Strompreise

Stromnetztarife für die Industrie werden bald teurer

Weil die Stabilisierung der Netze immer aufwendiger ist, werden im kommenden Jahr die Netztarife steigen. Für die Industriebetriebe in Österreich fällt die Teuerung höher aus als für Haushalte.

Die Stromnetztarife werden wegen höherer Kosten für die Netzstabilisierung im kommenden Jahr steigen. Für Haushalte beträgt die Erhöhung im Österreich-Schnitt 3,6 Prozent, teilte die E-Control mit. Billiger wird es für Haushalte in Linz und Vorarlberg.

Netztarife steigen besonders für die Industrie

Deutlich stärker als für die Haushalte und kleine Gewerbebetriebe (Netzebene 7) werden die Netztarife für die höheren Netzebenen angehoben - also Industrie und Produktionsunternehmen.

Deutliche Anhebungen gibt es vor allem auf den Ebenen 3 bis 5: Auf Netzebene 3 beispielsweise beträgt der Anstieg mehr als ein Fünftel, auf Netzebene 5 rund 11 Prozent.

White Paper zum Thema

Netzkosten: Etwa ein Drittel der Stromrechnung

Auf einer üblichen Stromrechnung machen die Netzkosten ein Viertel bis ein Drittel aus. Sie hängen vom Standort ab und werden von der Regulierungskommission der E-Control beschlossen. Die beiden anderen Teile der Stromrechnung sind die reinen Energiekosten sowie Steuern und Abgaben.

Der Grund für den Anstieg

Grund für die Erhöhung seien deutlich höher zu erwartende Kosten für das sogenannte Engpassmanagement des heimischen Stromnetzbetreibers APG, teilt der Regulierer mit. Das heißt: Es wird immer aufwendiger, die Stromnetze stabil zu halten.

Die APG müsse Maßnahmen zur Netzstabilisierung ergreifen und dafür Kraftwerke abrufen, so Urbantschitsch: "Insbesondere werden zur Vermeidung von Engpässen zusätzliche Kosten für die Bereitschaft von thermischen Erzeugungsanlagen anfallen. Dazu werden gerade Details zu den exakt benötigten Kapazitäten sowie den vertraglichen Rahmenbedingungen diskutiert und ausgearbeitet."

Marktpreise spiegeln die Situation nicht

Die Energiewirtschaft fordert für die Zurverfügungstellung von Kraftwerkskapazitäten mehrjährige Verträge. Das Problem: Thermische Kraftwerke könnten derzeit wegen der Marktpreise nicht wirtschaftlich betrieben werden, so E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer. "Deren Eigentümer erwägen daher ihre Schließung bzw. Stilllegung. Aus Gründen der Netzsicherheit werden jedoch Erzeugungsreserven benötigt."

Die Situation für die Haushalte

Für die Gesamtrechnung gibt es auch entlastende Effekte durch die Senkung der Ökostromkosten, so E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch gegenüber der APA. Die Ökostromförderung für einen Durchschnittshaushalt sinkt wie berichtet von heuer rund 100 Euro auf rund 90 Euro im kommenden Jahr.

Trotzdem steigen die Netzkosten für einen Durchschnittshaushalt mit 3.500 Kilowattstanden Jahresverbrauch um rund 7,80 Euro. Die regionale Bandbreite ist aber groß: Die stärkste Anhebung gibt es in Graz, mit plus 21,88 Euro (inklusive Umsatzsteuer) für einen Durchschnittshaushalt. Dahinter folgen Klagenfurt (+18,94 Euro) und Oberösterreich (+15,67 Euro). In Wien steigen die Netztarife um 8,40 Euro im Jahr. Für einen Durchschnittshaushalt in Linz sinken die Netzkosten um 4,62 Euro, in Vorarlberg um 8,19 Euro.

In Wien etwa steigen die Netzentgelte für die Netzebene 3 um rund 22,2 Prozent, für Haushalte sind es nur plus 4,3 Prozent. Die Netzentgelte 2018 lägen aber für die Netzebenen 3 bis 4 auf nomineller Basis nur leicht über jenen des Jahres 2001. Die Gesamtkosten für Industriekunden der Netzebene 3 lägen unter Annahme gleichbleibender Industriepreise für das zweite Quartal 2017 und ab Jänner 2018 noch immer unter jenen aus 2015.

(red/apa)