Stahlindustrie

Thyssenkrupp: Stahlgewerkschaft fordert Abbruch der Fusionsgespräche

Der Stahlbereich von Thyssenkrupp gehöre zu den besten der Welt, sagen die Mitarbeiter des deutschen Industrieriesen. Auf Demonstrationen fordern sie erneut ein Ende der Verhandlungen über eine Fusion mit dem indischen Konzern Tata Steel.

Die IG Metall hat von der ThyssenKrupp-Führung einen Abbruch der Gespräche über eine Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel gefordert. "Der Vorstand soll seine Fusionspläne zu den Akten legen und mit uns beraten, wie der Konzern nach vorne gebracht werden kann", sagte der IG-Metall-Vertreter im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp Steel Europe, Detlef Wetzel.

Auch die Betriebsräte des Konzerns haben sich wiederholt äußerst kritisch zu den Verhandlungen mit Tata Steel geäußert: Betriebsräte von Thyssenkrupp: Ehe mit Tata kann "in einem Desaster enden" >>

"Der Stahlbereich ist auf der Höhe der besten Unternehmen der Branche", meint nun der Aufsichtsrat Detlef Wetzel. Der Konzern habe aber offenbar überzogene Renditeerwartungen. Vorstandschef Heinrich Hiesinger spricht seit dem vergangenen Jahr mit Tata Steel über eine Stahlfusion. Zusammen würden sie den nach ArcelorMittal zweitgrößten europäischen Stahlkonzern schmieden.

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"Auf der Höhe der besten Unternehmen der Branche"

Derzeit demonstrieren die Stahlkocher in Duisburg gegen die Fusionspläne und einen drohenden Stellenabbau durch die Restrukturierungspläne von Stahlchef Andreas Goss. Es ist nicht die erste Demo zu diesem Anlass: Proteste gegen massive Einsparungen bei Thyssenkrupp >>

Der frühere IG-Metall-Chef Wetzel gehört dabei zu den Rednern. "Wir befürchten, dass durch die Restrukturierung rund 4.000 Jobs wegfallen würden."

Im Zuge einer Fusion mit Tata würde es zu einem weiteren gravierenden Arbeitsplatzabbau in Deutschland kommen. "Man kann nicht sagen, die englischen Standorte werden nicht angetastet, aber in Deutschland holt man die Keule raus." Das Tata-Management hatte dem lange Zeit verlustreichen Werk im britischen Port Talbot eine Bestandsgarantie für fünf Jahre und Investitionszusagen gegeben.

Mitarbeiter rechnen mit einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen

"Wir sehen nicht, was ein Joint Venture mit Tata bringen soll", sagte Wetzel, der stellvertretender Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp Steel Europe ist. Zwei Drittel aller Fusionen würden Werte vernichten. "Wir brauchen eine Debatte darüber, was das Ganze bringen soll." Offenbar wolle der Konzern Schulden auf das Joint Venture abwälzen und damit seine Bilanz aufhübschen. "Hiesinger will offenbar drei Milliarden Euro an Schulden loswerden."

Wetzel warnte das Management vor einem Alleingang. "Es wäre ein Irrsinn, das gegen die Stimmen der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten durchzusetzen. Das wäre ein Kulturbruch. Das würde nicht folgenlos für die weitere Zusammenarbeit bleiben."

Stahlwerke in den Niederlanden und Großbritannien involviert

Wetzel forderte die NRW-Landesregierung zu einem stärkeren Engagement in der Frage auf. Mehr dazu hier: Mitarbeiter von Thyssenkrupp rufen den Staat zu Hilfe >>

"Es wundert mich, dass es bei der Landesregierung keinen Aufschrei gibt." Im Fall einer Fusion drohe eine Verlegung des Stahl-Firmensitzes in die Niederlande, wo Tata ein modernes Stahlwerk betreibe. "Ich bin irritiert, dass die Landesregierung unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bislang keine Position zu der Fusionsfrage gefunden hat." Kraft sitze schließlich auch im Kuratorium der Krupp-Stiftung. "Wir würden uns wünschen, dass sie sich äußert." (reuters/apa/red)

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