Autotest

Sssssh... Der Tesla Model S

Ingmar Höbarth, Chef des Klima- und Energiefonds, ließ sich überreden, den brandneuen Tesla Model S zu testen. Notizen einer überraschend bedächtigen Ausfahrt für einen Manager mit derart rasantem Lebenslauf.

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"Um diesen Termin heute hat mich ein ganzes Büro beneidet", sagt Ingmar Höbarth lächelnd. Der 52-Jährige umschreitet in legerer Montur den blitzblauen Wagen und staunt erst einmal: "Aha, Teslas haben jetzt auch schon Spoiler", sagt er und sinniert: "Ich bin ja mit sowas schon mal gefahren, aber damals wirkte das alles noch ein bisschen bescheidener."

In der Tat haben wir das derzeitige Spitzenmodell des kalifornischen Autobauers ausgefasst: Ein Model S P85D. Es gibt originellerweise weder Prospekt noch Unterlagen ("Das unterscheidet uns von anderen Autobauern."), die Typenbezeichnung entschlüsseln wir dann doch: Das P steht für Performance, 85 für die Zahl der Kilowattstunde im Akku, und D für den Dualantrieb. Unser Batterieauto hat also einen Motor an der Vorder- und einen an der Hinterachse, einen großen Elektronentank und dürfte recht schnell sein. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Klimafonds wollen wir das an einem frischen Novembermorgen erkunden. Unser Ausflug führt uns in den Nordosten Wiens, wo wir über Wege mit so klingenden Namen wie "Ostbahnbegleitstraße" rollen. 

Für den Autotest, bei dem es um den Tester genauso wie um den Wagen gehen soll, ist der Tesla ideal: Man muss nicht schalten, der Motor macht keinen Lärm und die Elektronik vermittelt, dass der Wagen ohnehin alles von selbst macht. "Man fährt völlig smooth dahin, das ist schon toll", meint Höbarth mit leicht glänzenden Augen. "Und dabei liegt der Wagen satt auf der Straße und fühlt sich eigentlich richtig gut an."

Privat fährt er einen VW Golf Blue Motion, mit dem er derzeit nur begrenzte Freude hat. "Ich habe bei der Anschaffung ein halbes Jahr auf das Auto gewartet und bin jetzt ziemlich sauer", sagt er über den Rückrufbrief, den er vor Kurzem von Volkswagen bekommen hat. "Aber das Ganze hat auch einen positiven Aspekt: Vielleicht werden jetzt endlich korrekte Testverfahren eingeführt."

Pragmatischer Optimismus ist eine von Höbarths Tugenden. Das beweist auch sein Lebenslauf, der in der proporzgesteuerten Alpenrepublik eigentlich eine kleine Sensation ist. Der Geschäftsführer des staatlichen Klimafonds war nämlich Gründungsmitglied von Greenpeace und Global 2000 in Österreich. Als Kampagnenleiter kettete er sich auch mal an Schornsteine und besetzte die slowakische Botschaft, um gegen den Ausbau von Mochovce zu demonstrieren. In dieser Zeit hatte er viel mit dem damaligen Umweltminister Josef Pröll zu tun. Der fragte ihn 2007, ob er nicht Lust habe, selbst aktiv zu gestalten. Pröll eröffnete Höbarth die Perspektive, die Strategie und Maßnahmen der Klimaschutzpolitik mitzugestalten. Höbarth stellte Bedingungen, nahm das Angebot an und leitet seit der Gründung 2007 den Klimafonds.