Stahlindustrie

Thyssenkrupp: Stahlfusion mit Tata "auf der Zielgeraden"

Trotz aller Proteste im eigenen Unternehmen will der deutsche Industriekonzern Thyssenkrupp seine Stahlsparte mit der indischen Gruppe Tata zusammenlegen. Noch im September sei eine Einigung möglich. Hier die wichtigsten Eckdaten.

Thyssenkrupp steht nach eigenen Angaben vor einer Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel. Die Gespräche zwischen den Konzernsitzen in Essen und in der indischen Stadt Bombay verliefen konstruktiv. Die Verhandlungen seien auf der Zielgeraden, sagt ein Konzernsprecher.

Man erwarte die Zustimmung der Gremien, eine Einigung sei noch in diesem Monat möglich. Der Sprecher bestätigte damit einen Bericht des "manager-magazin". Die Konzerne verhandeln seit eineinhalb Jahren über die Fusion zum zweitgrößten Stahlkonzern Europas. Aktuell dazu: Fusion bei Thyssenkrupp und Tata: Das ist der aktuelle Stand >>

Ergebnisse der Verhandlungen in Kürze erwartet

Wegen der noch laufenden Gespräche "über strategische Optionen" sei die ursprünglich für Dienstag geplante Sitzung des Aufsichtsrates verschoben worden, um diesen adäquat informieren zu können, fügte er hinzu.

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Ein schwieriger Punkt der Verhandlungen waren die Pensionen für Stahlarbeiter in England. Thyssenkrupp will für die milliardenschweren britischen Pensionslasten nicht geradestehen. Nun haben die Inder offenbar mit neuen Vereinbarungen dieses Hindernis in England ausgeräumt: Vorbereitung für Thyssen: Tata Steel regelt seine Pensionen >>

Die wichtigsten Eckdaten zu den Unternehmen

Das neu fusionierte Unternehmen wäre nach Arcelormittal der zweitgrößte Stahlkonzern Europas. Hier die wichtigsten Eckdaten zu den beiden Stahlsparten.

THYSSENKRUPP STEEL EUROPE

Der größte deutsche Stahlkonzern beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter. Neben dem Hauptsitz Duisburg gibt es unter anderem Standorte in Hohenlimburg, Andernach und Gelsenkirchen. Das Unternehmen produziert im Jahr etwa zwölf Millionen Tonnen Rohstahl.

Wichtige Kunden sind die Automobilbranche, der Bausektor, der Maschinenbau, die Verpackungsindustrie und die Energiewirtschaft. Hauptabsatzmärkte sind Deutschland und die europäischen Nachbarstaaten. Gut zwei Drittel seines Stahls setzt das Unternehmen im Umkreis von 500 Kilometern um Duisburg ab.

Die Stahlsparte hatte im vergangenen Geschäftsjahr 2015/16 einen Umsatz von 7,6 Milliarden Euro erzielt und einen operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) von 315 Millionen. Im laufenden Jahr soll das Ergebnis dank höherer Preise und Kostensenkungen deutlich steigen.

TATA STEEL EUROPE

Tata Steel Europe beschäftigt 21.500 Mitarbeiter. Der Konzern betreibt in Wales das größte britische Stahlwerk Port Talbot und ein modernes Werk im niederländischen IJmuiden. Die Rohstahlkapazität des Unternehmens beträgt 12,5 Millionen Tonnen.

Im Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende April) erzielte der Konzern einen Umsatz von umgerechnet 6,8 Milliarden Euro und ein Ebitda von 612 Millionen Euro.

Wichtige Kunden sind die Bau-, Automobil- und Verpackungsindustrie sowie die Luftfahrt- und Energiebranche. Hauptabsatzmärkte sind neben Großbritannien und den Niederlanden weitere Märkte in Europa.

Tata Steel Europe gehört zum indischen Tata-Konzern mit über 100 Unternehmen und mehr als 600.000 Mitarbeitern. Zu dessen Geschäften zählen auch die Automobilproduktion mit der Marke Jaguar, die Telekommunikation, die Energieerzeugung oder Hotels. Die Gruppe erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 100 Milliarden Euro.

(APA/Reuters/dpa-AFX/red)

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