Kraftwerkbau

Stromwirtschaft vermisst Impulse für Investitionen in Kraftwerke

Für die Energiewende muss die heimische E-Wirtschaft 29 Mrd. Euro allein in neue Stromerzeugungsanlagen stecken - doch vermisst die Branche derzeit Preisanreize für solche Investments.

Für die Energiewende muss die heimische E-Wirtschaft 29 Mrd. Euro allein in neue Stromerzeugungsanlagen stecken - doch vermisst die Branche derzeit Preisanreize für solche Investments. "Für uns gibt es keine positiven Marktsignale, damit wir diese Summe investieren können", sagte der Spartensprecher Erzeugung beim Branchenverband Oesterreichs Energie, Karl-Heinz Gruber.

Seit einem Jahrzehnt - seit der Wirtschaftskrise 2008, als die Strompreise dramatisch gesunken seien - gebe es de facto große Investitionen nur in geförderten Bereichen, auch wenn von damaligen Preisrutsch rund die Hälfte schon wieder aufgeholt worden sei, meinte Verbund-Hydro-Power-Geschäftsführer Gruber beim Oesterreichs Energie Kongress in Pamhagen im Burgenland.

Bei Windkraftanlagen gehe es um Investitionen für 20 bis 25 Jahre, bei Wasserkraftwerken um 100 Jahre, da helfe es nicht, wenn die Stromgroßhandelspreise ein zwei Jahre besser seien. Bei einem Investment in zum Beispiel dreistelliger Euro-Millionen-Höhe müsse man schon sicher sein können, ob sich das rechne oder nicht - sonst könne man als Manager womöglich in Stein oder Krems landen, also im Gefängnis.

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Auch die Umweltauflagen, die in Österreich "on top" seien, würden die Investitionen in die Erzeugung hemmen, meinte Gruber, ebenso eine Ungleichbehandlungen bei den Netzpreisen, also das regulatorische Umfeld. Dabei seien in erheblichem Maße neue Anlagen nötig, allein 37 Terawattstunden (TWh) aus Wind und Photovoltaik bis 2030. Diese Wind- und PV-Anlagen würden nur 1.000 bis 2.000 Volllaststunden im Jahr laufen, obwohl das Jahr 8.760 Stunden habe: "Ich muss auch für den Rest etwas finden." Zudem fehle gerade für solche Anlagen oft die Akzeptanz der Bevölkerung.

Bis zum Jahr 2030 würden die Investitionen wohl ohne Incentivierung nicht anspringen, dann sollte der Strompreis wieder das nötige Niveau haben, gab der Spartensprecher Erzeugung zu verstehen. Auch müsse darauf geachtet werden, dass mit Stromspeichern nicht der Bestandsmarkt ruiniert werde: "Demand-Response-Anlagen entziehen uns Geld."

Der Windkraft-Lobbyist Peter Püspök, Präsident des Dachverbands Erneuerbare Energie Österreich, beklagte, dass sich die Energiewirtschaft und der "Markt" aus mehreren Gründen schwer miteinander täten. Das viel zitierte level playing field, also gleiche Bedingungen für alle, "hätten wir erst, wenn es eine ordentliche CO2-Bepreisung gibt". Dann nämlich wären alle Förderungen obsolet.

Der deutsche Energieexperte Christoph Maurer warf - nach den Statements aus dem heimischen Stromsektor - der Branche vor, sie sei "sehr risikoavers". "Das muss sich ändern, sonst kommen andere Investoren herein." Die etwa von Püspök verlangten Absicherungen könnten ja auch dezentral kommen und nicht nur vom Staat. Märkte seien ein Koordinationswerkzeug, aber auch als Prozess für das Finden neuer Lösungen zu verstehen. Freilich sei ein Markt auch nicht abgehoben, sondern stehe immer im Zusammenhang mit regulatorischen und gesetzlichen Zielen. "Auf mittlere Sicht sehe ich die Chance, dass wir von der Förderung wegkommen. Es wäre aber blauäugig zu glauben, das ginge von heute auf morgen oder binnen zwei Jahren. Sonst würden wir auch Ziele wie zum Beispiel jenes von 100 Prozent erneuerbarem Strom im Jahr 2030 gefährden. Besser ist es, sich graduell aus der Förderung herauszuschleichen." (apa/red)

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