Kraftwerkbau

Tiroler GE Jenbacher liefert 20 riesige Gasmotoren nach Kiel

Mitten in turbulenten Zeiten am Heimatstandort liefert der Tiroler Hersteller GE Jenbacher 20 riesige Gasmotoren in ein besonders modernes Kraftwerk im hohen Norden Deutschlands.

Der Tiroler Gasmotorenhersteller GE Jenbacher hat den zwanzigsten und damit letzten Gasmotor an das Gasmotorenheizkraftwerk in Kiel in Norddeutschland geliefert. Die Betreiber bezeichnen das Werk als "eines der modernsten und flexibelsten Gasmotorenheizkraftwerke Europas". Zur Feier des Tages enthüllten Vertreter der Stadtwerke Kiel, der Kraftanlagen München sowie von GE Jenacher einen Gasmotor des Typs "20 Jenbacher* J920 FleXtra".

Turbulente Zeiten für die Tiroler

Für das Tiroler Werk kommt die Feier im hohen Norden Deutschlands mitten in schwierigen Zeiten - denn der amerikanische Mischkonzern General Electric, zu dem das Werk gehört, will Berichten zufolge sein Geschäft der Herstellung großer Gasmotoren verkaufen. Hauptsitz und Produktionsstandort dieser Sparte ist das österreichische Tochterunternehmen GE Jenbacher.

Es sei bereits eine New Yorker Finanzfirma mit den Einzelheiten beauftragt worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings hieß es zuletzt seitens der Geschäftsführung von GE Jenbacher gegenüber dem INDUSTRIEMAGAZIN: "Wir können den Verkauf derzeit weder dementieren noch bestätigen."

White Paper zum Thema

Aktuell zu den Entwicklungen bei GE Jenbacher:
GE Jenbacher: "Können Verkauf derzeit weder dementieren noch bestätigen" >>
GE will Gasmotorensparte verkaufen: "Niemand war darüber informiert" >>

Eckdaten zum Kraftwerk in Kiel

Das neue Gasmotorenheizkraftwerk ersetzt die bisherige Strom- und Wärmeerzeugung mit dem seit 1970 betriebenen Kohlekraftwerk an der Kieler Förde. Aufgrund des hohen Gesamtwirkungsgrads von rund 91 Prozent sowie  der  vorteilhaften  Umwelteigenschaften  des  Energieträgers Erdgas wird die neue Anlage über 70 Prozent weniger CO2 ausstoßen als das Vorgängerkraftwerk. Laut Plan soll das neue Küstenkraftwerk im ersten Quartal 2019 ans Netz gehen.

Nach Inbetriebnahme wird das neue Großmotorenheizkraftwerk zukünftig mehr als 73.000 Kieler Haushalte und Einrichtungen mit klimaverträglicher Fernwärme versorgen. Zudem wird die erzeugte elektrische Energie in das Kieler 110-kV-Stromnetz eingespeist, das sowohl die Haushalte der Landeshauptstadt als auch der umliegenden Gemeinden mit Strom versorgt. Überschüssige Energie wird in das vorgelagerte Stromnetz weitergeleitet. Zur  Flexibilität der Kraft-Wärme-Kopplungsanlage tragen außerdem ein 60 Meter hoher Wärmespeicher (30.000 m3 Speichervolumen) und ein leistungsstarker 35-MW-Elektrodenkessel (Power-to-Heat-Technologie) bei.  

Realisiert von GE Jenbacher und Kraftanlagen München

Geplant und realisiert wird das Gasmotorenkraftwerk von der Kraftanlagen München (KAM) und GE. KAM ist Generalunternehmer für Planung, Lieferung, Errichtung und Inbetriebsetzung des schlüsselfertigen Kraftwerks inklusive der Hilfsgebäude und der Einbindung von Wärmespeicher und Elektrodenkessel.

„Mit der vollzähligen Anlieferung der Gasmotoren feiern wir einen wichtigen Meilenstein dieses Leuchtturmprojekts der Energie- und Wärmewende. Wir sind stolz darauf, gemeinsam mit den Stadtwerken Kiel und GE eines der modernsten, größten und flexibelsten Gasmotorenheizkraftwerke Europas zu bauen“, erklärt Reinhold Frank, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kraftanlagen München GmbH.  

Übrigens bekam dieses Kraftwerk wegen seines Konzeptes bereits eine Auszeichnung: Leuchtturmprojekt mit Gasmotoren von GE Jenbacher gewürdigt >>

Lob bei der Lieferung des letzten Gasmotors

Die Küstenstadt will mit dem neuen Kraftwerk die Fernwärmeversorgung sichern und so ein Kohlekraftwerk ersetzen, das im kommenden Jahr stillgelegt wird. Dazu sei das Kraftwerk ein Beitrag zur Energiewende und setze aufgrund des Erzeugungskonzepts mit Gasmotoren, Wärmespeicher und Elektrodenkessel neue Maßstäbe in Sachen Flexibilität, Effizienz und ökologischer Nachhaltigkeit, so die Betreiber.

"Unser Küstenkraftwerk ist europaweit einzigartig", so Frank Meier, Vorstand der Stadtwerke Kiel. „Die 20 Jenbacher FleXtra Gasmotoren in den Motorzellen platziert zu haben, ist ein weiterer Meilenstein für die zuverlässige, zukunftsfähige und wirtschaftliche Wärmeversorgung Kiels.“ Technikvorstand Jörg Teupen sagt: "Durch das modulare Erzeugungskonzept kann das Küstenkraftwerk höchst flexibel auf alle Anforderungen des Energiemarkts reagieren. Jeder der 20 Gasmotoren ist in weniger als fünf Minuten auf Volllast. So können wir jederzeit auf wechselnde Netzsituationen reagieren."

Im Fall von Kiel "bewegen sich die Schwankungen der erneuerbaren  Energieproduktion zwischen Sturm und Flaute. Diese starken Schwankungen  erfordern ergänzende Energielösungen, die bei Bedarf rasch und zuverlässig einspringen – wie eben das neue Küstenkraftwerk", so Carlos Lange, Präsident der Kraftwerkssparte des amerikanischen Mutterkonzerns General Electric.

(red)