Metaller-KV

Streit bei Plansee: Management ohne Verständnis für Betriebsversammlungen

Beim Tiroler Hochleistungswerkstoffhersteller Plansee ist es diese Woche wegen Betriebsversammlungen zum Streit gekommen. Zum ersten Mal hat die Geschäftsleitung für den Zeitraum der Versammlungen die Zahlung der Löhne verweigert. Es gebe kein Verständnis für die Protestmaßnahmen, hieß es. Von der Gewerkschaft kommt Kritik.

Plansee-Vorstände Bernhard Schretter und Karlheinz Wex: Plansee unterstütze fairen Kompromiss, habe aber kein Verständnis für Protestmaßnahmen.

Eine Betriebsversammlung beim Hochleistungswerkstoffhersteller Plansee mit Stammsitz in Tirol im Vorfeld der heutigen Runde der Metaller-KV-Verhandlungen hat für einen Disput zwischen der Gewerkschaft und der Geschäftsleitung geführt. Die Arbeitnehmervertreter kritisierten die Geschäftsleitung, weil diese für den Zeitraum der Versammlungen die Lohn- und Gehaltszahlungen erstmals verweigert habe.

850 Mitarbeiter haben an Betriebsversammlungen teilgenommen

"Dieses Vorgehen ist in einem solchen Vorzeigeunternehmen total befremdlich, entbehrt jeglicher gesetzlicher Grundlage und setzt die Beschäftigten indirekt massiv unter Druck", bemängelte Christoph Scheiber, Betriebsratsvorsitzender der Angestellten bei Plansee und KV-Verhandler für die Angestellten-Gewerkschaft GPA-djp. Dennoch hätten rund 850 Mitarbeiter in den vergangenen Tagen an den Betriebsversammlungen teilgenommen.

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Alle in einer Liste namentlich erfasst

Laut Gewerkschaft erschwerte die Geschäftsführung von Plansee den Beschäftigten mit ihren Maßnahmen die Teilnahme an den Betriebsversammlungen. Abgesehen vom Verdienstentgang hätten die Arbeitnehmer mittels eigens programmierter Taste bei der elektronischen Zeiterfassung ihre Teilnahme eintragen müssen. Zusätzlich mussten die Vorgesetzten alle teilnehmenden Beschäftigten in einer Liste namentlich erfassen, hieß es. "Ein solches Vorgehen hat es in der 97-jährigen Geschichte bei Plansee nicht gegeben", so Scheiber.

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Geschäftsführung: Konflikte rund um den Metaller-KV nicht in den Betrieb tragen

Plansee betonte gegenüber ORF Tirol, dass man einen fairen Kompromiss unterstütze, aber kein Verständnis für Protestmaßnahmen habe. Planee lehne es ab, dass der Konflikt der KV-Verhandlungen in den Betrieb getragen werde und dass Betriebsversammlungen dazu genützt würden, über Themen zu sprechen, die nicht im Betrieb gelöst werden können. Zudem sei es geübte Praxis, eine Betriebsversammlung pro Jahr zu bezahlen.

Nachdem bereits eine Betriebsversammlung stattgefunden habe, sei der Betriebsrat schon im Sommer darüber informiert worden, dass eine etwaige weitere Betriebsversammlung vom Unternehmen nicht bezahlt werde, hieß es. (apa/red)

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