Automobilindustrie

Studie: 29 Millionen Diesel in Europa haben viel zu hohe Abgaswerte

Einer Studie zufolge fahren 29 Millionen moderne Dieselautos auf Europas Straßen, die Grenzwerte massiv überschreiten. In Österreich sollen es etwa 737.000 Autos und Vans sein, die seit 2010 zugelassen wurden und in zwar die Abgasnormen Euro 5 oder 6 schaffen - aber eben nur dort. Und ausgerechnet Volkswagen schneidet besonders gut ab.

Auf Europas Straßen fahren einer Studie zufolge 29 Millionen moderne Dieselautos mit viel zu hohem Schadstoffausstoß. Allein in Deutschland seien es 5,3 Millionen Fahrzeuge, in Österreich sollen es etwa 737.000 sein, berichtete die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) in Brüssel.

Gemeint sind seit 2010 zugelassene Autos und Vans, die in Labortests zwar die Abgasnormen Euro 5 oder 6 schafften, im Alltag aber mindestens dreimal so viel Stickoxid ausstoßen sollen wie erlaubt. Bei Euro-5-Modellen treffe das auf vier von fünf Wagen zu, bei den seit 2015 verkauften Euro-6-Modellen auf zwei von drei, hieß es bei T&E zum ersten Jahrestag des VW-Abgas-Skandals.

Die riesige Zahl "schmutziger" Autos ist eine Hochrechnung, wie Mitautorin Julia Poliscanova der Deutschen Presse-Agentur sagte. Herangezogen wurden die Ergebnisse von Straßentests, die nationale Behörden nach dem VW-Skandal begannen. Zudem wurden Daten der britischen Organisation Emission Analytics für einzelne Modelle ausgewertet. T&E trug dann die Zulassungszahlen der Modelle zusammen.

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In der T&E-Rangliste für Wagen, die unter die jüngste Abgasnorm Euro 6 fallen, schneidet ausgerechnet Volkswagen besonders gut ab. Im Normalbetrieb stießen diese VW zwar immer noch doppelt so viel Stickoxid aus wie nach Euro 6 erlaubt. Bei Opel und Vauxhall seien es aber mehr als zehn Mal, bei Renault-Nissan mehr als 14 Mal und bei Fiat und Suzuki sogar 15 Mal so viel, heißt es in der Studie.

Experten wissen schon lange, dass die für die Zulassung ausschlaggebenden Abgastests im Labor wegen besonders günstiger Bedingungen unrealistische Werte ergeben, die beim normalen Fahren nicht eingehalten werden. VW hatte vor einem Jahr zugegeben, mit einer besonderen Software Labortests zusätzlich geschönt zu haben.

VCÖ: Abgasskandal ist nur Spitze des Eisbergs

Für den Verkehrsclub Österreich (VCÖ) ist der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte nur die Spitze des Eisbergs. Die Ursache für die zu hohen Stickoxid-Ausstöße ist die Abschaltung der Abgasreinigung, die im Zuge des VW-Skandals ins Gerede gekommen ist. Bei manchen Dieselmodellen funktioniere die Abgasreinigung bei Temperaturen unter 17 Grad nicht. Bei einem anderen Auto habe das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) überhaupt aufgedeckt, dass sich die Abgasreinigung nach 22 Minuten abschaltet - der Labortest dauert 20 Minuten.

Der VCÖ fordert, dass nicht nur VW-Modelle mit manipulierten Abgaswerten zurückgerufen werden. "Alle Modelle, die aufgrund von Abschalteinrichtungen viel zu hohe Schadstoffwerte beim Fahren auf der Straße aufweisen, sollten von den Herstellern zurückgerufen und einem kostenlosen Cleaning-Up unterzogen werden." Die Politik müsse handeln, die Behörden strenger werden.

Elektroauto-Lobby fordert mehr Förderungen

Weg von Benzin und Diesel, hin zu Strom - das wollen elf Energieversorger, die sich zum Bundesverband Elektromobilität (BEÖ) zusammengeschlossen haben. Sie forderten am Montag auch Steuerzuckerl für Private, die sich ein strombetriebenes Auto anschaffen. Betriebe können rein elektrisch betrieben Firmenfahrzeuge seit 1. Jänner voll von der Vorsteuer absetzen. "Was wir jetzt brauchen, sind neue finanzielle Anreize, damit Privatpersonen auf Elektromobilität umsteigen", so BEÖ-Vorstand Jürgen Halasz.

Von Jänner bis August wurden hierzulande laut Statistik Austria 222.342 Pkw neu zugelassen, davon 2.495 E-Autos. Das entspricht einem Anteil von 1,1 Prozent. Der Großteil entfiel auf Dieselautos mit 57,5 Prozent sowie Benzinern mit -Pkw 40 Prozent. (dpa/apa/red)

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