen Jahren verursacht hat.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Italien hat zu wenig getan

Um das Stahlwerk in Tarent in der süditalienischen Region Apulien gibt es schon seit längerem Streit wegen möglicher Gesundheitsgefahren. Im Jänner hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg geurteilt, der italienische Staat sei bisher unzureichend gegen die Risiken vorgegangen und habe damit die Menschenrechte der Einwohner in der Nähe des Werks verletzt. Es gab schon wiederholt Berichte über eine gehäufte Zahl von Krebserkrankungen in Tarent. (APA/red)

Zur Situation am Markt:
Arcelormittal: "Gravierende Krise am Stahlmarkt" >>

Aus der Branche:
Voest, Verbund und Siemens nehmen "H2Future" in Betrieb >> 
Drei Bietergruppen legen Angebot für Thyssens Aufzugsparte >>  
Chinesische Gruppe kauft British Steel - und den Zugang zu Europas Markt >>