Atomkraft

Sparkurs für Areva nach Milliardenverlust

Der französische Atomkonzern Areva will nach einem Verlust von knapp fünf Milliarden Euro kräftig sparen. In drei Jahren müsse das Unternehmen in der Lage sein, sich selbst zu finanzieren, betonte Areva-Chef Philippe Knoche.

Areva Energie & Umwelt Atomkraft

Die Kosten würden um eine Milliarde Euro gesenkt, kündigte Areva am Mittwoch an. Zugleich soll die Partnerschaft mit dem ebenfalls staatlich kontrollierten Stromversorger EDF gestärkt und die Präsenz in China ausgebaut werden. Areva-Chef Philippe Knoche betonte dabei, dass das Unternehmen in drei Jahren in der Lage sein müsse, sich wieder selbst zu finanzieren. im Februar versprach das Unternehmen, eine Strategie vorzustellen, um die Verluste zu decken.  Auch ein Abbau von Stellen ist nicht ausgeschlossen, doch soll dies laut Knoche vor allem "auf freiwilliger Basis" erreicht werden. Details zu den Arbeitsplätzen sollen erst später bekannt gegeben werden. Ab Ende März will der staatliche Konzern mit den Gewerkschaften über eine Vereinbarung zu Stellen, Gehältern und Arbeitszeiten verhandeln, wie das Unternehmen in einer Erklärung mitteilte.

Die Ministerin für Umwelt und Energie, Segolene Royal, hob hervor, dass "von vornherein keine Kündigungen vorgesehen" seien, dass es aber "freiwillige oder vorgezogene Abgänge" geben werde. Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hatte am Dienstag mit Blick auf die Stellen versichert, dass es kein "soziales Gemetzel" geben werde. Die eine Milliarde Euro Einsparungen bis 2017 soll erzielt werden über den Einkauf, über "eine starke Verbesserung der Produktivität" und eine Veränderung bei Strukturen und Standorten. Zudem will der Konzern seine Investitionen verringern und Anlagevermögen abstoßen über die im Oktober geplanten 450 Millionen Euro hinaus.

Areva war schon im Jahr 2013 defizitär, allerdings lag der Verlust damals mit 500 Millionen Euro deutlich niedriger. Aufgrund der jüngsten Verluste in 2014, die bereits Ende Februar vorläufig angekündigt worden waren, könnte eine Kapitalerhöhung notwendig werden. Eine Finanzspritze des Staates ist laut Macron zum jetzigen Zeitpunkt aber "verfrüht".

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Areva leidet darunter, dass nach der Fukushima-Katastrophe weniger AKWs gebaut werden. Hinzu kommen die gespannte Lage auf dem Strommarkt, weswegen viele Versorger bei Wartungsaufträgen sparen, sowie die Konkurrenz aus Russland, Japan und Südkorea. Schwer zu schaffen machen dem Unternehmen zudem Verzögerungen beim Bau eines neuen Blocks für das finnische Atomkraftwerk (AKW) Olkiluoto, den Areva in Zusammenarbeit mit Siemens errichtet. Insgesamt führte das im vergangenen Jahr zu einem Verlust von 4,83 Mrd. Euro, nach einem Minus von knapp einer halben Milliarde im Jahr zuvor. (apa)

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