Stahlindustrie

Thyssenkrupp verhandelt weiter: "Man muss Tata Zeit geben"

Gegen den Willen seiner Belegschaft will das Management des deutschen Stahlriesen das eigene Stahlgeschäft in Europa mit der Sparte des indischen Stahlkonzerns Tata zusammenlegen - doch schnelle Ergebnisse sind vorerst nicht in Sicht. Zugleich baut Thyssenkrupp jetzt das Industriegeschäft aus, um dem Preisdruck der Stahlbranche zu begegnen.

Bei den sich seit Monaten hinziehenden Gesprächen über eine Stahlfusion von Thyssenkrupp und Tata Steel ist kein rascher Durchbruch in Sicht. "Da kann ich Ihnen keine festen Zeitpläne geben. Das wäre einfach unseriös", sagte Thyssenkrupp-Finanzchef Guido Kerkhoff. Tata bemühe sich, Hindernisse wie die milliardenschweren Pensionslasten in Großbritannien aus dem Weg zu räumen. "Da ist doch was unterwegs. Da muss man Tata auch die nötige Zeit geben, das abzuarbeiten."

Insidern zufolge gibt es bei Thyssen und Tata Überlegungen, im Fall einer Fusion die Produktion im britischen Tata-Werk Port Talbot einzuschränken. Dies könnte zu einem Stellenabbau führen.

Die Arbeitnehmervertreter von Thyssenkrupp befürchten durch einen Zusammenschluss aber auch in Deutschland die Streichung von Arbeitsplätzen und die Schließung von Standorten. Das Management müsse die Geschäfte nicht restrukturieren, sondern mit Investitionen voranbringen, forderte Segerath. "Wir haben Kapazitäten, die erhaltenswert sind, und dafür werden wir kämpfen."

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Unterdessen kämpft das europäische Stahlgeschäft von Thyssenkrupp mit einem Gewinnschwund. Der Gesamtkonzern konnte jedoch dank der profitablen Aufzugssparte und des Geschäfts mit Autoteilen zulegen.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 (per Ende September) um 40 Prozent auf 329 Mio. Euro. Vorstandschef Heinrich Hiesinger bekräftigte die Prognose, wonach der operative Gewinn im Gesamtjahr von zuletzt 1,5 auf 1,7 Mrd. Euro steigen soll.

"Wir bauen den Anteil der Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte aus. Das ermöglicht uns, in Zukunft stabilere Ergebnisse zu erwirtschaften und profitabel zu wachsen", sagte der Manager. Er treibt seit seinem Amtsantritt 2011 den Umbau des Konzerns weg vom schwankenden Stahlgeschäft und hin zu den Technologiegeschäften voran.

Das Stahlgeschäft leidet unter Preisdruck, Überkapazitäten und Billig-Importen aus China. In der europäischen Stahlsparte fiel der operative Gewinn auf 28 Mio. von 51 Mio. Euro vor Jahresfrist. Dies sei enttäuschend, erklärten die Experten von Jefferies. Analysten hatten im Schnitt mit 53 Mio. Euro gerechnet. An der Börse ergriffen Anleger die Flucht: Die Aktie gab zeitweise um 4,8 Prozent nach. "Die Aussagen zu Tata liefern wenig Unterstützung, zudem ist das erste Quartal eher durchmischt ausgefallen", sagte ein Händler.

Dabei waren die Stahlpreise auch wegen Anti-Dumping-Maßnahmen der USA und der EU gegen Billigimporte aus Asien zuletzt angestiegen. Bei Thyssenkrupp schlug dies wegen der vielen noch laufenden Langfristverträge aber noch nicht durch. "Die höheren Preise werden erst im Laufe des Geschäftsjahres sichtbar werden", erklärte Finanzchef Kerkhoff. Im Gesamtjahr werde Steel Europe seinen Gewinn deutlich steigern.

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Weltmarktführer ArcelorMittal legt am Freitag Zahlen vor. Tata Steel hatte diese Woche erstmals seit über einem Jahr wieder für ein Quartal schwarze Zahlen vorgelegt. Auf dem Unternehmen lasten jedoch Pensionslasten in Großbritannien von 15 Mrd. Pfund (17,6 Mrd. Euro). Thyssenkrupp will dafür nicht geradestehen. Tata sei dabei, eine Lösung zu finden, betonte Kerkhoff. "Das läuft. Wir sehen doch erhebliche Fortschritte, die Tata dort macht." (reuters/apa/red)

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