Strommarkt

Trennung der Stromhandelszone: Höhere Strompreise in Österreich bleiben

ie Auftrennung der früher gemeinsamen Strompreiszone mit Deutschland mit 1. Oktober hat zu neuen Marktverhältnissen auch innerhalb Österreichs geführt. Der Regulator E-Control sieht den größten heimischen Versorger bzw. auch die Top-3 zusammen nun als "Marktbeherrscher" an und würde bei Verstößen nicht zögern, Verfahren gegen Missbräuche einzuleiten.

Weil aus einem großen gemeinsamen Markt nun der kleine inländische verblieben ist, können die heimischen EVU die für die Frage einer beherrschenden Stellung relevanten Hürden nun leicht überspringen, was in Österreich und Deutschland zusammen früher nicht möglich war. Laut heimischem Recht liegt eine marktbeherrschende Stellung vor, wenn ein Unternehmen einen Anteil von 30 Prozent am relevanten Markt einnimmt oder drei Unternehmen zusammen mindestens 50 Prozent.

"Sollten sich etwaige Verdachtsfälle der Marktmanipulation erhärten, wird die E-Control formale Ermittlungsverfahren eröffnen", erklärte Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand beim Energieregulator, im APA-Gespräch im Zusammenhang mit der Beobachtung der heimischen Regelreservemärkte. Denn seit der Zonentrennung seien "besonders beunruhigende Preis- und Kostenentwicklungen" aufgetreten, "die auf eine gewisse Tendenz zur Ausnutzung von Systemknappheiten hinweisen".

Durch die Neubewertung einer marktbeherrschenden Stellung im Zuge der Zonentrennung seien bei der Ahndung neben den üblichen REMIT-Verfahren - zur Integrität und Transparenz des Energiemarkts - auch Kartellrechtsverfahren denkbar, so Urbantschitsch. Auf den Regelreservemärkten, die dem Übertragungsnetzbetreiber APG zur Ausregelung von Erzeugungs- und Verbrauchsungleichgewichten in einer Regelzone dienen, sei es nämlich in den ersten Oktober-Tagen bei der Sekundärregelung, dem weitaus größten Regelreserve-Teilmarkt, "zu einer sprunghaften Vervielfachung der Kosten" im Vergleich zum Jahresschnitt gekommen. "Derartige Marktergebnisse werden von der E-Control besonders detailliert geprüft."

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Für ein verstärktes Marktmonitoring habe die E-Control schon vorab alle nötigen Vorkehrungen getroffen - da schon antizipiert worden sei, dass die neuen Marktstrukturen in Österreich "mit einem hohen Grad an Unsicherheit einhergehen und somit auch einen gewissen Nährboden für etwaige Marktmanipulation bieten" würden. Ein besonderes Augenmerk am neuen, gegenüber früher begrenzten Markt werde auf die Aktivitäten der als marktbeherrschend identifizierten Unternehmen gerichtet. Und hier betrachtet man sowohl die potenzielle Engpassleistung der Kraftwerke als auch die tatsächliche Stromerzeugung.

Gemessen an allen Kraftwerken zusammen liegt auf Basis der 2017er Daten der größte Versorger deutlich über 30 Prozent Marktanteil sowohl bei der Engpassleistung als auch der Jahresproduktion der öffentlichen Erzeugung. Die Top-3 kommen bei Potenzialerzeugung und tatsächlicher Produktion auf über 60 Prozent.

Aus E-Control-Sicht ist auch die Versorgung bei Knappheiten von besonderer Relevanz "und somit häufig Grundlage für die Generierung von Knappheitspreisen auf dem Stromgroßhandelsmarkt". Deshalb werte man wegen der strategischen Bedeutung auch die Wettbewerbsstrukturen der regelbaren Kraftwerkssegmente (Wärme- und Speicheranlagen) aus. "Dabei zeigt sich eine noch ausgeprägtere marktbeherrschende Stellung einzelner Unternehmen." Auch hier liegen die Anteile jeweils über den Limits. (apa/red)