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Stahl-Experte Theuringer: "Tiefpunkt der Stahlindustrie überwunden"

Der Stahlexperte Martin Theuringer sieht den Tiefpunkt der Stahlindustrie in der EU als überwunden an. "Die Nachfrage der EU dürfte zum ersten Mal seit drei Jahren wieder um rund drei Prozent zulegen", erklärt der Experte in einem Interview.

Stahlindustrie

Der Tiefpunkt der Stahlindustrie sei überwunden, erklärt Stahlexperte Martin Theuringer, Leiter Geschäftsfeld Wirtschaft bei der WV Stahl: "Die Erholung auf dem europäischen Stahlmarkt hat im zweiten Halbjahr 2013 eingesetzt. Die Nachfrage in der EU dürfte zum ersten Mal seit drei Jahren wieder rund drei Prozent zulegen", so Theuringer im Interview mit dem Deutschen Anleger Fernsehen.

Die Konkurrenz aus China exportiere nicht benötigte Mengen ins Ausland, wodurch die Erholung in Europa und in der restlichen Welt belastet werde. Das Abebben der Unsicherheit im Ukraine-Konflikt könnte zu einer Verbesserung der Situation führen, so Theuringer.

Baubranche leidet kräftig

Einer der wichtigsten Abnehmer für Stahl ist die Baubranche, die auch kräftig leidet. Theuringer erwartet hier auch weiterhin eine Nachfrage auf einem niedrigen Level. Auch die Investitionsschwäche in Europa ist ein großes Problem: "Das betrifft auch private Investoren. Auch in Deutschland gibt es eine Zurückhaltung, die uns Sorgen macht", so Theuringer.

Die Industrie schafft es immer noch nicht, sich zu erholen. Im ersten Halbjahr hatten die Auftragseingänge um 4 Prozent zugelegt. Die Branche hatte lange unter der schwachen Wirtschaftslage in Südeuropa gelitten. Ein hohes Angebot hielt die Preise zusätzlich niedrig. Viele Stahlhersteller schrieben daher in den vergangenen Jahren rote Zahlen und arbeiten sich nun allmählich wieder nach oben.

Voest-Chef Eder stellt EU als Standort in Frage

Bei einer Pressekonferenz vergangene Woche sorgte Wolfgang Eder, Chef des Stahlriesen Voestalpine, für Aufregung. Wie lange die EU noch als rentabler Standort für Stahlproduktion herhalten könne, sei fraglich, erklärte Eder. Das schließe auch Österreich nicht aus. Eder hofft auf die aktuelle EU-Komission: "Wenn die Richtung in den nächsten Jahren eine Industriefreundliche ist, bleiben wir in Europa. Wenn sich nichts ändert, müssen wir umziehen, ansonsten rennen wir in die Pleite."

ArcelorMittal sieht keinen Grund zur Sorge

Positive Aussichten hingegen gibt es beim Stahlmagnaten ArcelorMittal: Der Konzern rechnet dank der Konjunkturerholung in Europa mit einer weltweit anziehenden Nachfrage nach Eisen und Stahl. Insgesamt steige der Verbrauch 2014 um 3,5 bis 4 Prozent und damit etwas stärker als im vergangenen Jahr. (mato)

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