Stahlindustrie

Thyssenkrupp kämpft immer noch für die Fusion mit Tata Steel

Die milliardenschwere Fusion der Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata Steel hätte den zweitgrößten Stahlhersteller Europas geschaffen - doch Brüssel stellte sich quer. Jetzt versucht es Thyssen noch einmal mit einer Klage und verweist auf die notwendige Konsolidierung der Branche.

Thyssenkrupp will die Entscheidung der EU-Kommission gegen die Fusion seiner Stahlgeschäfte mit Tata Steel Europe nicht auf sich sitzenlassen. Thyssenkrupp und Tata Steel wollten den zweitgrößten europäischen Stahlkonzern nach ArcelorMittal schmieden - doch der Plan ist am Widerspruch der Kommission gescheitert.

Jetzt hat der Essener Konzern nach eigenen Angaben Klage beim Gericht der Europäischen Union eingereicht. Vorstandschef Guido Kerkhoff hatte dies bereits angekündigt.

"Entscheidung der EU-Kommission war falsch"

Die Pläne seien zwar trotzdem gescheitert, aber die Entscheidung der EU-Kommission sei falsch gewesen und die Begründung wolle man nicht so stehenlassen. Thyssenkrupp und Tata hatten nach rund drei Jahren die Pläne im Mai aufgegeben, da der Widerstand der Brüsseler Wettbewerbshüter zu groß gewesen war.

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"Die Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie ist nach wie vor richtig und notwendig, das zeigt auch die aktuell für die Stahlhersteller kritische Marktsituation", sagte Vorstandsmitglied Donatus Kaufmann. Die Überkapazitäten und der hohe Importdruck aus Asien schafften ein Umfeld, in dem das geplante Joint Venture mit Tata Steel den Wettbewerb nicht beeinträchtigt hätte. "Wir bedauern die Entscheidung der Europäischen Kommission und halten diese für zu weitgehend und falsch. Deshalb reichen wir Klage ein."

EU-Kommission: Schwerwiegende Bedenken beim Wettbewerb

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte im Juni die Gründe erläutert: "Da keine Abhilfemaßnahmen angeboten wurden, die geeignet gewesen wären, unsere schwerwiegenden Wettbewerbsbedenken zu zerstreuen, hätte der Zusammenschluss zwischen Tata Steel und Thyssenkrupp zu einem Anstieg der Preise geführt." Der Zusammenschluss sei untersagt worden, um ernsthaften Schaden von europäischen Industriekunden und Verbrauchern abzuwenden. (reuters/apa/red)

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