Stahlindustrie

Studie: "Viele Stahlproduzenten sind am Rande der Insolvenz"

Die Schulden der 30 weltgrößten Stahlhersteller erreichen einen neuen Höchststand, so eine Studie der von Ernst & Young: "Viele Stahlproduzenten sind in einer Notlage, einige am Rande der Insolvenz." Ohne einen Umbau in den Firmen nütze demnach auch die Hilfe der Politik nicht.

Die Verschuldung der 30 größten Stahlfirmen ist einer Studie zufolge mit 150 Milliarden Dollar oder umgerechnet 133,03 Mrd. Euro auf Rekordniveau. "Viele Stahlproduzenten sind in einer Notlage, einige am Rande der Insolvenz", heißt es in einer Analyse der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY).

Ohne tragfähige Geschäftsmodelle nützen Staatshilfen nicht

Die Hilfsbemühungen vieler Regierungen würden nur fruchten, wenn es in den Firmen tiefgreifende Restrukturierungen gebe. Die Unternehmen bräuchten tragfähige Geschäftsmodelle.

Ein riesiges Überangebot drückt seit längerem auf den Stahlpreis und setzt vielen Anbietern zu. Vor allem China ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil Unternehmen aus der Volksrepublik den Weltmarkt fluten.

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Laut Ernst & Young ist die Verschuldung der Unternehmen im Kampf um Marktanteile in die Höhe geschossen. Viele Firmen reagieren aber darauf. So verhandelt etwa Thyssenkrupp mit Tata Steel über eine Fusion.

Allerdings gab Konzernchef Heinrich Hiesiger vor wenigen Tagen zu, dass Thyssenkrupp aktuell "mit mehreren Parteien" über eine Fusion verhandelt. Der deutsche Konzern stand Ende Juni mit 4,77 Milliarden Euro in der Kreide, nachdem es vor Jahresfrist nur 4,39 Milliarden waren.

Um dies zu ändern, sollen nun unter anderem Immobilien veräußert werden. Branchenprimus ArcelorMittal hat seine Kapitalausstattung mit einer drei Milliarden Dollar schweren Finanzspritze aufgebessert. Hinzu kamen Beteiligungsverkäufe. Dadurch wurde die Verschuldung zuletzt innerhalb von drei Monaten um mehr als vier Milliarden Dollar reduziert.

Optimismus bei der Voestalpine

In Österreich rechnet Voestalpine-Chef Wolfgang Eder trotz der jüngsten Gewinnrückgänge mit deutlich besseren Ergebnissen im zweiten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres: Die Stahlpreise zeigen wieder nach oben, die Anlaufkosten in Texas gehen nach unten, und auch im Ölsektor sind neue Investitionen in Sichtweite. (reuters/apa/red)

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