Coronahilfen

Tirol: Acht Millionen Euro für Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Die Tiroler Landesregierung hat ein neues Förderpaket auf den Weg gebracht, um die Folgen der Krise in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt zu bekämpfen. Die Coronakrise habe Tirol "massiv" getroffen, so Landeshauptmann Platter (ÖVP).

Die schwarz-grüne Tiroler Landesregierung hat zur Förderung des Wirtschaftsstandortes und des Arbeitsmarktes ein 7,6 Mio. Euro schweres Maßnahmenpaket geschnürt. Bei dem "Wirtschafts- und Arbeitsmarktpaket für Tirol" handle es sich um einen "Umsetzungsbeschluss im Rahmen bestehender Maßnahmen", sagte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) im Rahmen einer Pressekonferenz im Innsbrucker Landhaus.

Internationalisierung, Digitalisierung und Neugründungen

Zwei Mio. Euro sollen dem Wirtschaftsstandort in Form dreier konkreter Initiativen in den Bereichen Internationalisierung, Digitalisierung und Neugründungen zu Gute kommen, 5,6 Mio. Euro werden in den Arbeitsmarkt investiert, wobei Stiftungen und der Arbeitsmarktförderungs-GmbH AMG eine zentrale Rolle zukommt. Die Coronapandemie habe sich "massiv" auf den Wirtschaftsstandort Tirol ausgewirkt, wobei Branchen unterschiedlich stark betroffen seien, erklärte Platter. Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) erinnerte daran, dass zwar eine "herausfordernde Zeit hinter uns, aber auch vor uns liegt". Es sei "ein Kraftakt", an das Vorkrisenniveau anzuschließen.

Zunächst soll der Internationalisierungsförderungsfond erneuert werden. Künftig solle es "sowohl mehr Förderungsnehmer als auch mehr Maßnahmen geben", um die Wettbewerbsfähigkeit der Tiroler Wirtschaftstreibenden zu stärken. "Wir sind eigentlich schon Export-Champions", so Zoller-Frischauf. Durch die eng mit dem Bund abgestimmten Maßnahmen wolle man "noch besser" werden. Erstmals werde die Förderung nun auf kleine und mittlere Tourismusbetriebe ausgeweitet. Auch Kosten im Bereich von digitalen Medien können künftig gefördert werden. Für die Tiroler Tourismusförderung werde zusätzlich eine Million Euro zur Verfügung gestellt.

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Pilotprojekt "digital.tirol"

Die bereits vor der Pandemie als Pilotprojekt in Hall, Imst, Sankt Johann und Kufstein gestartete Initiative "digital.tirol" soll nun auf das gesamte Bundesland ausgerollt werden, kündigte Zoller-Frischauf an. Dass es im Bereich E-Commerce und digitalen Angeboten vor allem bei "kleinstrukturierten Unternehmen Nachholbedarf" gebe, habe sich während der Pandemie gezeigt. "Digital-Lotsen" sollen künftig 1.500 bis 2.000 Geschäfte im Hinblick auf ihre Digitalstrategie beraten.

Eine halbe Mio. Euro sollen auch in den Bereich Gründungen fließen. Pro Jahr würden tirolweit 3.000 neue Unternehmen gegründet, davon 20 Startups. Die neue Initiative richte sich an die weitaus größere Gruppe der über 100 innovativen Gründungen pro Jahr, die im Gegensatz zu Start-ups in etablierten Märkten neue Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle gründen. Ziel sei es, jene Unternehmen nicht nur bis zur Gründung sondern in einem mehrphasigen Prozess auch darüber hinaus zu begleiten.

Arbeitslosigkeit bleibt vorerst weiter hoch

Die durch Corona stark gestiegene Arbeitslosigkeit gehe aktuell wieder zurück, was sehr erfreulich sei, berichtete unterdessen der Landeshauptmann. Insgesamt weise sie aber noch ein hohes Niveau auf.

Die für Arbeitsagenden zuständige Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) präsentierte vier konkrete Vorhaben im Bereich Arbeitsmarktpolitik. Man wolle einerseits in Stiftungen investieren: Teilnehmer der 2002 ins Leben gerufenen Pflegestiftung würden nun mit einem zusätzlichen monatlichen Bildungsbonus in der Höhe von 120 Euro ausgestattet, jeweils 300 zusätzliche Plätze seien für die Insolvenzstiftung Neu in den Jahren 2021 und 2021 vorgesehen.

"Obwohl die Insolvenzen im ersten Quartal 2021 um 59 Prozent rückläufig waren und so den niedrigsten Wert seit 1972 erreicht hätten, erwarten wir einen Anstieg an Firmenpleiten mit dem Ende der Unterstützungsmaßnahmen", erklärte Palfrader.

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Zudem wolle man die Begabtenförderung für Lehrlinge auch auf das erste Lehrjahr ausweiten und um 140.000 Euro aufstocken. Gemeinsam mit der Arbeitsmarktförderungs-GmbH AMG werde man Rahmenbedingungen erarbeiten, die die Rückkehr in den Arbeitsmarkt erleichtern sollen, außerdem wolle man eine Kampagne zu Maßnahmen für den Arbeitsmarkt starten, um einen "niederschwelligen Zugang" zu den Möglichkeiten zu ermöglichen.

LH-Stv. Ingrid Felipe (Grüne) sagte dazu, dass es "ein entschlossenes, parteiübergreifendes Handeln" zur Bewältigung der Krise brauche. Das beschlossene Wirtschafts- und Konjunkturpaket trage zur "Weiterentwicklung, Qualifizierung und Transformation" der Arbeitnehmer bei und mache Menschen und Unternehmen "fit für die Zukunft".

ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth begrüßte in einer Aussendung das vom Land Tirol präsentierte Paket, erneuerte aber zudem seine Forderung nach einem dritten Konjunkturpaket. Ferner regte Wohlgemuth die Schaffung eines Notausbildungsfonds für kleinere Betriebe an, damit jene auch weiterhin Lehrlinge aufnehmen können. (apa/red)

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