Tiwag und ÖBB begraben Streit im Tiroler Ötztal mit Tauschgeschäft

Die landeseigene Tiroler Wasserkraft AG (Tiwag) und die ÖBB haben ihren Streit im Zusammenhang mit den konkurrierenden Kraftwerksplänen im Ötztal mit einem Tauschgeschäft beigelegt. Die ÖBB ziehen ihren eingebrachten Antrag auf Bewilligung eines Kraftwerkprojektes an der Ötztaler Ache zurück. Im Gegenzug bekommen sie von der Tiwag für rund 70 Jahre Strom zu "angemessenen Konditionen". Der Vertrag wurde am Dienstag von Bahn-Chef Christian Kern und Tiwag-Vorsitzendem Bruno Wallnöfer in Innsbruck unterzeichnet.

Energieversorger Bruno Wallnöfer Christian Kern Energie Top 1000 Manager

Über die genauen Konditionen wollten die Vertragspartner keine Details bekanntgeben, nur soviel: "Der Verdacht, dass uns die Tiwag etwas schenkt, ist mir bis jetzt nicht gekommen", betonte Kern. Der Sinn des Geschäfts liege darin, die ÖBB so zu stellen, als hätten sie das Kraftwerk zu aktuellen Investitions- und Finanzierungskosten errichtet, sagte Wallnöfer: "Damit haben wir für beide Seiten eine vernünftige Lösung gefunden."

Nach den Plänen der ÖBB hätte das Kraftwerk eine Kapazität von rund 230 Gigawattstunden gehabt. "Jetzt bekommen sie 100 Gigawattstunden pro Jahr zu den Kosten, die sie gehabt hätten, wenn sie das Kraftwerk errichten hätten müssen", erläuterte Wallnöfer. In die Kostenberechnung seien viele Parameter eingeflossen.

Die Tiwag erspart sich dadurch die Mühen eines langwierigen wasserrechtlichen Widerstreitverfahrens mit ungewissem Ausgang. Damit könne der Landesenergieversorger seine Speicherprojekte "Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz" und "Ausbau des Kaunertalkraftwerkes" ohne Zeitverzögerung weiter voran treiben, erklärte Wallnöfer. Und die ÖBB sicherten sich mit dem Bezugsvertrag Strom zu guten Konditionen. Der Strombedarf werde bis 2025 um rund 30 Prozent steigen, meinte Kern. Daher sei es essenziell, rechtzeitig die Versorgung sicherzustellen. (APA/red)

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