Löhne

Studie: Arbeitskosten in Österreich und Deutschland keine Gefahr im Wettbewerb

Die Arbeitskosten in Österreich und Deutschland liegen auf hohem Niveau fast gleichauf, so eine deutsche Studie - nur in sechs Ländern Europas sind die Arbeitskosten noch höher. Doch eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit sei das noch lange nicht.

In Deutschland sind die Arbeitskosten im vergangenen Jahr stärker gestiegen als im EU-Durchschnitt. Durchschnittlich 33,60 Euro muss dort ein Arbeitgeber für den Bruttolohn und sonstige Kosten pro Stunde zahlen. 2016 mussten deutsche Arbeitgeber in der Privatwirtschaft ( Industrie und privater Dienstleistungsbereich) 33,60 Euro pro geleistete Arbeitsstunde aufwenden.

Fast gleichauf mit den deutschen sind die Arbeitskosten in den Niederlanden (33,40 Euro), Österreich (32,80 Euro) folgt mit geringem Abstand. Der Durchschnitt des Euroraums liegt bei 29,80 Euro. Etwas darunter folgen Irland, das 2016 Arbeitskosten von 29,20 Euro auswies, und Italien (27,00 Euro). Die Arbeitskosten in Großbritannien (26,10 Euro) sind in Euro gerechnet kräftig zurückgegangen. Das beruht aber auf dem Wertverfall des Pfund. In einheimischer Währung stiegen sie um 1,5 Prozent.

Höher seien die Arbeitskosten mit bis zu 43,80 Euro nur in Dänemark, Schweden, Finnland, Belgien, Luxemburg und Frankreich, teilte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Berlin mit. Die Wissenschafter dieses Instituts sehen noch Nachholbedarf.

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Studie: Arbeitskosten noch längst keine Gefahr für Wettbewerbsfähigkeit

Der Wert von 33,60 Euro in Deutschland stelle "noch längst keine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit dar", erläuterte das IMK. Denn die deutsche Wirtschaft wachse solide, und das nicht trotz, sondern wegen der zuletzt etwas stärkeren Zunahme bei den Löhnen, erklärte IMK-Direktor Gustav Horn. "Denn in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld brauchen wir privaten und öffentlichen Konsum in Deutschland und Investitionen als Säulen der Wirtschaftsentwicklung. Da sehen wir auch noch einige Luft nach oben." Die Ungleichgewichte bei der Entwicklung von Binnennachfrage und Exporten seien längst noch nicht ausgeglichen.

Mit einem Zuwachs um nominal 2,5 Prozent habe der Anstieg der deutschen Arbeitskosten im vergangenen Jahr jedoch klar über dem EU-Durchschnitt von 1,6 Prozent gelegen. Im Euroraum habe der Zuwachs sogar lediglich bei 1,3 Prozent gelegen. Damit habe Deutschland die Niederlande mit Arbeitskosten von 33,40 Euro pro Stunde überholt und sei auf den siebenten Platz vorgerückt.

Seit dem Jahr 2000 seien die Arbeitskosten in Deutschland mit einem Plus von durchschnittlich 2,0 Prozent im Jahr weniger stark gestiegen als in der EU insgesamt mit einem Plus von 2,7 Prozent. Deutschland liege mit Arbeitskosten von 33,60 Euro über dem Schnitt des Euroraums von 29,80 Euro.

Deutlich niedriger sind die Arbeitskosten etwa in Spanien (21,10 Euro). In Polen, den baltischen Staaten, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Kroatien, liegen die Werte pro Stunde zwischen 11,30 Euro und 7,50 Euro. Zu den Arbeitskosten zählen neben dem Lohn auch die Arbeitgeberbeiträge für die Sozialversicherungen und Aufwendungen für Aus- und Weiterbildung. (red/APA/dpa/AFP)