KI in der Produktion

TietoEVRY-Experte Rumpl: "Vor der KI kommt das Konsolidieren der Daten"

Für die Papierindustrie zählt das Sammeln und Analysieren von Produktionsdaten schon lange zum Tagesgeschäft. Warum auch andere Branchen nachziehen, schildern zwei Experten des IT-Dienstleisters TietoEVRY im Interview.

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"Wir setzen auf einen neutralen Integrationsstandard": Bernhard Rumpl, Principal Consultant TietoEVRY Austria 

Blickt Bernhard Rumpl in die Papier- und Verpackungsindustrie, sieht er eine Portion Konsequenz: Das Sammeln und Analysieren von Daten ist hier seit Jahrzehnten Realität. Wer - wie zuletzt ein bekanntes Zellstoffwerk - einen dreistelligen Millionenbetrag in neue Papiermaschinen blättert, für den zählt die laufende Optimierung nun Mal zum Räderwerk des Erfolgs, erzählt Rumpl, der bei TietoEVRY Austria Industrieprojekte betreut. Das Beispiel ist nicht aus der Fantasie geschöpft: Der finnische IT-Dienstleister, der sich zu Jahresbeginn mit dem norwegischen Mitbewerber EVRY zusammenschloss, darf für sich bei MES-Systemen im Pulp- und Papierbereich eine führende Position beanspruchen. Dass die datenbasierte Analyse und Optimierung von Prozessparametern nun auch bei kleiner dimensionierten Anlagen das Prädikat "empfehlenswert" erhält, ist für Rumpl nur konsequent. Vor allem, wenn an mehreren Standorten ähnliche Produkte erzeugt werden. Dann macht es Sinn, Daten vor Ort nicht nur lokal zu speichern und zu analysieren. „Sondern die in mühevoller Kleinarbeit entstandene Arbeit eines Prozessingenieurs über alle Standorte zu skalieren", so der Digitalisierungsexperte. 

So etwa nahm im Pilotwerk Wiener Neudorf eines Rohrproduzenten ein Projekt seinen Ausgang, bei dem über Edge-Controller Daten zum optimalen Betrieb der Extruder abgegriffen, optimiert und über die Cloud mit den rund 200 weiteren Konzernstandorten verknüpft werden. Die Industrie kommt ihrer Vision einer End-to-End-Daten-Lösung, die vom ERP bis auf die Einzelmaschinenebene reicht und bisher manuelle Dokumentationsschritte automatisiert, also schon nahe. Speziell zwei Optimierungsthemen - Ausschuss und Maschinen-Stillstandzeiten - „treiben Unternehmen quer durch die Bank um", sagt Bernhard Rumpl. Dass TietoEVRY die Rolle als Integrator dabei recht routiniert ausspielen kann, liegt auch an den Weichenstellungen der jüngeren Zeit. Zu Microsoft und dessen Cloud-Computing-Plattform Azure wurden noch engere Bande geknüpft. Man selbst setze auf einen "neutralen Integrationsstandard" (O-Ton Rumpl).   

Ihre wahren Stärken spielt die Cloud folglich schon heute bei entsprechender Skalierung aus. Oder in einer nahen oder etwas ferneren Zukunft, in der Projekte um die Meriten künstlicher Intelligenz bereichert werden. "Die eine Killerapplikation" sehe TietoEVRY-Experte Bernhard Rumpl zwar noch nicht. Vielmehr gehe es vorerst um die Basisarbeit, um sich bei KI "nicht immer in riesigen Integrationsprojekten zu verlieren", so Rumpl. Deshalb ist der IT-Dienstleister beim EU-Projekt Fudipo an Bord, das auf elegantere Wege zur Kombination komplexer mathematischer Methoden, Messverfahren und Prozesse in der Industrie abzielt. "Es benötigt noch einige Konsolidierungsarbeit bei den Daten, bevor ein großflächigerer KI-Einsatz den erhofften Mehrwert auch wirklich bringt", sagt Rumpl. 

White Paper zum Thema

TietoEVRY, Hausjell © TietoEVRY

Manuel Hausjell, Consultant TietoEVRY Austria: "Nachrüsten macht Digitalisierungsprojekt unnötig teuer"

Ein Standpunkt, den auch TietoEVRY-Kollege Manuel Hausjell vertritt. Use-Cases wie die vorausschauende Wartung von Anlagen seien aus Vernetzungssicht zwar keine große Sache mehr. Die nötige Datenqualität jedoch werde erst in wenigen Betrieben standardmäßig erreicht, sagt er. Mit dem Standard zur Industriellen Kommunikation OPC UA sei das Abgreifen von Daten mit Edge-Devices immerhin wesentlich einfacher. 

Zur Selbstoptimierung aber fehlt doch noch einiges. So wird das Rückschreiben von Steuerdaten gerade bei Anlagen älteren Semesters mangels Updates und Lizenzen nur mangelhaft unterstützt. Ein klarer Aufruf an die österreichische Industrielandschaft: “Fordert die Unterstützung von bidirektionaler Kommunikation bei jedem Anlagenkauf und -umbau vom Hersteller ein! Nachrüsten macht Digitalisierungsprojekt unnötig teuer.” Und es braucht - neben den Prozessingenieuren, die ihre Produktionslinien wie ihre Westentasche kennen - künftig wohl noch mehr Datenspezialisten." Gerade bei der Kombination mit unstrukturierten Daten in einer DataLake als auch strukturierteren Daten im Data Warehouse", sagt Hausjell.

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