Stahlindustrie

Stahlschwemme nach Europa: Die 3 wichtigsten Antworten

Mit den Strafzöllen der USA rechnet die Stahlindustrie Europas mit einer Importschwemme - und regt Schutzzölle auf Stahl aus Drittländern an. Hier die wichtigsten drei Antworten zur aktuellen Situation.

US-Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahlimporte und von zehn Prozent auf Aluminium-Einfuhren - das hat Auswirkungen auf die Schwerindustrie in Deutschland und in ganz Europa. Hersteller fürchten vor allem eine Importschwemme von Produkten aus China und weiteren Drittstaaten.

Der europäische Stahlverband Eurofer kritisiert die US-Stahlzölle scharf. "Die amerikanischen Maßnahmen sind blanker Protektionismus - heute ist ein schlechter Tag für den Welthandel", so Axel Eggert, Generaldirektor von Eurofer. Nun müsse die EU-Kommission schnell handeln, um die hiesige Stahlbranche zu schützen.

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(1) WIE STARK IST DIE STAHLINDUSTRIE BETROFFEN?

Direkt betroffen sind die Stahlhersteller gar nicht so sehr, denn von den gut 40 Millionen Tonnen hier produzierten Walzstahls ging vergangenes Jahr laut Wirtschaftsvereinigung Stahl nur rund eine Million Tonnen in die USA. Damit sind die Vereinigten Staaten außerhalb der Europäischen Union dennoch der wichtigste Absatzmarkt für die deutschen Produzenten.

Der Gesamtwert der deutschen Stahlexporte betrug vergangenes Jahr Daten des US-Handelsministeriums zufolge 1,5 Mrd. Dollar (1,3 Mrd. Euro). Damit steht Deutschland unter den Exportländern an siebenter Stelle. Ebenso beim Aluminium - der Warenwert in diesem Bereich betrug aber nur rund 400 Mio. Dollar.

(2) WARUM IST DIE STAHLINDUSTRIE DENNOCH SO BESORGT?

Der gefährlichste Effekt der US-Strafzölle ist laut Wirtschaftsvereinigung Stahl der "Kaskadeneffekt": Wegen der Abschottung der USA könnten Exporteure verstärkt in die EU liefern. Trump strebt eine Reduzierung der US-Importe um 13 Millionen Tonnen an - von denen könnte ein "erheblicher Teil" nach Europa kommen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte deshalb von der EU Schutzzölle auf Stahl aus Drittländern wie China, statt mit Gegenzöllen zu reagieren. Diese könnten in Übereinstimmung mit den WTO-Regeln verhängt werden, wenn die eigene Wirtschaft durch umgelenkte Warenströme bedroht sei.

Eurofer zufolge sind in den ersten vier Monaten des Jahres die Stahlimporte in die EU bereits um acht Prozent nach oben geschnellt. Dies sei mit Sicherheit auf die Drohung der USA mit Strafabgaben seit März zurückzuführen.

(3) IN WELCHEM ZUSTAND SIND EUROPAS STAHLHERSTELLER?

Die Hersteller sind vom Preisverfall der vergangenen Jahre durch die globale Überproduktion noch deutlich geschwächt. Ihre Umsatzerlöse in Deutschland gingen laut Branchenverband zwischen 2011 und 2016 von knapp 50 Milliarden auf 35 Mrd. Euro zurück. Die Stahlproduzenten reagierten, indem sie Kosten drückten, fusionierten, Werke modernisierten und Arbeitsplätze abbauten.

Der größte deutsche Stahlhersteller im Jahr 2016 war ThyssenKrupp mit einer Produktion von 12,1 Millionen Tonnen Stahl. Die Essener wollen ihre Stahlsparte mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel verschmelzen. Es folgt der europäische Spitzenreiter ArcelorMittal mit 7,8 Millionen Tonnen Produktionsmenge in Deutschland. Schließlich kommt Salzgitter mit sieben Millionen Tonnen Stahl.

(Florian Müller, AFP/Reuters/APA/red)

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