Stahlindustrie

Thyssen: Radikale Schritte und politischer Widerstand gegen Spartenverkauf ins Ausland

Von der Landespolitik kommt Thyssenkrupp Widerstand entgegen bei den jüngsten Überlegungen, die Stahlsparte ins Ausland zu verkaufen - Stahl sei für die Industrie systemrelevant, heißt es. Trotzdem kündigt Konzernchefin Merz einen Umbau "ohne Tabus" an.

Nordrhein-Westfalens (NRW) Ministerpräsident Armin Laschet hat sich gegen einen Verkauf der Mehrheit von Thyssenkrupp Steel Europe ins Ausland ausgesprochen. Er halte die Stahlindustrie in Deutschland für systemrelevant, sagte Laschet in Düsseldorf.

Die Autoindustrie und die Windenergiebranche seien auf Stahl angewiesen. Eine Abhängigkeit von externen Kräften wäre schädlich für den Mittelstand und die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Deshalb müsse man eine Lösung finden, die möglichst nicht eine Übernahme ausländischer Investoren bedeutet.

Die Landesregierung sei mit Thyssenkrupp in regelmäßigen Gesprächen. Es habe aber keine Gespräche über eine Beteiligung des Landes an Thyssenkrupp gegeben. (reuters/apa/red)

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Konzernchefin Merz schließt radikale Lösung nicht aus

Nach der verbotenen Stahlfusion mit dem Konkurrenten Tata und der abgesagten Konzernteilung sucht der dauerkriselnde deutsche Konzern jetzt sein Heil in einer Art Bad Bank. In einem neuen Unternehmenssegment mit der Bezeichnung "Multi Tracks" sollen die Konzernteile zusammengefasst werden, für die Thyssenkrupp keine Chancen im eigenen Haus mehr sieht.

Auch für den Stahlbereich schließt Konzernchefin Martina Merz radikale Lösungen nicht aus. "Es gibt keine Denkverbote", betonte die Managerin, die im vergangenen Oktober das Ruder in der Konzernzentrale in Essen übernommen hatte. Selbst mit einer Minderheitsbeteiligung an der traditionsreichen Sparte könnte sich Thyssenkrupp künftig begnügen, wie Merz in einer Telefon-Pressekonferenz erläuterte.

Fusion, Verkauf oder Schließung als Perspektive

Partnersuche, Verkauf und notfalls die Schließung von Standorten sind die Perspektiven für die in der neuen Einheit zusammengefassten Unternehmensteile. Der Anlagenbau, der Edelstahlbereich, die Produktion von Federn und Stabilisatoren sowie von Grobblech gehören dazu. Betroffen ist etwa jeder achte der rund 160.000 Mitarbeiter von Thyssenkrupp. Diese Unternehmensteile hätten aber zum Teil "erhebliches Potenzial", versicherte Merz.

Beim Stahl werde bereits mit möglichen Partnern gesprochen - und zwar "ziemlich intensiv", sagte Merz. Namen wollte sie nicht nennen. Die IG Metall bevorzugt eine Kooperation mit den anderen deutschen Stahlkochern Salzgitter und Saarstahl. Das sei "eine der Optionen, die wir prüfen", betonte Merz.

Martina Merz will Lösung innerhalb eines Jahres

Die Managerin will innerhalb eines Jahres eine Lösung für den Stahl finden. Dabei komme die Coronakrise zu Hilfe, sagte sie. Die Pandemie helfe "Problemlösungen zu erzwingen", wo sie bisher an "Egos oder an Denkverboten oder kulturellen Hürden" gescheitert seien. Auch für den Marinebereich prüft Thyssenkrupp Partnerschaften. Aus eigener Kraft weiterentwickeln will der Konzern den Werkstoffhandel und die Industriekomponenten. Das Automotive-Geschäft soll ebenfalls unter dem Konzerndach bleiben, auch hier seien Allianzen denkbar.

Strategie: Eine Gruppe von Firmen statt eines Konzerns

Merz sieht Thyssenkrupp aber noch auf einem weiten Weg. "Das ist heute nicht der magische Moment, an dem alles besser wird", sagte sie. Viele kleine Schritte in hoher Geschwindigkeit seien nötig, um aus dem schwerfälligen Konzern eine agile Gruppe von Unternehmen zu machen. "Es wird in Zukunft keine Ausreden mehr geben", betonte Merz.

An der Börse kamen die Umbaupläne gut an. Nach ihrem jüngsten Kurssprung zählte die Aktie mit einem Anstieg um rund 5 Prozent zuletzt zu den Favoriten im MDax. (reuters/dpa/apa/red)

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