Joint-Venture

Thomas Fahnemanns thailändisches Problem ist gelöst

Jahrelang schwelte der Konflikt um die thailändische Tochter, bevor ein Schiedsgericht Klärung bringen sollte. Nun haben sich Semperit und der Joint-Venture-Partner Sri Trang doch noch außergerichtlich geeinigt.

„Es ist nicht unüblich, dass man sich knapp vor Ende der Schiedsverfahren einigt. Die jetzige Lösung ist fair für beide Seiten“, erklärt Semperit-Chef Thomas Fahnemann im INDUSTRIEMAGAZIN-Gespräch auf die Frage, warum der jahrelange Konflikt mit dem thailändischen Joint-Venture-Partner Sri Trang nun beigelegt werden konnte, schließlich hatte er im Sommer 2014 das letzte Mal versucht, eine Neugestaltung des Joint Ventures zu erreichen - inklusive Mediationsgespräch. Im September zog Semperit dann vor ein Schweizer Schiedsgericht.

Doch das ist Geschichte, denn nun zieht Semperit  einen Schlussstrich unter die jahrelangen Rechtsstreitigkeiten. Semperit zieht sich aus der Handschuhproduktion in Thailand zurück, stockt aber im Gegenzug seine Anteile in anderen Ländern auf. "Wir haben jetzt klare Verhältnisse", so Fahnemann.

Semperit gibt größte Handschuh-Fabrik an Sri Trang ab 

Das Werk zur Produktion von Handschuhen in Thailand wird Sri Trang künftig alleine führen. Mit jährlich zwölf bis 13 Milliarden produzierten Handschuhen war es die bis dato größte Fabrik in diesem Segment von Semperit. "Ende 2018 werden wir in Malaysia die gleiche Größe erreichen", so Fahnemann. Denn die Produktion in Malaysia werde mit einer der modernsten Handschuhfabriken der Welt konsequent hochgefahren. „Ende des Jahres werden wir damit über rund zehn Milliarden eigene Handschuhe-Produktionskapazitäten haben, im Laufe des Jahres 2018 rund zwölf Milliarden. Zusätzlich verfügen wir über ein dichtes Netzwerk an Produktionspartnern, über die wir Handschuhe beziehen können“, so Fahnemann gegenüber dem INDUSTRIEMAGAZIN.

Ein weiteres thailändisches Werk zur Produktion von Schläuchen, das Semperit gemeinsam mit Sri Trang führt, ist davon unberührt. Dieses werde gemeinsam fortgeführt. Hier funktioniere die Zusammenarbeit, so Fahnemann, „der Rechtsstreit betraf nur Siam Sempermed. In der Schlauchproduktion gab es immer eine gute Zusammenarbeit und diese wird somit fortgesetzt“, erklärt er.

So haben sich die Unternehmen geeinigt

Im Gegenzug zur Aufgabe des Werks in Thailand übernimmt Semperit eine bisher mit Sri Trang gemeinsam betriebene Vertriebsgesellschaft in den USA zur Gänze und stockt auch bei zwei Fabriken in China auf 100 Prozent auf. Dort sind die Thailänder dann vollständig draußen. Des Weiteren übernimmt Semperit bisherige Sempermed-Joint Venture-Gesellschaften in Singapur und Brasilien sowie die Mehrheitsbeteiligung an der malaysischen Formtech, einem Produzent von Keramikformen für die Handschuhproduktion.

In der Bilanz von 2017 werde sich der Wegfall umsatzmäßig "nicht dramatisch" bemerkbar machen, sagte Fahnemann. "Die Lieferungen laufen ja noch." Zudem solle ja die Produktion im Werk in Malaysia stark erhöht werden. Für 2018 allerdings geht Fahnemann aus derzeitiger Sicht von einem Umsatzrückgang von zehn bis 15 Prozent aus.

Endgültiges Aus im März

Das Closing erwartet der Semperit-Vorstand im März. Mit der Trennung erfolge eine einvernehmliche Beilegung der Schiedsgerichtsverfahren und Rechtsstreitigkeiten. Semperit erhält im Rahmen der Beendigung des Joint Ventures "Siam Sempermed" eine einmalige Ausgleichszahlung in Höhe von 167,5 Mio. US-Dollar (156,78 Mio. Euro) vor Steuern. Zudem bekommt Semperit rund 51 Mio. Dollar der Siam-Sempermed-Dividende vor Steuern in bar.

Unabhängig von den Gerichtsstreitigkeiten mit Sri Trang geriet das Werk in Thailand 2014 auch ins Visier der finnischen NGO Finnwatch, die die Arbeitsbedingungen massiv kritisierte. Die Vorwürfe wogen schwer: Die Arbeiter müssten bis zu 13 Stunden ohne Pause arbeiten und so lange Überstunden leisten, bis vorgegebene Produktionsziele erreicht sind. Während der Arbeit erkrankte Mitarbeiter hätten das Fabriksgelände nicht verlassen dürfen, Arbeiter aus Myanmar seien diskriminiert und Unter-18-Jährige mit gefälschten Pässen beschäftigt worden. Fahnemann wies die Vorwürfe mehrfach zurück, sie hätten "teilweise nicht den Tatsachen entsprochen". Vor allem gegen den Vorwurf, Minderjährige zu beschäftigen, verwehrt sich Fahnemann. "Kinderarbeit gab es nicht, gibt es nicht und wird es nicht geben", sagte Fahnemann in einem früheren Interview zur APA. (red/apa)