Nutzfahrzeuge

Streetscooter baut "im chinesischen Tempo" aus - ZF macht mit

Streetscooter baut gerade "im chinesischen Tempo" seine Produktion aus. Auch ZF baut jetzt zusammen mit der Konzerntochter der Deutschen Post einen neuen Kleintransporter - will jedoch keine Konkurrenz für seine eigenen Kunden sein.

ZF Friedrichshafen will zusammen mit Streetscooter die Serienproduktion eines neuen Elektro-Kleintransporters aufbauen. Dazu will der Autozulieferer mit dem hinter Streetscooter stehenden Entwickler von Streetscooter zusammenarbeiten, der Firma Ego Mobile (eigene Schreibweise: e.Go Mobile).

Dazu hat ZF mit Ego Mobile eine Gemeinschaftsfirma gegründet, an der ZF 40 Prozent hält. Diese neue Gemeinschaftsfirma heißt Ego Moove (eigene Schreibweise: e.Go Moove). Der Autozulieferer ZF ist selbst ein Stiftungskonzern mit Sitz am Bodensee.

Für Lasten oder den Personentransport in der Stadt gedacht

"Wir gehen mit dem Unternehmen an den Start, um eine führende Marktposition in diesem Segment des Personentransports zu erreichen", sagte ZF-Chef Wolf-Henning Scheider in Friedrichshafen.

Produziert werden soll ein Elektro-Transporter, der als Kleinbus für bis zu 15 Personen oder als Lieferwagen genutzt werden kann. Auf längere Sicht soll das für den Stadtverkehr gedachte Fahrzeug "e.Go Mover" auch automatisiert fahren.

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ZF will kein Konkurrent seiner eigenen Kunden werden

Dennoch wolle der Autozulieferer damit kein Konkurrent seiner Kunden, der Autokonzerne, werden, betonte Scheider. Vielmehr sei die Zusammenarbeit mit einem Start-up eine gute Möglichkeit, bei der Entwicklung autonomen Fahrens schnell voranzukommen, weil die Produktion flexibler sei als in den Konzernen. ZF leistet dem kleinen deutschen Elektroautobauer nicht nur Finanzhilfe, sondern liefert zu dem Modell den Stromantrieb, Lenkung, Bremsen und automatisierte Fahrfunktionen samt Steuereinheit.

Streetscooter baut massiv aus - "im chinesischen Tempo"

"Wir bauen gerade die zweite Fabrik in Aachen - in einem geradezu chinesischen Tempo von 15 Monaten", erklärte Günther Schuh, Universitätsprofessor und Chef von e.Go Mobile.

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Die Fertigung soll im zweiten Halbjahr 2019 mit einer Kleinserie von zunächst 400 Fahrzeugen starten. Es gebe bereits mehr als 70 interessierte Kunden, die sie testen wollten. Für 2020 hat sich das Gemeinschaftsunternehmen dann 2.500 bis 3.500 Wagen vorgenommen.

Das sind die Pläne für die Fertigung bei "Ego Moove"

Im Jahr darauf soll es im Zwei-Schicht-Betrieb eine Jahresproduktion von 15.000 Exemplaren geben. ZF erwarte in den nächsten fünf bis sieben Jahren eine Nachfrage von einer Million solcher Fahrzeuge weltweit. Schuhs Start-up will auch den Elektro-Kleinwagen e.Go Live auf den Markt bringen, in dem Antriebstechnik vom ZF-Konkurrenten Bosch steckt. Für Furore sorgte das Start-up aus dem Umfeld der RWTH Aachen mit dem Streetscooter, den es für die Deutsche Post entwickelte und von dem mittlerweile 20.000 Stück im Jahr vom Band rollen.

ZF gehört der Stadt Friedrichshafen

Wie hoch die Investition ist und ob ZF auch als Finanzier bei hohen Stückzahlen noch dabei ist, wollte Scheider nicht sagen. Trotz verbesserter Finanzlage nach dem Abbau der Schulden für die letzte große Übernahme des US-Zulieferers TRW stehe kein großer Firmenkauf an. Es sei "kein großer neuer Schritt" in nächster Zeit zu erwarten, erklärte der ZF-Chef. Doch ZF habe gleichwohl die Kraft dazu und warte auf eine Möglichkeit.

Scheiders Vorgänger Stefan Sommer hatte nach einem Streit mit dem Eigner, der Stadt Friedrichshafen, Ende vergangenen Jahres das Unternehmen verlassen. Mangelnde Begeisterung der Eigner für weitere Milliardenübernahmen soll dabei eine Rolle gespielt haben. Nun wolle sich ZF auf Elektromobilität und autonomes Fahren konzentrieren, erklärte Scheider. "Da haben wir alle Hände voll zu tun." (reuters/apa/red)

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