Abgasskandal

Tierversuche: Erster Rücktritt auch bei Daimler

Wegen der Versuche an Affen hat Daimler seinen Leiter für Umweltschutzfragen suspenidert. Auch bei Volkswagen kam es zuvor zu einem Rücktritt. Zum wiederholten Mal distanzieren sich die beteiligten Autokonzerne von den Versuchen - die sie selbst in Auftrag gegeben haben.

Automobilindustrie Daimler Volkswagen BMW Tierversuche Personalia

Auch Daimler zieht personelle Konsequenzen aus der Affäre um Abgastests mit Affen: Der Vorstand habe entschieden, den Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung freizustellen, der in der Leitung der inzwischen aufgelösten Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) saß, teilte Daimler in Stuttgart mit.

Im Tätigkeitsbericht der Vereinigung von 2012 bis 2015 ist Udo Hartmann aufgeführt, der Konzernbeauftragte für Umweltschutz bei Daimler.

Volkswagen hatte am Zag zuvor seinen Cheflobbyisten Thomas Steg beurlaubt, weil er offenbar seit Jahren von den Abgas-Versuchen an Affen in den USA wusste:  Tierversuche: Zwangsurlaub für Generalbevollmächtigten bei VW >>

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Die "New York Times" hatte vergangene Woche über die Tests berichtet. Die von VW, BMW, Daimler und Bosch im Jahr 2007 gegründete EUGT hatte die Versuche in Auftrag gegeben. Am Sonntag wurde dann bekannt, dass sie auch Tests mit Menschen finanzierte.

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Daimler bekräftigte, das Vorgehen der EUGT widerspreche "unseren Werten und ethischen Prinzipien". Der Konzern distanziere sich ausdrücklich von den Studien und der EUGT.

Daimler habe zwar keinen Einfluss auf den Versuchsaufbau gehabt, aber dennoch eine umfassende Untersuchung eingeleitet. Dabei werde der Konzern von einer externen Kanzlei unterstützt. "Wir werden den Sachverhalt lückenlos aufklären und sicherstellen, dass sich derartige Vorgänge nicht wiederholen", versicherte Daimler.

BMW: Für unseren Mitarbeiter gilt die Unschuldsvermutung

BMW indes steht weiterhin zu seinem Mitarbeiter, der den Münchner Autokonzern von 2011 bis 2015 als Referent in der Lobby-Initiative EUGT vertreten hatte. Der Mann "bleibt Mitarbeiter der BMW Group", werde nur vorerst auf eigenen Wunsch von seinen aktuellen Aufgaben im Bereich von urbaner Mobilität und Kommunen befreit, teilte BMW in München mit.

Er habe glaubhaft versichert, dass er EUGT-Tierversuche kritisch hinterfragt habe. BMW habe an den Studien nicht mitgewirkt. In der laufenden Untersuchung gelte für den Mitarbeiter die Unschuldsvermutung. "Gleichzeitig steht die BMW Group zu ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern", sagte ein Sprecher. BMW hatte sich von den Tierversuchen distanziert. (dpa/apa/red)

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