Stahlindustrie

Strafzölle: USA und China wenden einen Handelskrieg vorerst ab

Mit einer Einigung in Washington haben USA und China einen drohenden Handelskrieg vorerst abgewendet. Frankreich warnt nun vor möglichen Nachteilen für Europa.

In ihrem monatelangen Handelsstreit haben die USA und China vorerst den Verzicht auf gegenseitige Strafzölle verkündet. US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte am Sonntag dem US-Nachrichtensender Fox News, beide Länder hätten im Handelsstreit "sehr bedeutende Fortschritte" erzielt und sich auf einen "Rahmen" für ein geplantes Abkommen geeinigt.

"Wir haben vereinbart, die Strafzölle zurückzustellen, während wir versuchen, ein Rahmenabkommen auszufertigen", meinte er. Laut Mnuchin sprachen Washington und Peking auch darüber, den USA einen "fairen" Zugang zum chinesischen Markt zu eröffnen. Beim Export von landwirtschaftlichen Gütern aus den Vereinigten Staaten nach China stellte er ein "sehr großes Wachstum" in diesem Jahr in Aussicht. Die Energie-Exporte könnten sich sogar verdoppeln.

Mnuchin betonte, wenn China sich nicht an seine Verpflichtungen halte, könne Trump "jederzeit beschließen", die Zölle wieder in Kraft zu setzen.

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Trump hatte immer wieder beklagt, dass China deutlich mehr Waren in die USA ausführt, als die Volksrepublik aus den Vereinigten Staaten einführt. Er hatte China mit Strafzöllen in einer Höhe von bis zu 150 Mrd. Dollar (127 Mrd. Euro) der Importe gedroht, woraufhin Peking wiederum mit Zöllen auf US-Agrarprodukte, Flugzeuge und Whiskey gedroht hatte. Bereits im März hatte Trump Strafzölle auf Importe von chinesischem Stahl und Aluminium verhängt.

Paris: USA wollen Europa "für das schlechte Verhalten Chinas bezahlen lassen"

Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire warnte vor möglichen negativen Folgen der Übereinkunft für Europa. "Die USA und China könnten sich auf dem Rücken Europas verständigen, wenn Europa nicht in der Lage ist, Entschlossenheit zu zeigen", sagte Le Maire im französischen Fernsehsender CNEWS.

"Die USA wollen Europa und die europäischen Staaten für das schlechte Verhalten Chinas bezahlen lassen", sagte Le Maire. Bei den US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium gilt für die EU noch bis 1. Juni eine vorläufige Ausnahme. Aktuell dazu: Brüssel erwartet keine Verlängerung der Ausnahmen bei Strafzöllen >>

So soll es nun weitergehen

Nach einer weiteren Verhandlungsrunde erklärten Spitzenpolitiker beider Staaten in Washington, es seien "effektive Maßnahmen" vereinbart worden, um das US-Handelsdefizit mit der Volksrepublik deutlich zu verringern. China werde künftig mehr US-Produkte vor allem aus den Bereichen Landwirtschaft und Energie kaufen. Die USA erwarteten eine Steigerung der Agrar-Exporte nach China zwischen 35 und 40 Prozent, sagte Mnuchin dem Sender Fox. In den kommenden drei bis fünf Jahren solle China seine Abnahme von Energie verdoppeln.

Eine US-Delegation soll nun in China Details klären. Ein Zeitrahmen wurde nicht genannt. Ein Abkommen könne aber bei einem möglichen US-Besuch des chinesischen Vizepräsidenten Wang Qishan zur Jahresmitte erzielt werden, hieß es in US-Regierungskreisen. "Wir haben genaue Ziele festgelegt", sagte Mnuchin. Er werde sie jedoch nicht öffentlich nennen.

Aus der chinesischen Delegation hieß es, China werde mit dem verstärkten Kauf von US-Waren und Dienstleistungen besser die wachsende Konsumnachfrage in der Bevölkerung befriedigen können. Die USA haben ein Handelsdefizit mit China von 335 Mrd. Dollar (284 Mrd. Euro), das die US-Regierung abbauen will. (afp/reuters/apa/red)