Chemische Industrie

Spezialchemie: Zollstreit und Autoflaute belasten Evonik

Der Spezialchemie-Konzern Evonik sieht sich trotz Autoflaute und internationaler Handelskonflikte auf Kurs zu seinen Jahreszielen.

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Der Spezialchemie-Konzern Evonik sieht sich trotz Autoflaute und internationaler Handelskonflikte auf Kurs zu seinen Jahreszielen. "Die Abkühlung im Welthandel und die zunehmende Schwäche in wichtigen Industrien machen es uns nicht leichter", sagte Konzernchef Christian Kullmann laut Mitteilung in Essen. "Dennoch bleiben wir auf Jahressicht zuversichtlich."

Im abgelaufenen zweiten Jahresviertel musste der Konzern wegen der Autoflaute und niedrigerer Preise für Tierfutter-Eiweiß im Vergleich zu den hohen Vorjahreswerten Einbußen hinnehmen. Anleger war die Bestätigung der Jahresziele angesichts der Betonung der wirtschaftlichen Risiken offenbar nicht genug: Der Aktienkurs geriet in der Früh unter Druck.

Kullmann rechnet für 2019 weiterhin mit einem Umsatz von 13,3 Mrd. Euro sowie einem bereinigten Ebitda von 2,15 Mrd. Euro. Dabei helfen soll auch eine Senkung der geplanten Investitionen. Der Ende letzten Jahres angekündigte Kauf des US-Unternehmens PeroxyChem ist in der Prognose noch nicht enthalten.

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In den vergangenen Monaten bekam auch Evonik die trägere Entwicklung der Konjunktur zu spüren. Die Unsicherheiten wegen des US-chinesischen Handelskonflikts hätten den Welthandel, die globale Industrieproduktion sowie die Investitionstätigkeit der Unternehmen spürbar beeinträchtigt, hieß es von Evonik. Das mache sich vor allem im Geschäft mit der Auto- und Beschichtungsindustrie bemerkbar, während die Lage im Konsumgüterbereich intakt geblieben sei.

Beim Spezialchemie-Konzern sank denn auch die Nachfrage nach Zusatzstoffen für Öle, Beschichtungen und Lacke in der Sparte Resource Efficiency. Leicht höhere Verkaufspreise und eine gute Nachfrage nach Hochleistungskunststoffen konnten diese Entwicklung nicht ausgleichen.

In der Sparte Nutrition & Care rund um Anwendungen für Konsumgüter, Gesundheit sowie Tierfutter drückten erneut niedrigere Preise für das Tierfutter-Eiweiß Methionin auf den Umsatz. Die Nachfrage ist zwar hoch, das gilt aber auch für das Angebot - und das wächst weiter.

Evonik hatte jüngst eine neue Methionin-Anlage in Singapur fertiggestellt. Die Kosten dafür drückten auf den Gewinn, und das Hochfahren der Anlage in den kommenden Monaten wird weiteres Geld kosten. In der Sparte Performance Materials, die auch Zwischenprodukte für die Gummi-, Kunststoff- und Agrarindustrie produziert, gingen Umsatz und operatives Ergebnis ebenfalls zurück, unter anderen wegen niedrigerer Verkaufspreise.

Insgesamt fiel der Konzernumsatz des zweiten Quartals im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf 3,3 Mrd. Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um acht Prozent auf 566 Mio. Euro. Unter dem Strich verdiente Evonik 228 Mio. Euro und damit gut ein Viertel weniger als ein Jahr zuvor. Dabei belasteten neben der trägeren Konjunktur auch die Kosten für eine neue Anlage in Singapur. Zudem war im Vorjahr unter dem Strich noch das mittlerweile verkaufte Methacrylat-Geschäft rund um Plexiglas ins Ergebnis eingeflossen.

Analysten hatten die Veräußerung des stark schwankungsanfälligen Geschäfts vor allem wegen des erzielten Preises gelobt. Der Verkauf ist Teil des Konzernumbaus hin zur profitableren Spezialchemie, die sich auch in konjunkturell tristen Zeiten im Vergleich zum Geschäft mit Massen- und Basischemikalien in der Regel vergleichsweise stabil hält.

Im Zusammenhang mit dem Verkauf, der nun abgeschlossen wurde, fällt eine einmalige Steuerbelastung von rund 260 Mio. Euro an. Allerdings geht Evonik davon aus, dass diese Summe durch höhere Abschreibungen über die kommenden 15 Jahre weitgehend wieder rein kommt.

Das Geld aus dem Verkauf soll unter anderem in den Ausbau des Spezialchemie-Geschäfts fließen. Erst Ende 2018 hatte Evonik ihre Einkaufstour mit der Ankündigung der Übernahme des US-Herstellers von Wasserstoffperoxid Peroxychem fortgesetzt.

Kullmann hat zudem noch einiges vor. Erst vor wenigen Monaten hatte er mit Blick auf den Konzernumbau den Vergleich zu einem 100-Meter-Lauf gezogen und Evonik dabei erst bei Meter 10 gesehen. Im Zuge des Umbaus wird auch eingespart. So will Evonik, wie schon länger bekannt, bis Ende 2021 rund 1.000 Stellen in der Verwaltung und dem Vertrieb streichen. Bis Ende 2019 soll mehr als die Hälfte davon geschafft sein.

Der Aktienkurs fiel kurz nach dem Handelsstart um 3,66 Prozent auf 25,01 Euro, wobei sich das Plus im bisherigen Jahresverlauf damit immer noch auf fast 15 Prozent beläuft. Insgesamt sei Evonik im abgelaufenen Quartal ein wenig hinter den Erwartungen zurückgeblieben, urteilte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research. Im Vergleich zu anderen Chemieunternehmen wie BASF hätten sich die Essener aber gut geschlagen. So musste der Ludwigshafener DAX-Konzern unlängst seine Jahresziele einstampfen. (dpa-afx/apa/red)