Stahlindustrie

Thyssenkrupp tiefrot: Betriebsrat fordert mehr Geld vom Staat

Beim größten deutschen Stahlhersteller ist die Lage mehr als schwierig: Thyssenkrupp schreibt tiefrote Zahlen und muss Milliarden in die klimafreundliche Produktion stecken. Der Staat solle das mitbezahlen, fordert der oberste Betriebsrat.

Der Betriebsratsvorsitzende der Stahlsparte von Thyssenkrupp, Tekin Nasikkol, fordert für den Aufbau einer klimafreundlichen Produktion schnelle und umfangreiche Finanzhilfen des Staates. "Wir müssen den Turbo bei der Transformation zum "grünen" Stahl einschalten", sagte Nasikkol der Deutschen Presse-Agentur. Der Klimaschutz sei eine gesellschaftliche Aufgabe.

"Kein Stahlunternehmen in Deutschland kann das alleine bezahlen. Deshalb muss wenigstens die Hälfte der Kosten durch den Staat getragen werden." Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) besuchen (10.30 Uhr) das Stahlwerk von Thyssenkrupp in Duisburg. Sie wollen sich über die Planungen des größten deutschen Stahlherstellers für eine klimafreundlichere Produktion informieren. Thyssenkrupp will in seinen Hochöfen schrittweise Kohle durch Wasserstoff ersetzen. Dann würde statt klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) nur Wasserdampf entstehen.

"Die Bundesregierung muss beim Umbau der Stahlproduktion schnell helfen, nicht übermorgen", sagte Nasikkol. Sonst sei die Gefahr "sehr, sehr groß", dass künftig in Deutschland kein Stahl mehr produziert werden könne. "Dann wandert die Produktion in Länder mit niedrigeren Umweltstandards ab. Damit wäre dem Klima nicht geholfen, aber es würden sichere und gute industrielle Arbeitsplätze ins Ausland verlagert", warnte der Betriebsratsvorsitzende.

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Zur Debatte um eine Fusion deutscher Stahlunternehmen unter Beteiligung des Staates sagte Nasikkol: "Einer sinnvollen Konsolidierung versperren wir uns nicht." Der Zwang zur Konsolidierung in der Stahlindustrie habe sich verschärft, seit Länder wie China, Indien und Russland gigantische Stahlmengen auf den Markt werfen. Als privatwirtschaftliche Unternehmen könnten sie nicht mit Volkswirtschaften konkurrieren: "Da geraten sie unter die Räder." Deshalb müsse auch über eine Beteiligung von Bund und Ländern an der Branche nachgedacht werden. (dpa/apa/red)