Autoindustrie

Vor möglichem Börsenabgang: Saudis steigen schnell bei Tesla ein

Elon Musk kündigt einen möglichen Börsenabgang von Tesla an - das wäre ein schwarzer Tag für milliardenschwere Finanzfirmen, die auf den Kursverfall der Aktie wetten.

Der Tesla-Aufsichtsrat prüft nach Angaben einiger seiner Mitglieder den Rückzug des Elektroauto-Pioniers von der Börse. Tesla-Chef Elon Musk habe den Vorschlag in der vergangenen Woche unterbreitet, teilten einige Mitglieder des Aufsichtsrats mit.

Dabei sei es auch um eine Diskussion darüber gegangen, warum es im Interesse des Unternehmens sei, nicht mehr börsennotiert zu sein und wie ein derartiger Schritt finanziert werden könne.

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Musk erwägt nach eigenen Angaben, den Elektroauto-Pionier von der Börse zu nehmen. Er denke über einen solchen Schritt nach, twitterte der Firmengründer am Dienstag. Dabei brachte er einen Preis von 420 Dollar (362 Euro) je Aktie ins Spiel, was einen Aufschlag von fast 23 Prozent zum Schlusskurs vom Montag bedeuten würde. Die Finanzierung eines solchen Vorhabens sei gesichert, erklärte er.

Es wäre ein schwerer Schlag gegen milliardenschwere Spekulanten

Der überraschende Schachzug von Elon Musk könnte milliardenschweren Spekulanten an den Finanzmärkten einen neuen schweren Schlag versetzen. Sogenannte Leerverkäufer machen seit Jahresbeginn hohe Verluste. Und derzeit gibt es am Finanzmarkt Wetten im Volumen von unglaublichen 13 Milliarden Dollar auf den Kursverfall von Tesla.

Sollte Teslas umtriebiger Chef sein Unternehmen tatsächlich von der Börse nehmen, könnte es ein sogar schwarzes Jahr für sogenannte Short Seller werden. Diese versuchen, mit Wetten auf fallende Kurse - im Börsenjargon Leerverkäufe - Gewinne einzufahren.

Manager einer Finanzfirma: "Habe mir zu oft die Finger verbrannt"

"Ständig präsentieren mir Leute Ideen für Leerverkäufe", sagt Mark Spiegel, Portfoliomanager beim Hedgefonds Stanphyl. "Aber ich habe mir zu oft die Finger verbrannt." Daher scheue er weitere Leerverkäufe. Dabei leihen sich Anleger Aktien und verkaufen sie sofort.

Die Hoffnung dahinter: Bis zum Ablauf der Leihfrist fällt der Aktienkurs und die Investoren können sich billiger mit den Papieren eindecken. Die Differenz streichen sie als Gewinn ein. Dem Analysehaus S3 zufolge haben Investoren im laufenden Jahr erstmals derartige Wetten im Volumen von mehr als einer Billion Dollar (862 Mrd. Euro) platziert.

Von den 500 im US-Index S&P notierten Werten haben aber lediglich 69 seit Jahresbeginn mehr als zehn Prozent verloren. Gleichzeitig gab es bei 164 Aktien ein Plus von mehr als zehn Prozent. Der Index selbst steht vor dem Sprung auf ein neues Rekordhoch.

Leerverkäufe von mehr als 13 Milliarden Dollar allein bei Tesla

Vor diesem Hintergrund verloren Fonds, die ausschließlich auf fallende Kurse setzen, Daten des Analysehauses Lipper zufolge seit Jahresbeginn im Schnitt sechs Prozent an Wert.

Allein bei Tesla-Aktien summieren sich die Leerverkäufe auf mehr als 13 Mrd. Dollar. Dabei hat der Kurs ungeachtet milliardenschwerer Verluste und der Produktionsprobleme beim Hoffnungsträger Modell 3 seit Monatsbeginn um gut 27 Prozent zugelegt - etwa zehnmal so stark wie der US-Technologieindex Nasdaq. Seit Frühjahr 2013 hat sich der Kurs sogar verzehnfacht.

Den S3-Experten zufolge brockte allein die Tesla-Rally Leerverkäufern seit Jahresbeginn einen Verlust von rund 3 Mrd. Dollar ein. Diejenigen Investoren mit den größten Wetten hielten dennoch an ihren Positionen fest, so S3-Chefanalyst Ihor Dusaniwsky.

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Saudis haben still und heimlich milliardenschwere Beteiligung aufgebaut

Gleichzeitig hat offenbar Saudi-Arabiens Staatsfonds PIF still und heimlich eine milliardenschwere Beteiligung am US-Elektroautohersteller Tesla aufgebaut. Der Fonds halte inzwischen drei bis fünf Prozent am Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Damit hätte der Anteil einen aktuellen Wert zwischen 1,7 Milliarden und 2,9 Milliarden Dollar (bis zu (2,5 Mrd. Euro). Der über mehr als 250 Milliarden Dollar an Anlagegeldern verfügende Staatsfonds wäre damit einer der fünftgrößten Tesla-Aktionäre.

Die Unternehmen selbst äußerten sich zu dem Bericht zunächst nicht. An der Börse sorgte die Nachricht für kräftigen Kursauftrieb, zuletzt stand die Aktie mit über vier Prozent im Plus.

Weiter hohes Risiko beim Model 3

Tesla geht derzeit hohes Risiko mit seinem Hoffnungsträger Model 3, und an den Finanzmärkten laufen sehr viele Wetten auf Kursverluste der Aktien. Die Produktion des ersten günstigeren Teslas für die breite Masse verschlingt enorm viel Geld, kam aber noch nicht wie erhofft in die Gänge. Zuletzt gab es allerdings schon deutliche Fortschritte.

Einige Analysten gehen angesichts des Model-3-Aufwands und Teslas ambitionierter Expansionspläne - es sollen beispielsweise große Fabriken in China und Europa gebaut werden - davon aus, dass bald eine Kapitalerhöhung nötig wird. Musk wies dies bisher stets zurück und versprach Anlegern sogar, dass die bisher verlustreiche Firma bald profitabel wird.

Dem Bericht der "Financial Times" zufolge hatten die Saudis zunächst neu ausgegebene Aktien kaufen wollen, dies habe Tesla jedoch abgelehnt. Daraufhin habe der Staatsfonds sich mit Hilfe der Großbank JPMorgan am Markt mit den Papieren eingedeckt.

(red mit reuters/dpa/apa)

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