Motorenbau

Steirische Autozulieferer: Wettbewerb der Motoren statt Polemik

Die Diskussion um den Dieselmotor werde zu stark von Panikmache bestimmt, kritisieren heimische Hersteller. Die Zukunft werde ein Wettbewerb von drei Technologien bestimmen, meint Firmenchef Helmut List: Verbrennungsmotor, Elektroantrieb und Brennstoffzelle.

Die Diskussion um die Mobilität mit Dieselmotor wird nach Ansicht steirischer Experten der Kfz-Branche und der steirischen Wirtschaftskammer (WK) zu stark von Panikmache und Angst getragen. Diese Antriebsart habe noch viel Potenzial. Helmut List, Vorstand und CEO der AVL List GmbH warnte in Graz davor, den Dieselmotor aus dem Wettbewerb um die besten Lösungen zu eliminieren.

"Wettbewerb zwischen drei Technologien"

"Wenn wir in die Zukunft blicken, dann sehen wir einen Wettbewerb zwischen drei Technologien: Verbrennungsmotor, Batterie und elektrischer Antrieb sowie die Brennstoffzelle. Sie und ihre Kombinationen konkurrieren um die besten Lösungen", glaubt List. Für ihn sei es keine Frage, dass die weitere Elektrifizierung alle Formen des Antriebs schrittweise voranbringen werde. Daher würde die Forschung bei AVL auch bei allen drei Technologien "mit gleicher Intensität" vorangetrieben.

Aktuell dazu:
AVL nimmt in Italien neues Forschungszentrum in Betrieb >>
AVL Plattform Testbed.Connect vernetzt Simulation mit physischem Test >>

White Paper zum Thema

"Wir sehen, dass sich die Diesel-Technologie mit großer Kraft voranentwickelt", sagte List. "Mittelfristig kann beim Dieselmotor bei den Stickoxiden ein Level erreicht werden, dass man sagen kann, dass keine schädlichen Auswirkungen auf die Luftqualität vorliegen." Nach Lists Schätzungen gehe es hier um einen Zeitraum von den nächsten "fünf bis sieben Jahren".

"Es ist daher wichtig, dass der Dieselmotor jetzt nicht auf dem Wettbewerb der Systeme herausgenommen wird", betonte der AVL-Chef.

Echte Abgaswerte messen statt die Laborwerte

Nach der Kritik an den Stickoxid-Emissionen beim Diesel habe die Gesetzgebung mit der Einführung der Messung der "Real Driving Emissions" - also die Realemissionen im echten Fahrbetrieb auf der Straße als Grundlage für die Fahrzeugzulassung - geantwortet.

Das hat laut List zu einem "Paradigmenwechsel" und innerhalb sehr kurzer Zeit zu großen Fortschritten geführt. Die Stickoxide bei den besten, neuerdings am Markt verfügbaren Dieselfahrzeugen seien innerhalb eines Jahres auf ein Fünftel reduziert worden. Im Bereich der CO2-Emissionen sei der Dieselmotor im Vergleich zum Benzinmotor schon jetzt um 15 Prozent geringer, die Verbrauchswerte von Dieselmotoren seien um rund 20 Prozent niedriger.

TU Graz: "Grenze des Machbaren ist noch lange nicht erreicht"

"Die Grenze des Machbaren ist noch lange nicht erreicht", betonte Helmut Eichlseder, Leiter des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen an der TU Graz. Bei entsprechendem Aufwand und Weiterentwicklung könne mit dem Dieselmotor ein Emissionsniveau erreicht werden, das auch als "zero impact" bezeichnet werde.

Die technologischen Ansätze dazu seien neben einer Optimierung der Einspritz- und Aufladetechnik sowie Abgasbehandlung in einer Teilelektrifizierung des Antriebes. Langfristig eröffne sich beim Dieselmotor durch den Einsatz von Kraftstoffen, die auf Basis erneuerbarer elektrischer Energie mittels Elektrolyse und Synthese hergestellt werden (synthetischen Kraftstoffe oder "E-Fuels") ein "sehr großes Potenzial".

Aktuell dazu:
AVL List und TU Graz eröffnen ein neues Forschungszentrum >>

Am Dieselmotor hängen hunderttausende Arbeitsplätze

Österreichweit würden laut Josef Herk, Präsident der WK an der Fahrzeugproduktion und am Dieselmotor rund 8,6 Mrd. Euro an direkter und indirekter Wertschöpfung und 230.000 Arbeitsplätze hängen.

Knapp ein Drittel aller österreichischen Beschäftigten im Sektor Produktion von Kraftwagen würden wiederum in der Steiermark tätig sein. Temporäre Diesel-Fahrverbote, wie sie immer wieder diskutiert werden, wären laut Herk eine akute Gefahr. (apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge