Energiewende

Stromwirtschaft fordert schnellere Genehmigungen für neue Projekte

Die heimische Stromwirtschaft fordert weniger Umweltschutzauflagen und schnellere Genehmigungen beim Bau neuer Kraftwerke und Stromnetze - sonst seien die Quoten bei Erneuerbaren nicht erreichbar.

Die heimische Stromwirtschaft plant für die kommenden Jahre immense Investitionen in die erneuerbare Erzeugung sowie in Netze und Speicher, braucht dafür aber geeignete Bedingungen. Nötig seien Investitionssicherheit und kürzere Genehmigungsverfahren, sonst sei das 100-Prozent-Ziel für Strom aus Erneuerbaren nur äußerst schwer zu erreichen, warnt Leonhard Schitter, Konzernchef des Versorgers Salzburg AG und derzeit Präsident des Fachverbands Oesterreichs Energie.

Bis 2030 den heimischen Stromverbrauch bilanziell zur Gänze aus erneuerbaren Energien zu bestreiten, wie dies die kürzlich verabschiedete Klima- und Energiestrategie der Regierung vorsieht, sei "ein unglaublich ambitioniertes, aber richtiges und wichtiges Ziel", das "bei entsprechendem Rahmen" erreichbar sei.

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Massiver Ausbau

Bis in zwölf Jahren soll dafür die heimische Erzeugungskapazität um 35 auf 88 Terawattstunden (TWh) ausgebaut werden - 6 bis 8 TWh sollen an Wasserkraft dazukommen, 15 TWh an Windenergie und 14 TWh aus Photovoltaik. 2016, als der Stromverbrauch (inkl. Nettostromimporte) 72,8 TWh betrug, stammten von der Inlandserzeugung an "sauberem Strom" 40,8 TWh aus Wasserkraft, erst 5,4 TWh aus Windkraft und gar nur 1,1 TWh aus Photovoltaik.

Schitter will ein neues Energiegesetz

Auch ein neues Energiegesetz sei nötig, das zum Beispiel neue Bestimmungen zur Förderung der erneuerbaren Energien enthalte, etwa neue Ausschreibungen und Marktprämien zur Windkraft, sagte Schitter. Ferner sollten Regeln zu Speichern und Energieeffizienz enthalten seien, auch das Thema Vereinfachung der Verfahren.

Denn ohne Verfahrensbeschleunigung zur Errichtung der Infrastruktur wäre es schwierig, zusätzlich 35 TWh hinzustellen. Sollte es zu wenig verfügbare Gutachter für die Verfahren geben, sei die Branche auch bereit, einen Gutachter-Pool mitzufinanzieren. Die Verfahrensbeschleunigung solle ohne Einschränkung von Rechten erfolgen, es gehe nur um eine raschere Klarheit. Eine Punktation zum Gesetz will die E-Wirtschaft über den Sommer erstellen.

Erhebliche Anteile am BIP

Der fiskalische Effekt durch die E-Wirtschaft ist erheblich: 2016 erreichte die Steuerleistung der Branche im weiteren Sinn 5,54 Mrd. Euro. Den größten Teil machten Beiträge zur Sozialversicherung und Lohnsummenabgaben aus.

Jeder 33. Arbeitsplatz in Österreich hänge von der E-Wirtschaft ab, direkt und indirekt würden 108.000 Jobs - drei Prozent aller Arbeitsplätze im Land - durch den Stromsektor gesichert, fasste Schitter die Ergebnisse neuer Berechnungen des von Christian Helmenstein geleiteten Economica Instituts zusammen. Demnach liegt die gesamte Bruttowertschöpfung der E-Wirtschaft im weiteren Sinne, also samt Vorleistungen und Einkommensverwendungen, bei 12,56 Mrd. Euro im Jahr, rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), ebenso viel wie beim Einzelhandel.

Von den 12,56 Mrd. Euro Wertschöpfung entfallen 6,08 Mrd. Euro oder die Hälfte direkt auf die Energieunternehmen, also die Mitglieder von Oesterreichs Energie. Eine weitere knappe Hälfte (5,78 Mrd. Euro) resultiert aus indirekten Effekten, in erster Linie für elektrische Ausrüstungen und Tiefbauten.

Ein Drittel der Investitionen fließt ins Ausland ab

Diese Branchen profitieren auch besonders stark von Investitionen der Strombranche, sagte Helmenstein bei der Präsentation. Weil vieles zugekauft werden muss, fließt ein Drittel der Wertschöpfung ins Ausland ab. Bei Investitionen in PV könnte es sogar mehr als ein Drittel sein, schätzt der Experte, bei Wind- und Wasserkraft-Investments sollte die Aufteilung aber doch konstant 2:1 sein. Auch Salzburg-AG-Chef Schitter geht davon aus, dass trotz der bevorstehenden intensiven Investitionsphase der Branche die Zweidrittel-Eindrittel-Aufteilung bleiben wird, also nicht mehr ins Ausland abfließt.

Große Beschäftigungseffekte

Der gesamte Beschäftigungseffekt durch die E-Wirtschaft betrifft laut Helmenstein 108.341 Menschen, wobei 33.212 Personen direkt der Strombranche zuzurechnen sind und unter anderem 60.527 den Ausrüstern. Unmittelbar oder mittelbar hänge jeder 33. Job von der E-Wirtschaft ab. Dass der Beschäftigungseffekt mit rund drei Prozent etwas niedriger als der Wertschöpfungseffekt (vier Prozent) ist, erklärt sich dem Experten zufolge durch die hohe Kapitalintensivität des Sektors, das hohe Ausbildungsniveau und den sehr hohen Anteil von Vollzeitjobs. (apa/red)

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