Stahlindustrie

Thyssenkrupp baut sich grundlegend um - mit Siemens als Vorbild

Die EU-Kommission hat die riesige Fusion der Stahlsparten bei Thyssenkrupp und Tata Steel jetzt offiziell verboten. Jetzt plant Konzernchef Kerkhoff eine "schlanke" Dachgesellschaft und mehr Selbstständigkeit für die einzelnen Sparten - ganz nach Joe Kaesers Vorbild bei Siemens.

Die EU-Kommission untersagt das von den Unternehmen bereits zu den Akten gelegte Stahlgemeinschaftsunternehmen zwischen ThyssenKrupp und Tata Steel nun offiziell. Die Fusion hätte eine Einschränkung des Wettbewerbs und einen Anstieg der Preise bestimmter Stahlsorten bewirkt, teilte die EU-Kommission mit. Die beteiligten Unternehmen hätten keine geeigneten Abhilfemaßnahmen angeboten, um die Bedenken der Kommission auszuräumen.

Auch eine Aufspaltung von Thyssenkrupp ist vom Tisch

Mit den abgesagten Fusionsplänen blies Konzernchef Guido Kerkhoff im Mai auch die geplante Aufspaltung des Konzerns in zwei eigenständige Aktiengesellschaften ab.

Jetzt ist ein grundlegender Umbau geplant

Das neue Konzept für Thyssenkrupp mit seinen rund 160 000 Mitarbeitern sieht eine Umwandlung der Konzernzentrale in eine schlanke Dachgesellschaft vor. Die einzelnen Sparten des Firmengeflechts aus Stahl, Autoteilen, Fabrikbau, Werften und Aufzügen sollen mehr Eigenständigkeit erhalten. Verbunden ist das Konzept mit erheblichen Einsparungen. Kerkhoff will die jährlichen Verwaltungskosten von derzeit 380 Millionen Euro auf unter 200 Millionen Euro in etwa halbieren.

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Weitreichende Umbaubaupläne sehen nun aber den Abbau von 6000 Stellen vor. Um Geld in die leeren Kassen zu bekommen, soll die profitable Aufzugssparte des Konzerns teilweise an die Börse gebracht werden. Mit den Einnahmen will Kerkhoff die Weiterentwicklung der einzelnen Unternehmen im Konzern vorantreiben.

Die neue Strategie:
Aufsichtsrat von Thyssenkrupp: Grünes Licht für radikalen Kurswechsel >>

Vorbild Siemens

In den neuen Plänen des Konzernchefs Kerkhoff ist eine Strategie erkennbar, wie sie bereits Siemens unter seinem Chef Joe Kaeser seit Jahren verfolgt: Auf Druck der Finanzmärkte und von aktivistischen Investoren baut sich der riesige, traditionsreiche Industriebetrieb in selbstständigere Gesellschaften um, was nebenbei auch einen möglichen Verkauf oder eine Abspaltung deutlich erleichtert.

Inzwischen gibt es bei Siemens drei "Operating Companies", die weiter zu Siemens gehören, sowie drei "Strategic Companies", die eigenständige Aktiengesellschaften sind oder solche werden sollen. Nur in den "Operating Companies" kann der Konzernvorstand "durchregieren", ohne den Umweg über den Aufsichtsrat zu gehen.

Aktuell zu dieser Strategie von Siemens:
Siemens sortiert sich neu >>   
Siemens: Joe Kaeser will ein Drittel des jetzigen Umsatzes abspalten >>

Deshalb war Brüssel gegen die Fusion mit Tata

Man untersage den Zusammenschluss, "um ernsthaften Schaden von europäischen Industriekunden und Verbrauchern abzuwenden", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in Brüssel. Stahl sei ein wichtiger Ausgangsstoff für Waren wie Lebensmittelkonserven und Autos. Millionen von Menschen in Europa arbeiteten in den einschlägigen Sektoren und die dort tätigen Unternehmen seien auf wettbewerbsfähige Stahlpreise angewiesen, um ihre Erzeugnisse weltweit absetzen zu können. Hintergrund dazu: Deshalb ist Megafusion bei Thyssenkrupp und Tata Steel endgültig gescheitert >>  

Fusionspläne schon Anfang Mai gestoppt

Thyssenkrupp hatte die Stahlfusion mit Tata bereits im Mai nach Gegenwind aus der EU-Kommission gestoppt. Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit rund 48.000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden. Thyssenkrupp wollte damit die Abhängigkeit vom schwankenden Stahlgeschäft verringern, das unter Überkapazitäten und dem Wettbewerbsdruck aus Asien leidet.

(red mit reuters/dpa/apa)

Nach dem Aus der Fusion:
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