Nutzfahrzeugindustrie

Steyr Automotive: Investor Wolf startet Kurzarbeit

Nachdem bereits BMW Steyr 800 Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet hat, wird es auch bei Steyr Automotive, vormals MAN Steyr, Kurzarbeit geben. Wie lange das Modell aktiv bleiben soll.

Investor Siegfried Wolf, Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP)

Wolf hoffe, dass er mit "Halbarbeit" im September "über die Runden" komme, sagte der neue Eigentümer in einer Pressekonferenz. Grund ist offenbar der weltweite Mangel an Halbleitern. Dieser trifft nun auch Wolfs Werk.

Siegfrid Wolf, der neue Eigentümer des MAN-Werkes, das nun "Steyr Automotive" heißt, präzisierte, MAN hatte mitteilen müssen, dass die Halbleiterlieferungen nicht im erforderlichen Ausmaß erfolgen können. Daraufhin sei mit dem AMS über Kurzarbeit verhandelt worden. Der Investor lobte das österreichische Kurzarbeitsmodell. So werde es zu "marginalen Anpassungen" für die Mitarbeiter kommen. Insgesamt hoffe er, dass es den September brauchen werde, um den Mangel in den Griff zu bekommen und man dabei mit Halbarbeit durchkommen könne. Material sei zugesagt worden. Das Werk habe volle Auftragsbücher, aber auch einen vollen Hof mit angezahlten Fahrzeugen, die nicht fertiggebaut werden können, weil beispielsweise die Elektronik für das ABS fehle. "Gott sei Dank braucht ein Lkw nicht so viele Halbleiter wie ein Luxusfahrzeug."

Chipmangel bremst weiterhin die gesamte Automobilindustrie

Wolf berichtete, der Chipmangel beschäftige die Industrie bereits seit August des Vorjahres. Es gebe "überwachte Zuteilungen" an die Bezieher. Er verlangte ein gemeinsames Vorgehen der EU. Denn derzeit würden 70 bis 75 Prozent der Halbleiter in einer Region im Fernen Osten hergestellt. Wenn China Hongkong übernehme und in weiterer Folge auch Taiwan dann seien 85 Prozent der Produktion in einer Hand. Wenn es die EU nicht gäbe müsste sie jetzt gegründet werden, vielleicht etwas umgebaut werden. Jedoch sein Appell: "Wir sind nur so stark, wie wir uns verbünden". Der Fehler in der Vergangenheit sei gewesen, dass global eine "Blutspur" hinterlassen worden sei: Es ist dorthin abgesiedelt worden, wo die Investitionen gefördert werden und der Mitarbeiter nichts bekommt". In Europa habe zuletzt im Halbleiterbereich nur Infineon in Österreich eine Mrd. Euro investiert.

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Der oberösterreichische Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) ergänzte auf Anfrage, auch etliche andere Unternehmen hätten große Probleme mit der Versorgung mit Halbleitern. "Die fahren auf Sicht". Wie lange das noch andauere sei ein Blick in die Glaskugel. Wolf erwähnte eine private Erfahrung: Ein Rollo in seinem Haus sei kaputt. Das Steuergerät lasse auf sich wartenn

Laufende Gespräche zu Personalstrategien

Über die laufenden Einzelgespräche der Personalabteilung mit den ehemaligen MAN-Mitarbeitern bezüglich deren beruflichen Zukunft berichtete Wolf, sie würden "weit besser verlaufen", als erwartet, weil es dabei gute Zukunftsperspektiven und volle Auftragsbücher gebe. Mit mehr als der Hälfte der Mitarbeiter sei schon geredet worden und es gebe mehr als positive Rückmeldungen. Er rechne damit, dass er in zwei oder drei Wochen über einen größeren partnerschaftlichen Abschluss berichten könne.

Von der rund 1.900 Leute umfassenden Stammbelegschaft müssen voraussichtlich rund 500 gehen. Künftig werden Arbeiter bis zu maximal 15 Prozent vom Nettobezug weniger verdienen, Angestellte 10 Prozent vom Brutto plus Entfall aller Überstundenpauschalen. Dafür gibt es eine Übertrittsprämie von bis zu 10.000 Euro.

Der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und Wirtschaftslandesrat Achleitner stellten in Steyr gemeinsam mit Wolf eine geplante Forschungsgesellschaft am Standort von Steyr Motive vor. Dabei soll es um modulare Batterien für Nutzfahrzeuge, Brennstoffzellen, Konzepte für E-Antriebsintegration, Wasserstoffverbrennungsmotoren und alternative Antriebsplattformen für Nutzfahrzeuge gehen. Von Bund und Land stünde eine entsprechende Forschungsförderung bereit, derzeit werde daran gearbeitet, dass die EU-Rechtskonformität sichergestellt sei. Dann könnte 2022/2023 mit der Forschungsarbeit begonnen werden.

Das Projekt ist Teil der Bemühungen um die Technologieführerschaft bei "Future Mobility". Eine Standortstudie im Auftrag des Landes hat dazu den Strukturwandel der oberösterreichischen Automobilbranche analysiert. Sie umfasst 280 Unternehmen mit 3,6 Mrd. Euro Wertschöpfung und mehr als 31.000 Beschäftigten. Dazu kommen noch indirekte Effekte, die noch weitere Wertschöpfung und zusätzliche Arbeitsplätze auslösen. Die in der Studie erkannten Trends umfassen neben der Elektrifizierung und Digitalisierung auch Werkstoffe und Werkstofftechnik und zusätzliche Geschäftsfelder. Wolf erläuterte zu den Bemühungen: "Einzelne Fahrzeuge können einige herstellen, aber wer als erster die große Volumensstruktur auf den Markt bringt, wird das Match gewinnen". Gemeinsam mit der Belegschaft gehe Steyr Automotiv" in diese Richtung. (apa/red)