Metallindustrie

Streit in der Wirtschaftskammer: Kärntner Unternehmer fordert Leitls Rücktritt

Der Kärntner Unternehmer Timo Springer fordert den Kammerchef Christoph Leitl "höflich" auf, "der WKÖ die Chance auf einen Neubeginn zu geben". Auslöser sind jüngste Entscheidungen zum Mindestlohn. Springer ist Chef des Familienunternehmens Springer Maschinenfabrik und Vizeobmann des WKÖ-Fachverbands der Metalltechnischen Industrie.

Der Kärntner Unternehmer und Vizeobmann des WKÖ-Fachverbands der Metalltechnischen Industrie, Timo Springer, ist mit dem Ergebnis der Sozialpartnerverhandlungen zu Mindestlohn und Arbeitszeit äußerst unzufrieden und fordert vom WKÖ-Präsidenten Christoph Leitl einen personellen Neubeginn. Die Aussagen von Springer seien seine Privatmeinung, hieß es aus dem Fachverband auf APA-Anfrage.

Springer: Entscheidung "ein Desaster"

Springer ist Geschäftsführer des Familienunternehmens Springer Maschinenfabrik mit Sitz in Friesach, das weltweit über 500 Mitarbeiter beschäftigt. "Ich darf Sie höflich ersuchen, aus dem Desaster, das wir jetzt haben, die Konsequenz zu ziehen und der WKÖ die Chance auf einen Neubeginn zu geben", schrieb Springer laut "Kurier" in einer E-Mail an Leitl.

Zugleich stoppte Springer "bis auf weiteres" alle Zahlungen an die Wirtschaftskammer und schickte seine Mail auch an Unternehmen wie Andritz, Christof Group, Doppelmayr, Liebherr, Palfinger, Teufelberger und Voith.

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Leitl: Nicht zuzustimmen wäre fatal

Dem Bericht zufolge räumte Leitl in seiner Mail-Antwort an Springer ein, dass das Ergebnis der Sozialpartner-Verhandlungen mehr als enttäuschend sei. Was den Mindestlohn betreffe, wäre eine Nichtzustimmung fatal gewesen, so Leitl.

Im Parlament liege bereits ein Antrag auf einen Mindestlohn in Höhe von 1.750 Euro. Der WKÖ-Präsident wies auch darauf hin, dass die Industrie mit der Gewerkschaft keine Verhandlungen über eine sechste Urlaubswoche oder Arbeitszeitverkürzung führen wollte.

Um diese Einigung geht es

Die Wirtschaftskammer und Gewerkschaft als Sozialpartner einigten sich Ende Juni darauf, den kollektivvertraglichen Mindestlohn in Höhe von 1.500 Euro brutto/Monat bis zum Jahr 2020 einzuführen. Eine Lösung über flexiblere Arbeitszeit, wie von den Unternehmern gefordert, kam aber nicht zustande. Viele Wirtschaftsvertreter zeigten sich nicht erfreut über die Einigung.

"Die WKÖ vertritt keine Unternehmerinteressen mehr, sondern es vertritt der Präsident der WKÖ nur noch seine Interessen und als letzter Mohikaner eine Sozialpartnerschaft, die es in der Form nicht mehr gibt", kritisierte Springer in seiner E-Mail. Dem Unternehmer fehlen Punkte, die den Unternehmen und dem "Standort oder Österreich zugutekommen".

Kritik auch aus der Metalltechnischen Industrie

Auch der Fachverband Metalltechnische Industrie hatte Ende Juni das Ergebnis der Sozialpartnerverhandlungen scharf kritisiert. "Diese sogenannte Einigung ist für mich das Ende der Sozialpartnerschaft, wie wir sie kennen", sagte der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie, Christian Knill, damals.

"Das Ergebnis bedient nur eine Seite und lässt die Bedürfnisse der Industrie gänzlich fallen." Die Metalltechnische Industrie beschäftigt rund 130.000 Menschen und erwirtschaftete 2016 einen Produktionswert von 35,5 Mrd. Euro. (apa/red)

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