Elektroautos

Tesla: Elon Musk widersetzt sich Verbot und droht mit Abwanderung

Elektroautobauer Tesla fährt sein Werk in Kalifornien trotz eines wegen Corona verhängten Verbots wieder hoch und bekommt prompt Lob von Donald Trump. Konzernchef Musk droht Kalifornien sogar mit einer Abwanderung. Der Bau des Werks in Deutschland geht unterdessn weiter.

Elon Musk bestätigt seinen Ruf als Rebell der Autobranche: Entgegen den zum Schutz vor der Coronapandemie von Behörden erlassenen Einschränkungen ließ der eigenwillige Tesla-Chef die Bänder im Hauptwerk des US-Elektroautobauers in Kalifornien anlaufen. Im Stil eines selbsternannten Kämpfers für unternehmerische Freiheit widersetzte er sich dabei der Anordnung der lokalen Behörden.

Er kündigte an, sich den Mitarbeitern am Band anzuschließen. "Falls jemand verhaftet wird, dann bitte ich darum, dass nur ich es bin", schrieb er auf Twitter. Unterstützung erhielt der Milliardär von US-Präsident Donald Trump. Der forderte die kalifornische Regierung auf, Tesla die Wiederöffnung der Fabrik zu erlauben.

"Verhaftet mich"

"Kalifornien sollte Tesla & @elonmusk das Werk öffnen lassen, JETZT", schrieb Trump auf Twitter. Das könne schnell und sicher geschehen. Hintergrund ist ein Streit mit dem Bezirk Alameda, in dem das Tesla-Werk liegt. Die dortige Gesundheitsbehörde hatte entschieden, dass die Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie bis Ende Mai in Kraft bleiben sollen.

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Musk verwies auf eine Anordnung des kalifornischen Gouverneurs vom Donnerstag, die es Herstellern erlaube, den Betrieb in Fremont wieder aufzunehmen. Er kündigte an, dass die zuvor beurlaubten Mitarbeiter wieder regulär ihrer Arbeit nachgehen würden. "Wir freuen uns, wieder an die Arbeit zu gehen und haben sehr detaillierte Pläne implementiert, um eine sichere Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen", hieß es in einer E-Mail des Konzerns, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag.

US-Behörde: Tesla darf ohne Gesundheitsschutz nicht produzieren

Die Behörde in Alameda erklärte daraufhin, man habe das Unternehmen darüber informiert, dass es ohne genehmigten Plan für den Gesundheitsschutz nicht produzieren dürfe. Die Polizei kündigte an, den "Lockdown" notfalls durchzusetzen. Die Polizeibehörde sei von der örtlichen Gesundheitsbehörde jedoch unterrichtet worden, dass man mit Tesla zusammenarbeite. Damit war schon klar, dass der Konflikt nicht auf die Spitze getrieben würde. Verstöße gegen Verfügungen zum "Lockdown" können mit einer Geldstrafe oder Gefängnis geahndet werden.

Auch die kalifornische Regierung wirkte bereits dämpfend auf den Konflikt ein. Gouverneur Gavin Newsom sagte, er habe erst vor einigen Tagen mit Musk gesprochen. Dessen Sorge um sein Unternehmen habe Kalifornien dazu veranlasst, eine schrittweise Wiedereröffnung der Produktion zuzulassen. Er habe großen Respekt vor der Technologie, dem Innovationsgeist und der Führung des Elektroautopioniers. Vor Trump schaltete sich bereits US-Finanzminister Steven Mnuchin ein und forderte, der Bundesstaat solle tun, was immer nötig sei, damit Tesla in Kalifornien bleibe.

Musk droht mit Verlagerung nach Nevada oder Texas

Musk hatte am Wochenende gedroht, den Konzernsitz zu verlegen, sollte er sein einziges US-Fahrzeugwerk wegen der Coronarisiken nicht wieder anfahren dürfen. Tesla werde den Unternehmenssitz und seine künftigen Programme mit sofortiger Wirkung aus Kalifornien abziehen und nach Texas oder Nevada umsiedeln. Seitdem buhlen neben Texas und Nevada auch andere Bundesstaaten darum, dass Tesla seinen Sitz dorthin verlagert. Tesla unterhält bereits eine Fabrik in China. Aktuell arbeitet der Konzern auch am Bau eines Werks im deutschen Grünheide bei Berlin, das 2021 in Betrieb gehen soll.

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Der Konflikt spielt sich vor dem Hintergrund ab, dass Unternehmen und Verantwortliche in mehreren US-Bundesstaaten nach Möglichkeiten für ein sicheres Wiederanfahren der amerikanischen Wirtschaft suchen. Die USA sind derzeit besonders stark von der Pandemie betroffen, die ihren Ausgang in China genommen hat. Die Autobauer General Motors, Ford und Fiat Chrysler haben lange mit der Gewerkschaft gerungen, der ein Start Anfang Mai wegen Sicherheitsbedenken zu riskant war. Man einigte sich schließlich, die Bänder am 18. Mai wieder anlaufen zu lassen. (reuters/apa/red)

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