Energie und Umwelt

TIWAG: Ausbau zur Energieautonomie

Die Tiwag will mit dem Ausbau des Kraftwerks im Kühtai aber nicht nur Tirol zur Energieautonomie verhelfen, sondern auch die europäische Energiewirtschaft stützen.

In ca. neun Jahren soll der neue Speichersee inklusive unterirdischem Pumpspeicherwerk fertig sein

Essentiell für die langfristige Versorgungssicherheit und Energieautonomie Tirols sei das Großprojekt, so Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) beim Tunnelanstich Ende April. Für Tirol sei das nun entstehende Kraftwerk Kühtai 2 von Vorteil, weil die Wertschöpfung in Tirol bleibt, so der TIWAG-Vorstandsvorsitzende Erich Entstrasser. Bei dem Projekt gehe es aber nicht nur um Tirol, sondern um die gesamte europäische Energiewirtschaft.

Energiewende könne nur „gemeinsam funktionieren“

Der Strom der TIWAG kommt bekanntermaßen nicht nur Tirol zugute. Viel wird beispielsweise nach Deutschland verkauft. Die europäische Energiewende müsse man europäisch betrachten, so Erich Entstrasser im Gespräch mit dem ORF Tirol. „Es geht darum, dass jeder seinen Beitrag leistet. Die Länder im Süden mit Photovoltaik, im Norden der Wind und in den Alpen die Wasserkraft. Es wird nur gemeinsam funktionieren.“

Energie zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Der Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland 2020 habe für den europäischen Energiemarkt weitreichende Folgen, so Entstrasser. Damit gehe nämlich eine vom Wetter unabhängige Erzeugungsmöglichkeit für Strom verloren. Mengenmäßig könnten Windenergie und Photovoltaik den Kohlestrom ersetzen. „Wir müssen aber die Energie zur richtigen Zeit am richtigen Ort haben und das ist eigentlich nur mit Wasserkraftwerken bzw. Speicherkraftwerken möglich“, sagte Entstrasser. Deshalb sei der Kraftwerksausbau im Kühtai ein zukunftsträchtiges Projekt.

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Alpenvereine wehrten sich bis zuletzt

Die Alpenvereine aus Österreich, Deutschland und Südtirol traten wiederholt gegen die Pläne der TIWAG im Kühtaier Längental auf. Im Hinblick auf die Energiewende laste auf den Alpen ein riesiger Erwartungsdruck, hieß es beispielsweise im August 2019 von den Alpenvereinen. Einerseits gebe es große Potenziale zur Ausschöpfung der Wasserkraft, andererseits seien die alpinen Ökosysteme besonders wertvoll und empfindlich.

Abwägung zwischen Umweltschutz und Energiewende

Der Kraftwerksausbau stellt einen massiven Eingriff in die Natur da. Sechs Jahre lang wird voraussichtlich gebaut. Im Längental entsteht ein weiterer Stausee, der 31 Milliarden Liter Wasser fassen soll. Aufgrund der Dimension des Projekts dauerten auch die Verfahren im Vorfeld relativ lange. 2009 wurde das Projekt eingereicht, erst elf Jahre später gab es schließlich grünes Licht.

„Es ist sehr gut zwischen Umwelt und Nutzen durch die Stromproduktion abgewogen worden. Deshalb ist es absolut vertretbar, dass hier dieser Bau gemacht wird“, so Landeshauptmann und TIWAG-Eigentümervertreter Günther Platter. Schließlich würden von der TIWAG auch Ausgleichsmaßnahmen „in einem hohen Ausmaß“ unternommen. Laut Platter wollen alle genügend Strom zur Verfügung haben. Darum brauche es solche Wasserkraftwerke. (red)

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