Solarindustrie

Solarworld übernimmt Bosch-Werk in Arnstadt

Auch die 800 Mitarbeiter in den Bereichen Zelle und Modul sollen mitübernommen werden.

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Die mitten in der Sanierung steckende Solarworld AG verleibt sich das Thüringer Solarwerk des Industriekonzerns Bosch ein. Solarworld übernehme am Standort Arnstadt eine Zellfertigung mit einer Produktionskapazität von 700 Megawatt (MW) und eine Modulfertigung mit 200 MW sowie insgesamt 800 Mitarbeiter, teilte der Bonner Konzern am Dienstag mit. Solarworld steigt damit nach Angaben von Konzernchef Frank Asbeck zum größten Solarhersteller außerhalb Chinas auf - mit knapp 3.000 Beschäftigten und einer Fertigungskapazität von über einem Gigawatt.

Zum Kaufpreis machte Solarworld keine Angaben, erklärte aber, der Kauf werde die Finanzmittel nicht reduzieren. Reuters hatte von Insidern in den vergangenen Wochen erfahren, Solarworld erhalte sogar eine Art Mitgift von Bosch.

Bosch-Chef Volkmar Denner hatte die unter Bosch Solar Energy firmierende Sparte mit 3.000 Mitarbeitern im Frühjahr auf die Verkaufsliste gesetzt. Bosch hatte 530 Millionen Euro in den Standort investiert. Doch der Preisverfall in der Branche sorgte dafür, dass Bosch 2,4 Milliarden Euro in der Solartechnik verbrannte.

Zur Zukunft des Werks hat am Dienstagvormittag eine Mitarbeiterversammlung begonnen. Derzeit sind in Arnstadt noch 1.600 Mitarbeiter beschäftigt. Nach hohen Verlusten hatte Bosch den Komplettausstieg aus dem Solar-Geschäft Anfang 2014 beschlossen.

"Filetstück"

"Solarworld kauft ein Filetstück", betonte Bosch-Chef Volkmar Denner. Der Bonner Konzern habe "bessere Kostenpositionen und eine bessere regionale Aufstellung" als Bosch und daher die Chance, die Werke profitabel zu führen. Bosch fahre dagegen täglich hohe Verluste ein.

Für Bosch war der Ausflug in die Solarbranche ein Desaster. Der schwäbische Konzern will diese Sparte - inklusive seiner Beteiligung an Aleo Solar - mit insgesamt rund 3.000 Mitarbeitern loswerden und notfalls schließen. Der Autozulieferer war erst 2008 mit der Übernahme der einst börsennotierten Ersol in das damals gewinnträchtige Geschäft eingestiegen und hatte über 500 Millionen Euro in den Standort im thüringischen Arnstadt investiert. Doch der Preisverfall sorgte dafür, dass Bosch seit damals rund 2,4 Milliarden Euro verbrannte.

Tiefe Krise

Auch Solarworld, einst das Aushängeschild der Branche, steckt tief in der Krise. Nach einem im August von den Aktionären abgesegneten Sanierungskonzept verlieren diese einen Großteil ihrer Anteile. Die Gläubiger tauschen einen Teil der Schulden in Aktien, was die Verbindlichkeiten von über 900 Millionen Euro auf unter 500 Millionen Euro drückt. Rund 60 Millionen Euro Zinsen im Jahr hätten Solarworld überfordert.

Anfechtungsklagen könnten die Sache allerdings verzögern. Asbeck kalkuliert damit, dass die Transaktion erst Anfang 2014 über. Er setzt zudem auf eine Ertragswende Ende des kommenden Jahres. (APA/Reuters/dpa)