Stahlindustrie

Thyssenkrupp: Milliardenverluste trotz Verkauf der Aufzugssparte

Der deutsche Wettbewerber der Voestalpine prüft staatliche Finanzierungshilfen und erwartet auch für das dritte Quartal einen möglichen Verlust von bis zu einer Milliarde Euro. Zudem könnte das Geld aus dem Verkauf der Aufzugssparte nicht rechtzeitig fließen.

Der Voestalpine-Wettberwerber Thyssenkrupp rechnet auch nach dem milliardenschweren Verkauf der Aufzugssparte mit einer längeren Durstrecke und prüft im Zuge der Coronakrise Finanzierungshilfen. Allein im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende September) könnte ein Verlust von bis zu einer Milliarde Euro anfallen, gegebenenfalls ein hoher dreistelliger Millionenbetrag.

Das ging aus einem Brief des Vorstands an die Mitarbeiter, hervor, der Reuters vorlag. "Eine schnelle Erholung unserer Kundenindustrien ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Das gilt insbesondere für die Automobilbranche." Deswegen wolle der Industriekonzern nun auch prüfen, welche staatlichen Hilfen in der Coronakrise in Betracht kommen.

Thyssenkrupp hatte sich bereits bei der deutsche staatlichen Förderbank KfW eine Kreditlinie von rund einer Milliarde Euro für den Fall gesichert, dass die Einnahmen aus dem 17,2 Milliarden Euro schweren Verkauf der Aufzugssparte nicht rechtzeitig fließen. Das Closing für den Deal ist für Ende Juli geplant - dann soll auch das Geld überwiesen werden. Unklar ist, wieviel übrig bleibt, wenn die größten Löcher gestopft sind. Zudem fallen künftig die Einnahmen aus dem Geschäft weg, das der größte Gewinnbringer ist.

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Fest steht, dass der Spielraum für die Neuausrichtung "geringer" sei als noch vor dem Ausbruch der Pandemie im März angenommen, hieß es in dem Schreiben. Derzeit seien 32.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. "In jedem Fall wird es aus heutiger Sicht nicht mehr ausreichen, unsere Gegenmaßnahmen auf kurzfristige Liquiditätssicherung zu beschränken," kündigte das Management an. "Das ist notwendiges 'fire fighting' in der akuten Krisensituation." Ergänzend müsse man sich vielmehr darauf einstellen, dass sich die Geschäftsaktivitäten auf einem Niveau einpendeln, welches zum Teil dauerhaft und nicht unerheblich unter den früheren Mengen-Planungen liege. "Daher müssen wir uns schon heute mit langfristig wirksamen Gegenmaßnahmen befassen." Bereits bei der Bilanzpressekonferenz im November und bei der Hauptversammlung im Februar 2021 müssten sichtbare Schritte bei der Verbesserung unserer Profitabilität zu sehen seien.

Für die Mitarbeiter des Traditionskonzerns dürfte sich damit über die nächsten Monate die Phase der Unsicherheit noch verstärken. Ein Stellenabbauprogramm läuft bereits. Zudem stehen alle Bereiche auf dem Prüfstand. Verkauf, Schließung, Fusion oder Partnerschaften - alles ist möglich.

Die Chefin der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, erwartet einen kräftigen Schub durch den Aufzugsdeal. "Der Abschluss des Elevator-Verkaufs wird dem Unternehmen 17 Milliarden Euro bescheren, und damit sollte die Zukunft von Thyssenkrupp gestaltet werden", sagte Gather der "Börsen-Zeitung". "Das Geld steht für den Schuldenabbau, die teilweise Sicherung der Pensionslasten und für Investitionen zur Verfügung. Damit sollte das Unternehmen wieder profitabel und wettbewerbsfähig werden und am Ende auch wieder dividendenfähig." Zugleich versicherte sie, dass der größte Einzelaktionär weiter an der Seite des Unternehmens bleibe. "Wir gedenken, die Anteile an Thyssenkrupp langfristig zu halten." (reuters/apa/red)

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