Stahlindustrie

Stahlwerk Ilva: Rom droht mit hartem Vorgehen gegen Arcelormittal

Der weltgrößte Stahlkonzern will die schon fixierte Übernahme des größten Stahlwerks Europas rückgängig zu machen und fordert die Streichung von 5.000 Jobs. Die italienische Regierung will dagegen ankämpfen und kündigt "hartes Vorgehen" gegen den multinationalen Stahlriesen an.

Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte hat am Freitagabend die streikenden Mitarbeiter des Stahlkonzerns Ilva im süditalienischen Tarent besucht, die gegen den Rückzugdes Stahlgiganten Arcelormittal aus Italien protestieren.

Stahlkonzern will in Italien 5.000 Arbeitsplätze streichen - oder ganz aussteigen

Der weltgrößte Stahlkonzern hatte vergangene Woche mitgeteilt, die vor einem Jahr besiegelte Übernahme des Werks rückgängig zu machen. Als Grund nannte er jüngste Änderungen in der italienischen Gesetzgebung, mit denen eine Immunität für eventuelle Verstöße gegen Umweltbestimmungen aufgehoben würde. Arcelormittal sieht sich nun berechtigt, von einer Ausstiegsklausel im Vertrag Gebrauch zu machen. Der Konzern fordert die Streichung von 5.000 Jobs in Italien.

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Allerdings: Der französisch-luxemburgisch-indische Konzern hatte sich vor einem Jahr gegenüber der Regierung in Rom zur Übernahme des Ilva-Stahlwerks verpflichtet.

Conte droht mit hartem Vorgehen gegen Arcelormittal

"Wenn sich Arcelormittal zurückzieht, wird es zu einem rechtlichen Kampf kommen und wir werden sehr hart sein", sagte Conte. Der indische Stahlkonzern Jindal dementierte unterdessen Interesse, anstelle von Arcelormittal den Stahlkonzern Ilva übernehmen zu wollen. Ilva beschäftigt Italien-weit über 10.000 Personen, darunter 8.500 allein in Taranto.

Inzwischen wächst die Forderung in linken Polit-Kreisen Italiens nach eine Verstaatlichung des Ilva-Konzerns - einst Spitzenreiter in Europa, was die Produktionsmenge betrifft. "Wenn der Markt scheitert, muss der Staat einspringen, vor allem wenn es um so viele Arbeitsplätze geht", sagte der sozialdemokratische Regionenminister Francesco Boccia.

Auch die Gewerkschaften forderten den Einstieg des Staats beim Ilva-Werk. "Das ist sehr wichtig, weil Italien seine Stahlindustrie verteidigen muss", sagte der Chef des stärksten italienischen Gewerkschaftsverbands CGIL, Maurizio Landini. Laut Industrieminister Stefano Patuanelli ist eine Verstaatlichung des Stahlwerks im Fall eines Rückzugs von Arcelormittal "kein Tabu".

Stahlriese schreibt rote Zahlen

Arcelormittal bekommt die schwache Nachfrage in den USA und Europa zu spüren. Für das dritte Quartal wies Arcelor einen Verlust von 539 Mio. Dollar (486 Mio. Euro) aus, nach einem Gewinn von 899 Millionen vor Jahresfrist. Im Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit stagnierenden Lieferungen, nachdem bisher noch ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert worden war.

Für Gesamtjahr stagnierende Lieferungen erwartet

Arcelor geht von einer schwachen Stahlnachfrage in den USA aufgrund der schwächelnden Autoindustrie und eines Nachfragerückgangs nach Maschinen aus. In Europa dürfte die Stahlnachfrage noch stärker fallen als ursprünglich befürchtet.

(APA/Reuters/red)

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