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Standort Frankreich: Österreichische Hersteller berichten

Gut ausgebildete Techniker und eine Wirtschaftspolitik, die um hochtechnologische Produktion bemüht ist: Karin Exner-Wöhrer von der Salzburger Aluminium AG und Ernst Lemberger von der Montana Holding berichten von ihren Erfahrungen mit eigenen Werken in Frankreich.

Der Arbeitsmarkt in Frankreich mag starr sein, die damit verbundenen Nachteile werden aber durch hoch motivierte und sehr gut ausgebildete Techniker wieder wettgemacht. Außerdem hat Frankreich zuletzt viele Anreize geschaffen, um gerade forschungsintensive Betriebe ins Land zu holen, erläuterten Vertreter mehrerer in Frankreich investierter Firmen in Wien.

Frankreichs Botschafter Pascal Teixeira da Silva: Klischees stimmen nicht

Vieles entspreche nicht den Klischees, sagte Frankreichs Botschafter Pascal Teixeira da Silva. 35 Stunden arbeite nur ein Viertel der Arbeitskräfte, Führungskräfte haben in der Regel "All-in-Verträge". Es gebe Jahres-Berechnungen, unter denen die Überstundenzuschläge entfallen und diverse andere Wege der Flexibilisierung. Überstunden seien üblich.

In Summe liege die durchschnittliche Arbeitszeit pro Arbeitskraft höher als in Deutschland. Außerdem sei gerade eine Reform des Arbeitsrechts in Gang, die zu einer weiteren Flexibilisierung führen werde. Unter anderem sollen bis 2017 die Arbeitskosten um 30 Mrd. Euro sinken, die Unternehmenssteuer soll von 33,33 Prozent auf 28 Prozent sinken.

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Dennoch waren sich vier Vertreter österreichischer Investoren in Frankreich bei der diese Woche stattgefundenen Veranstaltung auf Einladung der französischen Botschaft einig: Hätten sie einen Wunsch an eine Fee, dann würden sie sich eine Vereinfachung des Arbeitsrechts wünschen. Ebenso einig waren sie sich aber, dass die bestqualifizierten, motivierten und mobilen Ingenieure der große Trumpf der französischen Wirtschaft sind.

Salzburger Aluminium AG: Gut ausgebildete Ingenieure vor Ort

Karin Exner-Wöhrer, CEO der Salzburger Aluminium AG, verweist darauf, dass ihr Unternehmen zwar ursprünglich wegen der Nähe zum Kunden 2002 in Frankreich ein Werk übernommen und modernisiert hat. Aber jetzt wisse man zu schätzen, dass "wir dort gut ausgebildete, junge Menschen finden, mehrsprachig, sehr mobil" - was in Österreich, insbesondere in Salzburg abseits der Ballungszentren nicht so sei.

Daher zentralisiere die Salzburger Aluminium AG ihre Stahlfertigung in Frankreich und habe schon zwei Produktlinien von Salzburg nach Lyon verlagert, bei einer dritten sei man gerade dabei. Wobei hier insbesondere das mühsame Behördenverfahren in Österreich ausschlaggebend war.

Arbeitsplätze in Salzburg gehen verloren

Denn in Österreich hätte die Verlegung einer genehmigten Anlage um ein paar Kilometer eine völlige Neu-Genehmigung erfordert, in Frankreich könne man hingegen an einem genehmigten Standort ohne weitere Schwierigkeiten neue Anlagen aufstellen.

30 bis 40 Arbeitsplätze gingen dadurch in Salzburg verloren und natürlich werde man künftig bei Investitionen immer auch im Auge behalten, ob diese nicht in Frankreich sinnvoller seien. Sie beobachte mit Interesse die Bemühungen Frankreichs um hochtechnologische Produktionen, sagt Exner-Wöhrer: "Wir werden sicher in Frankreich einige Tätigkeiten bündeln und ansiedeln". Dafür müsse man die "sehr andere Gewerkschaftskultur" und das Arbeitsrecht hinnehmen.

Montana Holding: Frankreich ein "wirklich guter Standort"

Ähnlich positiv ist Ernst Lemberger, CEO der Montana Holding, eingestellt. Sein Unternehmen ist in der Luftfahrttechnologie tätig und dafür sei Frankreich ein "wirklich guter Standort". Auch wenn der Umgang mit Banken kompliziert, Behörden- und Gerichtsverfahren ausufernd langsam seien, werde dies durch die hervorragende Infrastruktur sowie Förderung von Forschung und Entwicklung aufgewogen. Gerade die Forschungsförderung "kann man gar nicht genug betonen".

Sein Unternehmen könne aufgrund dieses positiven Umfelds bei 45 Mio. Euro Umsatz jährlich zwei oder drei Millionen Euro in Forschung stecken. Und auch Lemberger hebt hervor: Die breite Schicht von gut ausgebildeten, hoch motivierten und mobilen Ingenieuren sei für seine Firma mit ihrem technischen Schwerpunkt "das Wichtigste". Auch er verwies darauf, dass Studenten aus Graz oder Wien dann nicht mehr an den Standort in der Steiermark wechseln.

Freude über Geld vom Staat

Mit den französischen Mitarbeitern sei es hingegen ohne weiteres möglich, mit den großen Zulieferern der Luftfahrtindustrie an der Weltspitze mitzuhalten. "Ich hätte meine Sachen in Österreich nicht machen können." Und ein hochmodernes Türscharnier für den Airbus im 3D-Gussverfahren sei auch nur möglich geworden, "weil der französische Staat mitgespielt hat". (apa/red)