Industrieproduktion

Studie des IW - "Österreich steht besser da als Deutschland"

Dem Standort Österreich eine möglichst düstere Zukunft zu prophezeien - für einige heimische Topmanager gehört das offenbar zur "job description". Von deutschen Wissenschaftlern kommen ganz andere Daten - zumindest, was die verarbeitende Industrie angeht.

Industrieproduktion Wettbewerb Standort Österreich IW Köln

Österreichs Wettbewerbsfähigkeit scheint nicht so schlecht zu sein, wie sie manchmal dargestellt wird. Zumindest wenn es nach einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) zum verarbeitenden Gewerbe auf Basis des Jahres 2014 geht.

Deutliche Vorteile bei den Lohnstückkosten

Demnach hat Österreich vor allem bei den Lohnstückkosten Vorteile gegenüber vielen Industrienationen, den Euroraum und auch Deutschland. "Österreich steht besser da als Deutschland", sagte der IW-Ökonom Christoph Schröder im APA-Gespräch bezogen auf die Lohnstückkosten.

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Wermutstropfen aus österreichischer Sicht sei aber, dass in den Jahren seit 2007 der Anstieg der Lohnstückkosten "eine ähnlich hohe Dynamik hatte wie in Deutschland", so Schröder, "und daher auch über dem Euroraum und Industrienationen außerhalb Europas lag".

Zulieferer mit Zulieferern vergleichen

Bei den Arbeitskosten an sich müsse man beim Vergleich überhaupt "vorsichtiger" sein, denn hier müsse die Branchenstruktur besonders stark berücksichtigt werden, gab Schröder zu bedenken.

Beispielsweise seien in Deutschland schließlich viele Konzernmütter der Autobranche ansässig, während es in Österreich besonders viele Zulieferer gebe. "Da müsste man in der Tat Zulieferer und Zulieferer vergleichen", so der Experte.

In Deutschland jedenfalls liegt dem IW Köln zufolge zwar die Produktivität über dem Durchschnitt der untersuchten Staaten - und auch höher als in Österreich. Trotzdem schreiben die Ökonomen: "Ähnlich produktiv wie Deutschland waren Frankreich und Österreich, während die übrigen Länder deutlich zurücklagen: das Vereinigte Königreich und Kanada um knapp ein Fünftel, Spanien, Japan und Italien um knapp 40 Prozent." Auf Deutschland bezogen reiche die hohe Produktivität allerdings nicht, "um den Nachteil der hohen Arbeitskosten zu kompensieren".

Vorderste Plätze bei der Produktivität

Bei den Lohnstückkosten im verarbeitenden Gewerbe liegt Österreich laut IW Köln mit einem Wert von 88 um zwölf Prozent hinter Deutschland (100). Der Euroraum wird in den Unterlagen zur IW-Untersuchung - http://go.apa.at/7V3KJewE - mit 97 bewertet. Spitzenreiter ist Italien mit 110. Die USA haben um 25 Prozent niedrigere Lohnstückkosten als Deutschland.

Arbeitskosten: Österreich besser als Deutschland, fast genauso wie USA

Das Arbeitskostenniveau im verarbeitenden Gewerbe liegt hierzulande verglichen mit Deutschland (100) auch nur bei 84. Der Euroraum wird mit 82 bewertet. Das heißt, die Arbeitskosten liegen in Österreich deutlich unter jenen in Deutschland, aber leicht über dem Durchschnitt der Schwesterländer im Währungsraum.

Die USA bekommen mit 83 Punkten einen ähnlichen Wert wie Österreich. Richtig "günstig" sind der baltische Raum, Polen, Tschechien, die Slowakische Republik, Portugal und Ungarn mit jeweils Werten, die zum Teil deutlich unter 25 liegen. (apa/red)