Start-ups

Start-up des ehemaligen AUA-Chefs Ötsch ist pleite

Das Start-up des früheren AUA-Chefs Alfred Ötsch wollte mit Kamera-Stabilisierungssystemen für Drohnen groß werden - das ging schief. Jetzt wird nach der Insolvenz mit einer Liquidation gerechnet. Über hundert Geldgeber sind betroffen.

Luftfahrtindustrie Start-ups Austrian Airlines Alfred Ötsch

Das ist ein Symbolbild.

Die mit Kamera-Stabilisierungssystemen für Mini-Copter befasste Wiener Start-up-Firma Dynamic Perspective, deren Geschäfte vom früheren Austrian-Airlines-Chef Alfred Ötsch geführt wurden, ist in den Konkurs geschlittert. "Das Unternehmen wird voraussichtlich geschlossen und liquidiert", erklärt die Gläubigerschutzorganisation AKV. Betroffen von der Insolvenz sind 9 Dienstnehmer und 105 Gläubiger.

Die Finanzierung des Fortbetriebes allein durch die Erträge aus den verkauften Produkten sei nicht möglich, und es seien keine ausreichenden finanziellen Mittel für einen mittelfristigen Fortbetrieb vorhanden. Dass zuletzt diverse Verhandlungen mit potenziellen Interessenten gescheitert waren, hatten am Freitagnachmittag bereits Creditreform und KSV1870 erklärt.

Schulden in Millionenhöhe

Die Verbindlichkeiten beziffert der AKV mit rund 2,7 Mio. Euro, der Großteil davon entfällt auf diverse Privatdarlehen und Fördermittel, die - neben Finanzierungen durch die Gesellschafter - die Firma bisher durchgetragen haben. Creditreform hatte die Passiva mit 3,9 Mio. Euro beziffert, aber auch eine höhere Summe für möglich gehalten, da die Unterlagen unübersichtlich seien. Das Insolvenzverfahren wurde am Handelsgericht Wien auf eigenen Antrag eröffnet. Gläubiger können ihre Forderungen bis 21. Mai anmelden. Die Berichts- und Prüfungstagsatzung ist für 4. Juni geplant.

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Kamera-Stabilisierungssysteme für Drohnen, Traghubschrauber und Leichtflugzeuge

Spezialisiert war die 2011 gegründete Firma mit Sitz in der Wehlistrasse 29 in Wien-Brigittenau auf Kamera-Stabilisierungssysteme für Film- und TV-Produktionen, die bei Gyrocoptern (Traghubschraubern), UAV (unbemannten Luftfahrzeugen) und Leichtflugzeugen zum Einsatz kommen. Man plante auch eine Produktion in den USA, um mit den Kamera-Systemen in der amerikanischen Filmindustrie Fuß zu fassen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten waren Live-Konzerte und Sport-Events, wie dies etwa im Jänner 2014 beim Red-Bull-Skijöring-Event am Pass Thurn bei Kitzbühel in Tirol der Fall war. Geldprobleme des Unternehmens waren schon früher evident, so wies etwa die Bilanz 2017 bereits 2,6 (nach 1,5) Mio. Euro Bilanzverlust und ein negatives Eigenkapital aus - bei lediglich 1,0 (1,3) Mio. Bilanzsumme.

Ötsch war bis 2006 Chef der AUA

Der heute 65-Jährige Ötsch war zunächst von 2001 bis 2006 AUA-Vorstandsmitglied gewesen und danach von 2006 bis 2009 CEO der Austrian Airlines. In seiner Zeit als Vorstand wurde der Verkauf der rot-weiß-roten Luftlinie an die Lufthansa eingeleitet. Seit 2018 fungierte der Wiener Neustädter bei Dynamic Perspective als Geschäftsführer. Laut WirtschaftsCompass hält er aktuell einen 16,4-prozentigen Anteil. Mehrere Male hat er Stammeinlagen ins Unternehmen eingebracht, erstmals im Frühjahr 2013. (apa/red)