Teurer Diesel in Österreich: "Wir haben ein bisschen eine Logistikkrise"

Die stark gestiegenen Preise für Diesel und Benzin seien Folge mehrerer Engpässe, so Christoph Capek vom Fachverband Mineralölindustrie. Einer der Gründe: Wegen des Klimawandels führen Donau und Rhein extrem wenig Wasser.

Die gestiegenen Preise bei Benzin, Diesel und Heizöl sind Folge eines Engpasses in Europa. "Wir haben ein bisschen eine Logistikkrise", sagte Christoph Capek, Geschäftsführer des Fachverbands Mineralölindustrie in der Wirtschaftskammer, gegenüber der Austria Presseagentur.

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In Österreich sei die Lage aber unter Kontrolle, sagt Capek. Der Versorgungsmangel erklärt auch, warum die Tankstellenpreise nicht sinken, obwohl der Ölpreis zurückgeht.

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Massive Auswirkungen des Klimawandels

Tatsächlich sind mehrere Schwierigkeiten zusammengekommen. Wichtigster Grund sind die massiven Auswirkungen des Klimawandels: Wegen der anhaltenden Trockenheit führen der Rhein und die Donau so wenig Wasser wie sehr selten. An der Donau wurden in Niederösterreich im Oktober der tiefste Pegelstand überhaupt gemessen: Verbund berichtet über "historisch niedrige Wasserführung" >>

Beide Flüsse sind sehr wichtige Wasserstraßen für die Versorgung der Alpenrepublik. Mehr dazu hier: Klimawandel schlägt direkt auf Österreichs Zapfsäulen durch >>

Brand in Bayern, höhere Transportkosten

Dazu kam im September ein Brand in der bayerischen Raffinerie Vohburg, der die für die Versorgung Österreichs wichtige Anlage lahmlegte.

Also müssen die Treibstoffe von weiter weg nach Österreich transportiert werden. Allerdings: "Die dadurch erforderlichen zusätzlichen Transportkapazitäten können nicht vollständig durch die Eisenbahn erfüllt werden, weil es einen Lokführermangel bei allen Eisenbahn-Verkehrsunternehmen gibt", heißt es seitens des Fachverbands. Hinzu kommt eine generell hohe Nachfrage nach Diesel durch die gute Wirtschaftslage.

Derzeit keine Verbilligung in Sicht

Wann sich eine Entspannung der Situation abzeichnet, sei nach wie vor schwer abzuschätzen. In Deutschland hat das Verkehrsministerium die dafür zuständigen Bundesländer schon gebeten, dass Sonntagsfahrverbot für Lkw für den Kraftstoff-Transport aufzuheben.

Probleme in Oberösterreich und Niederösterreich

5,4 Milliarden Liter der in Österreich verbrauchten 8,3 Milliarden Liter Diesel werden hauptsächlich von Bayernoil importiert. Der Import ist derzeit nur eingeschränkt möglich, weil die Pegelstände der Donau sehr niedrig sind und deshalb Dieselschiffe nicht voll beladen werden können. Die Tanklager in den Häfen Linz und auch Korneuburg können nur beschränkt angefahren werden, berichteten die "Oberösterreichischen Nachrichten".

Dazu:
Donau-Pegelstände in Niederösterreich so niedrig wie überhaupt noch nie >>
Klimawandel: Wenig Wasser im Rhein bremst die Industrie >>

Es gebe bereits eine klare Minderversorgung, sagte der Geschäftsführer des Welser Tankstellenbetreibers Doppler, Bernd Zierhut, der Zeitung. Der Treibstoff müsse "das erste Mal in meiner Geschichte als Mineralölhändler" vom Mittelmeer mit Tankwagen nach Oberösterreich gebracht werden, so Zierhut. Das erhöht die Transportkosten.

Zierhut geht davon aus, dass diese Mangelversorgung - die auch Heizöl betrifft - und somit höhere Preise in den nächsten Monaten Geschichte sein wird. Heizölkäufern rät er, mit dem Kauf noch zuzuwarten. (apa/red)