Energiepreise

Strompreise sinken weiter - aber in erster Linie im Großhandel

Die scheidenden E-Control-Vorstände Walter Boltz und Martin Graf ziehen ein positives Resümee zur Liberalisierung des österreichischen Strom- und Gasmarktes. Die Industrie profitiere bereits jetzt von den niedrigeren Preisen.

Die Liberalisierung des österreichischen Strom- und Gasmarktes zu Beginn des Jahrtausends hat mehr Wettbewerb, niedrigere Preise für Kunden, Vorteile für den Standort Österreich, die Beschäftigung und mehr Effizienz bei den Energieversorgern gebracht. Dieses Resümee zogen die scheidenden E-Control-Vorstände Walter Boltz und Martin Graf. Den Wettbewerb sieht man als noch ausbaufähig an.

Die Strompreise am Großhandelsmarkt für 2019 (Forwards) lägen derzeit bei knapp über 20 Euro je Megawattstunde (MWh). Die Preissenkungen für die Endkunden würden weitergehen, so Boltz. Damit die Großhandelspreis-Senkungen rasch weitergegeben werden und bei den Kunden ankommen, sei ein aktiver Wettbewerb wichtig. Die Industrie profitiere bereits jetzt von den niedrigeren Preisen.

2015 hätten fast 50 Stromlieferanten und 9 Gaslieferanten ihre Preise gesenkt. Bei vielen großen Lieferanten seien die Preissenkungen aber nicht gerade sehr ehrgeizig ausgefallen. Für heuer haben bereits weitere Unternehmen Preissenkungen angekündigt. "Der Wettbewerb könne durchaus größer sein", so Boltz bei einer Pressekonferenz zum E-Control-Jahresbericht 2015 und zu 15 Jahren Strommarktliberalisierung.

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Jeder fünfte Haushalt sei laut einer Umfrage grundsätzlich bereit, den Versorger zu wechseln. Getan haben dies seit Beginn der Liberalisierung im Jahr 2001 insgesamt rund 1,6 Millionen Haushaltskunden. Dabei gab es in den vergangenen Jahren deutliche Zuwächse. Mit einen Grund dafür sieht die E-Control im gestiegenen Einsparpotenzial bei einem Wechsel. Für 81 Prozent sei der Umstieg auf einen neuen Lieferanten rasch und unkompliziert erfolgt.

Die Wechselraten lagen im Vorjahr auf dem zweithöchsten Wert seit Liberalisierungsbeginn: Mehr als 102.000 Haushalte haben ihren Stromlieferanten gewechselt, das entspricht einer Wechselrate von 2,3 Prozent. Bei Gas betrug die Wechselrate 3,4 Prozent. Märkte brauchten typischerweise eine Wechselrate von 10 Prozent, damit der Wettbewerbsdruck hoch genug sei für eine scharfe Kalkulation der Unternehmen. Insgesamt gibt es laut E-Control in Österreich derzeit 147 verschiedene Stromlieferanten und 33 Gasanbieter.

Volkswirtschaftlich haben die Öffnung des Strommarktes im Jahr 2001 und des Gasmarktes im Jahr 2002 laut einer Wifo-Studie im Auftrag der E-Control das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kumuliert um 1,3 Prozent erhöht. 17.000 neue Jobs sind demnach entstanden. Konsumenten und Betriebe hätten weniger Geld für Energie ausgegeben, das verfügbare Geld sei in die Wirtschaft geflossen und habe neue Arbeitsplätze geschaffen. Im Strom- und Gassektor seien nur 400 Stellen weggefallen.

Die Stromrechnung für einen Haushaltskunden sei 2014 um 60 Prozent niedriger als in einem Szenario ohne Liberalisierung gewesen, für einen Industriebetrieb um 70 Prozent. Der freie Markt habe die Preise ordentlich nach unten gedrückt, so Graf. Die Energieunternehmen seien heute deutlich effizienter als im Jahr 2001.

Bei den Stromnetzentgelten, die von der E-Control festgelegt werden, hätten die Kunden seit 2001 rund 6,7 Mrd. Euro weniger bezahlt, die aktuellen Entgelte lägen um 23,8 Prozent niedriger als zu Beginn der Regulierung. Die Einsparungen seien beim Kunden angekommen. Investitionen gingen nun in den Ersatz alter Anlagen und in Neuinvestitionen etwa auch für sogenannte "intelligente" Stromnetze (Smart Grids). Wer ja sage zum Ökostrom müsse auch ja sagen zu Netzausbau und -investitionen.

Für die Ökostrom-Förderung werde aktuell von der Abwicklungsstelle OeMAG rund 1 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt. Der Ökostromzuschlag liegt für eine Durchschnittshaushalt nach früheren Angaben heuer bei rund 120 Euro (inkl. Mehrwertsteuer).

Überprüft wird von der E-Control auch die Stromkennzeichnung. Der Anteil von Graustrom ist seit 2007 von 20 Prozent auf nahezu null gesunken. Österreich habe dem Strom somit ein Mascherl gegeben, hieß es heute. Seit 2014 sei der Österreich "atomstromfrei". (APA/red)

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